Montag, Uppsala.
Die Route nach Valladolid steht. Da ich sowohl in Malmö als auch in Hamburg schon länger nicht mehr in den Niederlassungen reingeschaut habe werde ich dort Pausen mit einbauen. Mit meinem Bürokram, der sich in den zwei Wochen Urlaub angesammelt hatte, bin ich inzwischen auch fast durch.
„Guadn Moang Chef.“ werde ich plötzlich in feinster bayrischer Tonlage begrüßt. Es ist 10:00 Uhr und Wiebke steht in der Bürotür. „Moin Wiebke. Schön das du da bist.“ „Sandra sagte ich soll mich kurz bei dir melden?!“ „Ist richtig. Ist nichts schlimmes. Du hast ja ab Donnerstag Urlaub, richtig?“ „Ja.“ „Gut. Du bekommst morgen und Mittwoch noch ein paar kleine Touren hier ab Uppsala. Die fährst du dann mit meinem V8. Ich brauche deinen MAN für eine Tour nach Spanien.“ „OK. Und wie komm ich dann nach Hause?“ „Sandra hat dir für Mittwochnachmittag einen Flug gebucht. Nach deinem Urlaub startest du dann wieder mit dem MAN ab München.“
Wir gehen gemeinsam zum MAN und ich helfe Wiebke dabei ihre Sachen in den Scania umzuräumen. Ich schnappe mir mein Namensschild und platziere es im MAN. Anschließend hole ich meine Tasche, die ich für die Tour gepackt habe.
…
11:10 Uhr. Ich gehe noch einmal zu Sandra ins Büro und umarme sie. „Ich muss jetzt los.“ „Na dann: runner vom Hoff.“ Den Satz kannte ich nur zu gut; den hat mein Opa als er noch lebte auch immer zum Abschied über die Lippen gebracht. Sandra lächelt und gibt mir einen Kuss. Danach bin ich dann auf dem Weg. Zu erst fahre ich zu unserer Werkstatt um die Ecke wo der blaue Schwarzmüller `RON 802`steht. Nach einer kurzen Abfahrtskontrolle am Trailer geht es über meine Rennstrecke, die E4, auf nach Linköping. Gut zweihundertsechzig Kilometer Leerfahrt.
…
Als ich beim Kunden ankomme werde ich dort schon erwartet. Der Lagermeister der Maschinenbaufirma begrüßt mich als wenn ich dort täglich ein- und ausgehen würde. „… fährst du dann den Trailer dort hinten unter die Krananlage. Die Kiste ist noch nicht ganz fertig. Die Nachtschicht packt dir die nachher drauf, sodass du wie geplant morgen früh los kannst. Die Paletten die auf den Motorwagen sollen schiebe ich dir gleich drauf. Nimm das freie Tor neben dem Container. Schaffst du es eigentlich am Montag früh in Valladolid anzuliefern“ „Ihr hattet doch Dienstag im Auftrag stehen?!“ „Ja, ich weiß. Wenn du das nicht Montag schaffst wärst du damit ja immer noch pünktlich. Unser Montageleiter fragte mich vorhin nur, weil er wohl seine Leute ab Montag da unten hat…“ „Hmmm. Alsoooo… ich muss auf dem Weg runter auf jeden Fall noch in Malmö und Hamburg in meinen Niederlassungen was erledigen. Wenn ich die spanische Grenze am Samstag vor 22:00 Uhr erreiche, dann schaff ich das, weil ich dann Sonntag fahren darf. Bin ich um 22:01 aber noch in Frankreich, dann muss ich da stehen bleiben.“ „Verstehe.“
Ich fahre den Trailer zur Krananlage und setze danach den MAN an das zugewiesene Tor.

