Januar 2021
Ansonsten bekamen wir einen neuen Präsidenten, auch wenn man die schockierenden Bilder, die während der Abstimmung der Wahlleute um die Welt gingen, eher aus irgendeiner Bananenrepublik erwarten würde als aus den Vereinigten (?) Staaten.
Februar und Anfang März 2021
Der Februar war bei uns traditionell ein ruhiger Monat. Der Lebensmittelbereich war spätestens mit dem Superbowl zur Ruhe gekommen. Die Bauwirtschaft war noch nicht wieder aktiv. Wir hatten grundsätzlich immer genug Arbeit, aber der Monat und meistens auch noch in den März rein waren durch unbequemere Routen und häufigere Resets nicht zu Hause gekennzeichnet. Besonders konnte das mit dem Flatbed passieren, mit dem man dann vorrangig im Süden unterwegs war.
In diesem Jahr nützte nicht mal das etwas, Evan schneite mit genau diesem Gespann in Texas ein und stand 3 Tage auf einem Truckstop, dem dann auch nach und nach die Versorgung ausging. Dank Rohrbruch durch den Frost gab es ab dem zweiten nicht mal mehr Duschen und warme Küche, es wurden mobile Toiletten per Helikopter eingeflogen. Daher fuhr Evan im Windschatten des ersten Streufahrzeugs auf die Interstate und sah zu, dass er nicht nur seine verspätete Ladung abgeliefert bekam sondern auch wieder funktionierende Infrastruktur zur Verfügung hatte.
Auch in anderen Gebieten machte sich der lange Winter bemerkbar, indem vor allem landwirtschaftliche Transporte ausblieben. Mit verschobener Aussaat wurde auch dort nichts gebraucht.
Leider blieben wir weiter unter uns, Medford war ja immer noch eher als ländlich zu betrachten und es schien sich ein Wechselspiel zwischen Stadt und Land zu entwickeln. Wenn wir in Jackson County niedrige Infektionszahlen hatten, dann waren die Werte in San Diego, um die San Francisco Bay, in Chicago oder Portland hoch. Und wenn sie dort niedrig waren, dann waren sie bei uns so hoch, dass wir nicht reisen sollten oder nicht mal konnten, da die Airlines Medford gar nicht mehr sinnvoll ansteuerten.
Und so hatte nach einem Dreivierteljahr weder Alex meine Mutter und meinen Bruder persönlich getroffen noch ich seinen Cousin, wobei ich den immerhin Silvester 2019 schon mal gesehen hatte, als wir alle bei Brian in der Firma gefeiert hatten und der auf der Durchreise nach Moskau war und Alex hier „eingesammelt“ hatte.
Und mal wieder mit Alex Kumpels Mick und Nico in Portland treffen war auch nicht drin. Auch Alex Geburtstag am 04.03. feierten wir daher ohne Verwandtschaft oder angereiste Freunde vor Ort. Immerhin konnte die Medford Gang zusammen essen und bowlen gehen, da bei uns gerade die Werte unten waren.
Montag, 22.03.2021
In dieser Woche durfte ich mal wieder den Norden antesten. Dort hatte es vor anderthalb Wochen noch geschneit, inzwischen blieb das Zeug aber kaum noch liegen, dazu waren die Tage inzwischen zu warm.
PICKUP: ORMFR-KRH
DESTIN: WYRKS-CSC
TRAILER: RF005
LOAD: PACKED FOOD
WEIGHT: 36,356
REEFER: 46F
DISPATCH: ORMFR-PCT-BRW
Bei 46°F konnte man auf die Idee kommen, den Reefer auch im Winter auszuschalten. Das war aber eine schlechte Idee. Ein Kollege bei Costco hatte damals die Wetterkühlung versucht, um seine Tankkarte zu schonen und so seine Dieselprämie einzustreichen, obwohl er keinen besonders sparsamen Fahrstil hatte. Das ging eine Zeit lang gut, bis eines Nachts mal ein überraschender Kälteeinbruch kam, seine Fuhre Bananen Frost abbekommen hatte und entsprechend schwarz und unbrauchbar war. Denn die Dinger kühlten nicht nur, sie konnten auch heizen, um so was zu verhindern.
