[KW 51/2018 und KW 52/2018] Ersatzteilexpress. Dienstag komm ich spät nach Haus… Silvester in Uppsala.

Freitag, 21.12.2018, kurz vor Malmö.
Ich sitze am Lenkrad von Sandras Alfa. Mein Telefon klingelt, aber eigentlich will ich es ignorieren. Sandra schläft und um sie am Ende nicht unnötig zu wecken werfe ich dann doch einen Blick in Richtung Display. Mal gucken wer mir meinen Weihnachtsurlaub da wieder durcheinander bringen will. ‚büro eisitrans/bär‘. Ich aktiviere die Freisprecheinrichtung: ”Moin Bär. Du erwischt mich gerade mitten auf der Autobahn.” ”Hi Christian. Hier ist Petra. Der Bär ist noch unterwegs. Und du auf der Autobahn… nichts ungewöhnliches…” ”Heute schon. Ich sitze fast auf der Straße.”Hvorfor?”Ich fahre Alfa. Aber berichte, wo drückt der Schuh?” ”Ich erreiche bei dir in Malmö keinen mehr. Und ich bräuchte noch was an Ersatzteile für einen unserer Chereau und für einen der Gigaliner.” ”Kein Wunder, die Jungs und Mädels sind schon im Weihnachtsurlaub.” ”Verdammt.” Sandra wacht auf und blinzelt mich verschlafen an. ”Was ist los?” ”Ich glaube wir müssen nochmal kurz abbiegen und einen Umweg über Odense machen.” ”Ich frag jetzt lieber nicht nach…” Ich spreche wieder in Richtung Telefon: ”Entspann dich, Petra. Wenn’s nur Kleinteile sind bring ich dir das Zeuch heute Abend noch rum.” Ich erreiche den Trafikplats Fredriksberg von dort ist es nur ein Katzensprung bis zu meiner Niederlassung. ”Schick mir fix ne Mail. Bis später…” Bevor Petra noch was sagen kann lege ich auf und rolle auf unser Firmengelände. Mein Schatz ist inzwischen wieder richtig wach. Wir steigen aus und gehen ins Lager. ”Die eistrans-Truppe hat echt ein Händchen dafür uns im richtigen Moment zu erwischen.” ”Das haben sie wirklich.” Ich fahre einen der Lagerrechner hoch und rufe meine Mails auf.












Samstag, 22.12.2018, Odense.

Der gestrige Abend ist vergleichsweise lang geworden da Petra uns noch über die Fertigstellung des Logistikzentrums zwischen Köln und Düsseldorf unterrichtet hatte.

Es ist kurznach 06:00 Uhr. Von den Kindern ist nichts zu sehen als wir am Frühstückstisch die Kaffeetassen leeren. Und Petra ist noch ein wenig verschlafen. ”Tausend Dank euch.” ”Kein Problem.” ”Ich habe ein Problem. Meine Kaffeetasse ist leer.” Petra und Sandra gucken sich zuerst mit großen Fragezeichen über dem Kopf an und lachen dann schallend los. ”Inget problem.” Sandra schnappt sich die Kaffeekanne um es zu beheben.

Kurz vor 07:00 Uhr geht es für uns wieder weiter. Sandra sitzt am Lenkrad. Am Krankenhaus und am Zoo vorbei rollt der Alfa zur E20 auf die wir in Richtung Westen auffahren.
Middelfart. Kolding. Appenrade. Dann kommt schon die dänisch-deutsche Grenze. Kurz hinter Neumünster meldet sich das Navi und wir verlassen die A7. ”Ich wäre jetzt über Hamburg gefahren.” meint Sandra. ”Lieber nicht. Halb Norddeutschland wird auf dem Weg zum Weihnachtseinkauf sein. Ab Bad Segeberg haben wir eh wieder Autobahn bis nach Wismar durch.” Mein Schatz dreht das Radio lauter und ich fange an zu grinsen:


Ich sach zu meiner Frau du Frau du ich bin ganz verstört
Was soll denn bitte der Mantel da wo meiner hingehört

Oh du Trunken- Trunken- Trunkenbold wann hast du das geblickt
Man das ist doch die Rheumadecke hat Mutter mir gestrickt
Ich bin schon reichlich rumgekommen von Hamburg bis nach Bremen
Doch Rheumadecken mit Lederkragen hab ich nie gesehn

Dienstag komm ich spät nach Haus mit Glühwein in Gehirn



Genau… die Jungs die die Bagalutenwiehnacht erfunden haben werden gespielt.