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Dienstag, Linköping.
Um 06:30 Uhr klingelt mein Wecker. Ich darf die Sanitärräume der Maschinenbaufirma nutzen und bekomme anschließend sogar ein kostenfreies Frühstück in der Kantine. Um kurz nach 08:00 Uhr sitze ich mit einer Tasse Kaffee im Büro des Lagermeisters und warte auf meine Papiere. Als dieser rein kommt muss nur noch ein Stempel gesetzt werden. „So. Du kannst los. Gute Fahrt.“ „Danke.“ Ich setze den MAN an den Tieflader und mache meine Abfahrtskontrolle.
Um 08:45 Uhr rolle ich dann vom Hof. Es geht wieder auf die E4 in Richtung südwest.

…
Ich nähere mich Helsingborg wo ich auf die E6/E20 wechseln will. Der Verkehr wird dichter und kommt dann zwei Kilometer vor dem Trafikplats Kropp zum völligen Stillstand. Yippie. Ich liebe Feierabendverkehr. Über CB-Funk ist nichts zu hören. Da ich heute aber sowieso nur noch bis Malmö will und ich zeitlich gut im Rahmen liege bleibe ich entspannt.
Langsam kommt die Blechlawine wieder ins rollen. Als ich auf die E20 wechsel spricht mich ein Kollege über Funk an: „Der Kollege mit dem Tieflader ‚RON 802‘ am Haken… Bei deinem Trailer hat sich gerade das Rücklichtbirnchen rechts verabschiedet.“ „Danke für die Info, ich bin in Malmö gleich am Platz und kümmer mich drum.“ „Gerne.“ Der Kollege bleibt auf der Strecke bis Malmö hinter mir. Als ich die Abfahrt in Richtung meiner Niederlassung nehme zieht er mit einem kurzem Hupen an mir vorbei, weiter in Richtung Trelleborg.
Kurz vor 17:30 Uhr rolle ich auf den Hof, wo mein Angestellter gerade Feierabend machen will. „Hejda.“ „Moin. Hast du Rücklichtbirnen da?“ „Jo. Hinten in der Halle im grauen Schrank. Soll ich nochmal mit reinkommen?“ „Danke. Mach mal Feierabend. Das find ich. Und ne Birne wechseln ist auch kein Problem.“ „Hast du im MAN den eigentlich kein Set für den Fall das unterwegs eine durchbrennt?“ „Nur ein angefangenes, da Wiebke auf dem Weg nach Uppsala gerade am MAN eine wechseln musste.“ „Dann leg mir das angefangene bitte auf den Schreibtisch und nimm aus dem Schrank ein neues in den MAN. Wann bist du morgen früh wieder los?“ „Um 07:30 Uhr in Trelleborg auf die Fähre. Ich denke ich starte um 04:00 Uhr.“ „So früh bin ich noch nicht da. Dann gute Nacht und gute Fahrt.“ „Schönen Feierabend.“
Ich gehe in die Halle und hole mir eine Rücklichtbirne und ein Ersatzset für den MAN. Die Birne ist schnell gewechselt.
Nach dem Abendbrot spaziere ich noch eine Runde über den Hof und begutachte zwei Trailer, die dort auf die Abholung durch einen Leasingkunden warten. Das anschließende Telefonat mit Sandra fällt recht kurz aus, da nichts nennenswertes vorgefallen ist.
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Mittwoch, Malmö.
Um 03:00 Uhr schreit mich mein Wecker an. Ich denke nur: halt die Klappe, ich hab dich im Urlaub nicht vermisst. Ich stehe dann aber doch gleich auf und springe unter die Dusche. Anschließend fix einen Kaffee und ein Brötchen zum Frühstück. Nach der Abfahrtskontrolle fahre ich um kurz nach 04:00 Uhr in Richtung Trelleborg zur Fähre.
…
Die Fähre erreicht pünktlich den Rostocker Hafen. Ich rolle zur Autobahn. Mir kommt lichthupend ein Scania mit Containerchassis entgegen. Donald. Der CB-Funk schnarrt. „Moin Wiebke.“ „Moin Donald. Aber hier ist Christian.“ „Hä? Das war doch eben Wiebke’s MAN???“ „Schon richtig. Ich fahr den für ne Tour nach Spanien. Wie schauts unterwegs aus?“ „Aha. Warum auch nicht. Ich komme gerade aus Wismar. Da war alles frei. In Lübeck müsste immer noch die Baustelle von der A20 zur A1 sein. Bin ich die letzten Tage aber immer recht gut durchgekommen.“ „OK. Dann schauen wir mal.“ Auf der A20 ist wenig los. Ich fahre an Feldern mit aufgerollten Heuballen vorbei.