Evan stand zum Laden auch hier, aber nebenan am Kühlhaus, da er mit Milchprodukten Richtung Washington State sollte. Casey hatte den Flatbed bekommen und stand gerade bei Alex für seine Ladung, die auch nach Norden sollte.
Bei kräftigem Frühnebel fuhr ich schließlich von Kraft-Heinz zu Isaacs Truckstop, um zu tanken und mich dann auf den Weg nach Osten zu machen. Bis Klamath Falls hatte sich auch der Nebel verzogen.
Am nächsten bedeutenden See, dem Drews Reservoir, wäre es mir dagegen lieber, wenn sich der untermotorisierte und mit dem schweren Bagger dafür überforderte Freightliner Cascadia vor mir verzöge. An einer Kreuzung in Lakeview tat er mir den Gefallen dann auch. Irgendwie vermisste ich die Baumaschinen doch etwas.

Die Mittagspause gab es mit einem Sandwich aus Isaacs Frischetheke an der Grenze nach Nevada auf der bewährten Langslet Monument Rest Area, die ein einfacher Schotterplatz hoch über der Felskante war, die hier die Landschaft in zwei Hochebenen mit knapp 1,000‘ Höhenunterschied teilte.
Ebenso bewährt war der bei vielen Kollegen so unbeliebte Flying J in Battle Mountain. Dafür gab es im benachbarten Restaurant des Colt Casino heute mal eine leckere Lasagne, die für zwei gerissene Fliesen unter der Dusche des Flying J mehr als entschädigte.
Dienstag, 23.03.2021
Um die Ladezeit vom Vortag direkt nach der Abfahrt auszugleichen, konnte man immer gut ausschlafen, wenn nicht am Dienstagmorgen gleich Ladetätigkeit anstand. Und so war ich erst um 7:21 AM wieder unterwegs. An der Osino Weigh Station musste ich zwar raus, durfte mit meinen 73,535 Pfund aber sofort weiterfahren. Zu Ende war die Fahrt dagegen für den Kollegen, der eine Fuhre Kies bei West Wendover auf dem Standstreifen abgeladen hatte.
Auch am Utah Point of Entry musste ich wieder zum Wiegen rein, konnte aber auch sofort weiterfahren. Und bevor man sich versah, waren über 5 Stunden Fahrzeit rum. Ich steuerte den Love’s in Salt Lake City an. Hauptgrund dafür war das benachbarte Denny’s und der Rabatt, den es dort auf die Pilot-Flying J Karte gab.
Als ich wieder unterwegs war, bemerkte ich Hektik im Funk und hörte genauer hin. Die I-80 war im Echo Canyon voll gesperrt worden. Das war hinter der Zusammenführung von I-80 und I-84 und nicht sinnvoll zu umfahren. Entweder musste man nach Norden bis Logan und über US-89 und US-30 oder man nahm den südlichen Bogen über die US-40 und US-191.
Ich entschied mich für letzteres, zumal ich sowieso schon den halben Anstieg aus der Stadt rauf hinter mir hatte und an einer Ausfahrt wenden oder über die I-84 wieder ins Tal runter ein ebenso deutlicher Zeitverlust bedeuteten. Weil das aber auch so eine deutliche Verzögerung war, rief ich Brian an und informierte ihn. Anschließend rief ich den Kunden an. Das war hier in Amerika viel mehr in der Verantwortung des Fahrers. Generell hatten wir mehr Kundenkontakt. Christian, der es ja auf beiden Seiten des Atlantiks durch hatte, sagte mir, dass er in Europa viel weniger Kundenkontakt gehabt hatte als hier.