TORFROCK live in Wacken 2016 **Trunkenbold **in HD – YouTube

”Kannst du dich noch dran erinnern wie wir damals mit deinem Bruder und seiner Frau in Schwerin zur Bagalutenwiehnacht in Schwerin waren?” ”Oh ja. Das war klasse. Müssen wir irgendwann wieder mal machen. Inzwischen gibt es die Bande auch schon seit einundvierzig Jahren.”






Wir passieren Lübeck und haben bisher verkehrstechnisch Glück gehabt.
Mein Telefon klingelt – im Display die Mobilfunknummer meiner Mutter. Ich nehme mit freisprechen ab: ”Hallo Mutti.” ”Hallo Christian. Der Kaffee ist gleich fertig. Braucht ihr noch lange?” Ich passiere die A20-Abfahrt Grevesmühlen. ”Den Kaffee kann ich bis hier her riechen. Ich denke, dass wir in knapp zwanzig Minuten da sein sollten.” ”Dann dürftet ihr gerade an Upahl vorbei sein. Und der Kaffeeduft dort kommt vom Instantkaffeewerk.” ”Wieder was dazu gelernt. Bis gleich.”
Bobitz. Wismar-Mitte. Kreuz Wismar. Ich setze den Blinker und wechsele auf die A14 in Richtung B105. Kurz darauf erreichen wir das Wohngebiet indem ich einen Teil meiner Kindheit verbracht habe.









Mittwoch, 26.12.2018, Wismar.
Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag haben wir zusammen mit der Familie verbracht. Kerzen am Tannenbaum und Holzscheite im Kamin sorgten für eine angenehme Stimmung zu Kaffee und Keksen, bzw. Abends zum Kartoffelsalat mit Würstchen. Nur die sonst übliche Ente als Weihnachtsbraten gab es dieses Jahr nicht, da Vaddern, genauso wie heute, all die Tage auf Frühschicht arbeiten musste.
Aus dem Wohnzimmer hört man die Batterie von Wand- und Standuhren gongen. 09:00 Uhr. ”Schatz, wir müssen uns langsam wieder auf den Weg machen. Ich möchte ungerne die Fähre verpassen.” Ich nicke und leere meine Kaffeetasse. ”Müsst ihr morgen wieder arbeiten?” ”Mhm. Der Jahresabschluss macht sich nicht von alleine. Zumindest nicht bei unseren schwedischen Niederlassungen.” ”Das musst du mir erklären.” ”An den Standorten Uppsala und Malmö sind Sandra und ich für die Jahresabschlüsse zuständig. Die deutschen Standorte werden von Annyka, Mona und Josephine abgeschlossen. Und für London ist James zuständig. Sandra und ich müssen da am Ende trotzdem noch mit drüberschauen.” ”Klingt nach viel Arbeit.” ”Es hält sich in Grenzen. Das meiste läuft inzwischen ja automatisiert über den Computer.”



….



Donnerstag, 27.12.2018, Uppsala.
Ich sitze in meinem Büro. Außer Sandra ist niemand da und auch die Telefone schweigen, sodass ich mit den Datenabgleichen zügig voran komme. Ich fühle mich plötzlich beobachtet und richte den Blick auf. Sandra steht in der Bürotür. ”Jag gjorde dig en kaffe.” ”Du är en älskling. Tar vi en paus?” Als Antwort bekomme ich von meinem Schatz ihr freches Grinsen.
Wir trinken in Ruhe unsere Kaffee aus und beschließen dann eine Runde am Fyrisån spazieren zu gehen.
Der Nachmittag besteht bei mir dann wieder aus trockenen Zahlen und Daten. Sandra hingegen schwingt sich in ihren Hauber und hat noch eine Tour nach Södertälje zu erledigen.



Freitag, 28.12.2018, Uppsala.
Es ist 06:30 Uhr und Sandras Telefon weckt uns mit den bekannten Hells Bells. Einen Moment später verstummt der Weckton. Sandra schiebt die Bettdecke ein wenig und setzt sich auf mich. ”God morgon, min älskling. Grattis på födelsedagen.” Ich genieße ihre Nähe.

Und auch wenn heute mein Geburtstag ist wartet auf uns einiges an Arbeit, die wir aber bis zur Mittagsstunde schaffen.
„Fertig. Ich hab vorhin noch nen kleinen Auftrag von Bauer Larsson reinbekommen. Morgen muss eine Ladung Tomaten nach Stockholm.” ”Wolltest du morgen nicht mit Tania zum Sport?” ”Eigentlich schon. Und die Silvesterparty wollten wir auch noch vorbereiten.” Es klingelt an der Tür. ”Erwartest du jemanden?” ”Nein, eigentlich nicht.” Ich öffne die Tür und Sandras Eltern stehen in der Tür. ”Grattis på födelsedagen.” ”Hej. Tarja. Rasmus. Schön euch zu sehen.” ”Mama. Paps. Hej.” Ein Lächeln huscht meiner Süßen übers Gesicht.