Am Kreuz Wismar bleibe ich dann auch auf der A20. Bis Lübeck ran rollt der Verkehr auch problemlos. Auch die Baustelle passiere ich bei zwar dichtem Verkehr aber ohne Stockung. Auf der A1 dann plötzlich Stillstand. Nichts geht mehr. Über Funk ist von einem LKW-Unfall zu hören.

Als es nach einer Stunde immer noch nicht weiter geht ziehe ich mit Warnblinker auf den Standstreifen und stelle den digitalen Wächter auf Pause.

Nach 45 Minuten Pause ist der Stau gerade dabei sich aufzulösen. Ein Kollege ist so freundlich und lässt mich vom Standstreifen einfädeln. Insgesamt bleibt der Verkehr bis Hamburg dann aber ziemlich zähflüssig. Hinter der Abfahrt zu meiner Niederlassung kommt es dann wieder zu Stop&Go.

Um 19:30 Uhr erreiche ich dann meine Hamburger Niederlassung und stelle den Zug auf das Gelände der Werkstatt. Von dort gehe ich rüber ins Büro. Zu meiner Überraschung ist Josephine noch da. „Hey Josy.“ „Christian!“ begrüßt sie mich mit einem Lächeln. „Was machst du denn so spät noch im Büro?“ „Ich tu so, als ob ich was tu.“ „Und was ist mit arbeiten?“ „Das mach ich auch. Neee, Spaß beiseite… ich hab heute später angefangen, weil ich mich heute früh noch in der Schule meiner Tochter mit einem Lehrer rum ärgern musste. Ich wollte übrigens gleich mit ihr noch was essen gehen. Magst du mitkommen?“ „Klar. Warum sollte ich morgen früh eigentlich hier vor Ort sein?“ „Frühs um 08:00 Uhr hat sich der KRONE-Außendienstler angemeldet. Dich kennt er bisher nur auf dem Papier. Sandra hat ja damals die Verträge mit ihm unterzeichnet.“
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Donnerstag, Hamburg.
Die Nacht hab ich nicht im MAN, sondern in der Niederlassung im Ruheraum verbracht. Als ich um 06:30 Uhr aufstehe ist drüben in der Werkstatt schon Licht zu sehen. Während ich am Frühstücken bin klingelt mein Handy: „God morgon älskling.“ „Guten Morgen. Hast du schon online Zeitung gelesen?“ „Nein. Wieso?“ „Du hast ja gestern Abend am Telefon erzählt dass du hinter Lübeck so lange im Stau standest. Dort hatte sich ein Kleintransporter mit einem Sattelzug angelegt. Ist aber wohl nur Blechschaden gewesen.“

„Wann fährst du nachher wieder?“ „Ich denke so gegen 10:00 Uhr. Um 08:00 Uhr kommt erst mal der KRONE-Außendienstler. Josy meinte es sei der selbe wie der damals mit dem du die Verträge gemacht hast.“ „Ah. Dann stell Milch und Zucker zum Kaffee.“ „Mach ich. Schatz, ich will dich nicht abwürgen, aber ich muss mal ganz dringend wohin…“ „Dann fix. Jag älskar dig.“ „Ich dich auch.“ Ich lege auf und verschwinde in Richtung stilles Örtchen.