Nach einem gemeinsamen Abendessen verabschieden sich Tarja und Rasmus wieder und Sandra und ich verkrümeln uns zum Kuscheln auf die Couch.




Samstag, 29.12.2018, Tunaberg.
Ich habe die Tomaten für Stockholm geladen und schließe die Türen des Aufliegers. Kurz darauf biege ich auf die Bärbyleden benannte Route 55 ein. Ich fahre in Richtung Osten und wechsele schließlich auf die E4, meine Rennstrecke gen südwest.


Knapp eine Stunde später erreiche ich den Trafikplats Tureberg und wenige Momente später die Abladestelle in der Mariehamnsgatan. ”Hej. hansekontor Uppsala. Jag är här för att leverera tomater till bonde Larsson.” ”Ok. Bitte an Tor zwei.”






Es ist 20:00 Uhr. Ich stelle meinen Trailer noch fix auf den Hof unseres großen Lagers und meinen rovfågel in die Halle, wo in einer Ecke schon Bierzeltgarnituren, Grill und Zapfanlage für die Silvesterparty stehen. Nachdem wir letztes Jahr in Hamburg gefeiert haben werden wir dieses mal also “’langweilig“‘ zu Hause feiern. Tür zu. Treppe hoch.
”Älskling, jag är tillbaka. Och jag är hungrig.” Ich begrüße meine Süße mit einer Umarmung und einem längeren Kuss. „En mer, tack.“ Wie könnte ich da nein zu sagen…






Montag, 31.12.2018, Uppsala.
Nachdem wir den Sonntag nach einem ausgedehnten Spaziergang faul auf der Couch verbracht haben hieß es heute früh dann noch mal ein wenig im Büro rumwirbeln – schließlich muss der Betrieb gleich Anfang des Jahres wieder reibungslos laufen.

Die Uhr zeigt jetzt 19:00 Uhr. Nach und nach trudeln unsere Gäste des Abends ein – Sandras Eltern, unsere Lageristen, Büroangestellten und Fahrer der Niederlassung Uppsala, aber auch eine handvoll Kunden aus der Region. Ich stehe am Grill und Sandra kümmert sich um den die Getränkeversorgung.
Kurz vor 22:00 Uhr fährt ein Kleinbus auf den Hof. Heraus kommen Tjelvar, Felicia, Meike und weitere Mitarbeiter aus Malmö. „Wir haben gehört, hier ist ne Party im Gange.“ „Da habt ihr richtig gehört. Schön, dass ihr da seit. Getränke bekommt ihr bei meinem Schatz. Grillgut bei mir.“ „Alles klar..“

Plötzlich stehen all unsere anwesenden Mitarbeiter um mich herum. „Bratwurst oder Steak?“ „Hmmm… Gleich. SANDRA!!!“ „Ja?“ „Komm mal rüber und stell dich zu deinem Mann.“ Sie kommt herüber und hakt sich bei mir ein, hat aber genau wie ich Fragezeichen im Gesicht.
Kirstin, eine Fahrerin aus Uppsala, ergreift wieder das Wort. „Kära Sandra. Kära Christian. Wieder geht ein arbeitsreiches Jahr zu Ende. Ihr wart beide selbst viel unterwegs und habt es ganz nebenher auch geschafft ziemlich viel Bewegung in den Fuhrpark zu bringen. Mal abgesehen von den vielen Aufträgen meine ich damit aber
hauptsächlich die Modernisierung der Flotte, was uns Fahrern so manche Touren erleichtert hat. Und wie soll ich es sagen… langweilige Fahrzeuge haben bei euch keinen Platz – das macht die Arbeit für und mit euch zu etwas Besonderem. Wir haben uns gedacht, dass wir als Belegschaft einfach mal Danke sagen.” Mit diesen Worten bekommen Sandra und ich einen Präsentkorb überreicht. ”Vielen lieben Dank. Ihr seit ein tolles Team und ohne euch würde so einiges nicht funktionieren. Das gilt auch für die Jungs und Mädels aus den anderen Niederlassungen, die heute nicht hier sind.” ”Genau so ist es. Wir freuen uns auf viele weitere Jahre mit euch und sind selbst gespannt auf das, was uns das Jahr 2019 bringen wird.”








”Tre, två, en…”



Dienstag, 01.01.2019, Uppsala.
”…Gott nytt år. Mögen all eure Wünsche in Erfüllung gehen.” Alle stoßen mit den Sektgläsern an, dann geht es auf die Straße wo wir uns den Nachbarn anschließen und unsererseits ein Sammelsorium an Batterien und Raketen abfeuern.

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