…
Der Termin mit dem Außendienstler ergab nichts Neues und war nach gut einer Stunde erledigt sodass ich um 10:00 Uhr wieder in Richtung Autobahn unterwegs bin.
Auf der A7 in Richtung Süden läuft der Verkehr. Plötzlich vermeldet das CB-Funk-Gerät ACHTUNG! Gefahrenstelle! Kurz darauf ist dann auch ein Pannendienstfahrzeug und ein liegen gebliebener Reisebus zu sehen. Die Warnung aus dem Funk kannte ich bisher zwar nur von Sicherungsfahrzeugen der Straßenmeistereien, aber auch beim Pannendienst ist so was nicht verkehrt.

Da ich heute noch bis nach Strasbourg kommen will steht ein Zehner zur Disposition. Der MAN möchte auch gefüttert werden. Also fahre ich bei Alsfeld auf die Raststätte ‚Berfa Nord‘.

Zuerst Tanken.

Anschließend lenke ich den Zug auf den Parkplatz und mache mich auf um pinkeln zu gehen. Auf dem Weg zum Raststättengebäude komme ich an einem Wohnmobil vorbei an dem eine ziemlich leicht bekleidete Blondine lehnt. „Hey Süßer…“ Da die Blase drückt achte ich nicht weiter darauf.
Als ich ein paar Minuten später wieder zurück gehe quatscht mich die Blondine erneut an: „Hey Süßer… Wie wär’s? Bock auf ne Nummer? Kost auch nicht viel.“ Ich bleibe stehen und gucke sie an. „Seh ich so aus, als wenn ich’s nötig hab?“ Ich weiß nicht, ob es sie mehr aus dem Konzept bringt, dass ich mit einer Gegenfrage antworte oder dass ich ihr nur in die Augen gucke. „Ähm ja…. also?“ „Vergiss es.“ Damit lasse ich sie stehen.
…
Ein paar Kilometer vor Straßbourg steht schon wieder ein Bus auf dem Seitenstreifen. Die Passagiere stehen hinter der Leitplanke.

Kurz darauf ist es Zeit für Feierabend. Ich mache mir aus meinen Vorräten ein kleines Abendessen und rufe danach bei Sandra an: „Huhu Süße.“ „Heyho. Alles Gut bei dir?“ „Ja. Ich wollt nochmal deine Stimme hören und dann gibt’s da was was ich dir noch erzählen muss. Ich hab vorhin auf dem Rastplatz Berfa Pause gemacht. Auf dem Weg zum Klo stand son Wohnmobil und ne ziemlich leicht bekleidete Blondine quatscht mich an. Da ich zur Toilette musste hab ich das voll ignoriert. Auf dem Rückweg quatscht die mich dann wieder an und wackelt mit den Möpsen…“ „Sach nicht die hat dir ihre Freudendienste angeboten?“ „Doch, genau das.“ „Und? Wenn du mir jetzt sagst dass du drauf eingegangen bist…“ „Nene, Schatz. Da brauchst du gar nicht erst dran denken. Selbst wenn ich dich nicht hätte würde ich das nicht machen.“ „Das beruhigt mich. Wie weit bist du heute gekommen?“ „Ich steh jetzt in Strasbourg.“ „Oha. Dann hast du ja siebenhundert Kilometer abgerissen.“ „Mhm. Zehner und echt gut durchgekommen. Mal gucken wie es morgen aussieht. Bei Dijon soll es ziemlich viele Baustellen geben.“
Nach weiteren zehn Minuten Telefonat lege ich auf und machte mich es mir in der Kabine vor dem Fernseher gemütlich.
Freitag, Strasbourg.
Um 08:30 Uhr sind meine elf Stunden Pause vorbei. Ich mache wie üblich die Abfahrtskontrolle. Dann gehts wieder auf die Straße. Trotz diverser Baustellen lässt sich die Strecke über die A36 und ein Stück A6 gut fahren. Bei Chalon-sur-Saône wechsele ich dann auf die Landstraße.


Nach gut einhundertzwanzig Kilometern erreiche ich einen Autohof kurz hinter der Ortschaft Urbise. Da ich bereits fast neun Stunden Fahrzeit hinter mir habe beschließe ich hier für die Nacht stehen zu bleiben.

Samstag, Urbise
Es ist 04:00 Uhr. Zeit zum Aufstehen. Am Abend zuvor habe ich durchgerechnet, dass ich heute knapp sechshundertfünfzig Kilometer zu fahren habe um die spanische Grenze zu erreichen. Wenn ich das nicht hin bekomme kann ich einen Tag in der Landschaft rumstehen. Aber mal nicht verrückt machen. Ich habe ja noch einen Zehner für diese
Woche offen. Ich gehe in den Autohof um zu Duschen und mir etwas zum Frühstück zu holen.
…
Nach viereinhalb Fahrstunden wird es Zeit für die erste Pause. Da man in Frankreich schneller als in Deutschland und Schweden fahren darf habe ich das auch ausgenutzt und habe knapp vierhundert Kilometer seit dem Morgen geschafft. Ich fahre auf einen Rastplatz. Bis auf eine handvoll LKW und ein paar Busse ist hier um diese Zeit nicht viel Betrieb. Im Hintergrund sehe ich einen türkisblauen Trailer. Einer meiner Leasingkunden ist also auch in Südfrankreich unterwegs…

Nach der Pause passiere ich Bordeaux und folge dann der A63 nach Süden. An der Mautstation Benesse-Maremne mache ich dann dann meine zweite Pause des Tages. Bis zur spanischen Grenze sind es nurmehr sechzig Kilometer. Mein Telefon klingelt. „hansekontor. Christian auf Europatournee.“ „Hier spricht dein schlechtes Gewissen.“ „Hä? Wieso schlechtes Gewissen? Hab ich was verbrochen?“ „Nein. Eigentlich nicht. Ich fang nochmal an: hier spricht deine neugierige Frau.“ Dabei kann Sandra ein Lachen nicht unterdrücken und ich muss wie angesteckt mitlachen. „Manchmal sind wir schon ein bisschen albern.“ „Aber nur manchmal. Ich wollte eigentlich nur wissen ob du schon an der spanischen Grenze bist.“ „Noch nicht ganz. Ich mache gerade die zweite Pause. Sind aber nur noch etwa sechzig Kilometer. Das schaffe ich innerhalb des Zehners. Kurz hinter dem Grenzstein ist dann Schicht im Schacht. Hat dich der Lagermeister von der Maschinenbaufirma etwa auch gefragt ob wir das mit Montag anliefern, statt wie geordert Dienstag, hinbekommen?“ „Ja, hat er. Die Frage hast du ihm aber, so wie du gerade fragst, vor Ort schon verklickert?!“ Ich konnte durchs Telefon sehen wie Sandra die Augen verdrehte. „Mhm, das hab ich. Vielleicht sollten die Jungs beim Kunden sich doch mal etwas besser mit Themen wie Sonn- und Feiertagsfahrverboten auseinandersetzen oder einfach mal mit uns telefonieren im Vorfeld.“ „Da hast du Recht.“ „Sooo meine Hübsche. Ich schick dir jetzt nen Kuss durchs Telefon und dann mach ich mich wieder auf die Socken.“ „Kuss zurück. Und schlaf nachher gut.“ „Du auch.“
Ich lege das Telefon beiseite und gieße mir noch eben einen Kaffee aus meiner Thermoskanne ein.
…
Fünfzig Minuten später erreiche ich die französisch-spanische Grenze.

Als erste Abfahrt hinter der Grenze liegt die Ortschaft Irun. Auf dem Parkplatz vom dortigen VentaSol-Supermarkt parke ich den Zug dann. Als ich auf den Parkplatz rolle ist es nach 17:00 Uhr. Mein digitaler Wächter sagt was von neun Stunden und vierundfünfzig Minuten Fahrzeit. Man könnte also sagen Punktlandung. Zuerst gehe ich dort dann meine Vorräte auffüllen und anschließend beim benachbarten Burgerbrater Abendbrot essen.
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Als ich zum MAN zurück komme stehen drei Wohnmobile neben meinem Zug. Süddeutsche Kennzeichen. Mir kommt es vor, als hätte ich das eine Wohnmobil schon einmal gesehen. Eine Gruppe mittleren Alters nähert sich den Wohnmobilen. Das eine Paar bleibt stehen. „Christian?“ Als ich die Stimme höre ist mir alles klar – es ist das Paar, mit dem ich damals den Abend in Hirtshals verbringen konnte. „Marko. Melli. Man trifft sich immer zwei mal im Leben.“ „Oder noch viel öfter.“ Die beiden stellen mich dem Rest der Gruppe vor.
…
Nach einem geselligem Abend mit vielen Geschichten verabschiede ich mich gegen 21:30 Uhr und lege mich im MAN schlafen.
Sonntag, Irun.
Die Nacht war kurz. Da ich mir den Wecker versehentlich aber sogar erst auf 04:00 Uhr gestellt habe bin ich später dran als gewollt. Ich verzichte darauf mir einen Kaffee zu kochen und schnappe mir einen Kakao aus dem Kühlschrank. Ich starte den MAN und mache die Abfahrtskontrolle. Bei den Wohnmobilen regt sich nichts. Da ich der Gruppe am Abend über den frühen Aufbruch Bescheid gegeben habe und mir alle zusicherten, dass sie eh schlafen wie die Steine hatte ich auch kein schlechtes Gewissen ob des Geräuschpegels des MAN.
…
Um kurz nach 06:00 Uhr meldet sich der MAN, er sei durstig. Zu Recht – ich hatte in Deutschland nicht voll getankt. Ich fahre also an die nächste Tankstelle. Diesel für den Löwen, Kaffee für mich.

Ein paar Minuten später bin ich dann wieder unterwegs.

Den Sonnenaufgang im Rücken komme ich meinem Ziel immer näher. Um kurz nach 08:00 Uhr verlasse ich die Autovia de Castilla, wie die A-62 auch genannt wird. Als ich das Gelände vom Kunden erreiche ist außer dem Pförtner niemand anzutreffen. „Moin. Der hansekontor. Ich habe hier was von einer Maschinenbaufirma aus Linköping in Schweden.“ „Guten Morgen junger Mann. Auf einem Sonntag? Ich gucke mal…“ „Es kann sein dass ich erst für Dienstag drin stehe. Oder Montag schon. Mein Kunde hat sich da ein wenig verplant.“ Ein paar Minuten später öffnet sich die Schranke. „Ich hab da was gefunden. Der Montagetrupp kommt wohl morgen früh.“ Er nennt mir dann noch den Bereich wo ich den Trailer abstellen soll und das Tor zum Andocken des MAN. „Ich hoffe ich kann dort bis Dienstag früh stehen bleiben.“ „Wieso?“ „Ich hab die Lenkzeiten voll und muss fünfundvierzig Stunden Fahrpause einlegen.“ „Dann machen Sie das. Wenn Sie einer wegscheuchen will… Sie haben dann einfach keinen Fahrzeugschlüssel. Theoretisch nehme ich Ihnen den jetzt gleich ab.“ Bei diesen Worten nickt er zustimmend.
Ich stelle Trailer und MAN an die zugewiesenen Orte. Anschließend lege ich mich aufs Bett und rufe Sandra an. Nach dem zehnten klingeln meldet sie sich: „Schaaaatz.“ „Na du. Ich bin beim Kunden angekommen und hab jetzt Wochenende.“
…