Auch auf dieser Strecke gab es eine Waage, die mir aber einen Bypass gab. Den Daniels Pass passierte ich noch bei klarer Sicht, aber danach sorgten die Abkühlung des Nachmittags und die feuchte Luft vom Strawberry Reservoir für richtig fiesen Nebel.


Weiter weg vom See wurde es wieder klarer und in der Abenddämmerung steuerte ich die Pilot Station in Vernal (UT) an. Das war trotz der Kette aber nur ein Kiesplatz mit einer Kartentankstelle, aber lag nur zwei Blocks von einem 7Eleven entfernt. Also lief ich gerade mit zwei Tragetaschen dort runter und kaufte mir ein paar Vorräte ein.
Entsprechend gab es nun auch einen Salat zum Abendessen. Kochen musste ich dank der Mittagspause im Restaurant nicht mehr. Ich war ja generell hin und her gerissen. Einerseits war Kochplatte mit Topf eine praktische Sache, wenn ich schnell was kaufen und anschließend zubereiten konnte. Andererseits musste man beim Kochen die ganze Zeit aktiv sein und außerdem aufpassen, dass man nicht die Kabine mit Fettspritzern einsaute, was letztlich bedeutete, nur bestimmte Sachen und mit geringer Hitze zu kochen.
Zur Mikrowelle zurück wollte ich auf keinen Fall. Aber immer mehr Leute packten sich stattdessen einen Slowcooker in den Beifahrerfußraum. Dann konnten sie beim Frühstück oder in der Mittagspause einfach die Zutaten vorbereiten und in den Topf stecken. Aus der Natur der Sache, da so ein Topf meistens 3 bis 5 Stunden lief, war das Essen dann fertig, wenn man zur Pause oder für den Abend am Ziel ankam. Andererseits war es damit nicht mehr möglich, spontan zu kochen, wenn es am Ziel mal wieder nur Subway gab oder wenn man so wie heute unvorhergesehen irgendwo in der Gegend strandete, aber mal nicht die Chance hatte, sich den Wanst mittags im Restaurant vollzuschlagen.
Mittwoch, 24.03.2021
Dass ich heute um 07:58 AM noch später startete, lag an der Ortszeit. Nach Logzeit war ich eine Viertelstunde früher als gestern, was meine unverbrauchte Fahrzeit vom Vortag so weit aufbrauchte. Das Wetter war gut, so konnte ich mir nicht mal durch die Verspätung die Laune verderben lassen. Leider blieb auch mal wieder durch diese Verspätung nicht die Gelegenheit, gerade 10 Minuten am Flaming Gorge Dam Pause zu machen und die beeindruckende Szenerie zu genießen.


Um 11 AM erreichte ich Costco in Rock Springs. Man war über die Verspätung recht entspannt. Selbst wenn die Effekte des Wochenendeinkaufs bei Costco nicht so extrem waren, so war auch hier die Wochenmitte der ruhigere Teil der Arbeitswoche.
Anschließend sollte es in den noch vor anderthalb Monaten gar nicht so sonnigen Süden gehen.
PICKUP: WYRKS-KRH
DESTIN: TXCAN-WAL-DS
TRAILER: RF005
LOAD: BUTTER
WEIGHT: 34,499
REEFER: 39F
DISPATCH: ORMFR-PCT-BRW
Also ging es zum hiesigen Kraft-Heinz Standort und ich bekam natürlich nicht nur Butter sondern gesammelte Werke drauf. Nun ging es erst mal, nachdem die Rockies schnell im Rückspiegel verschwammen, in den landschaftlich weniger interessanten Teil der USA.
Die Mittagspause fürs Fahrzeug gab es an der Tankstelle des Flying J Travel Center in Cheyenne, für den Fahrer anschließend im Denny’s auf dem gleichen Gelände.
Nach der Weiterfahrt setzte Regen ein. Ein Glück, dass ich an der Fort Collins Weigh Station mit meinen 70,757 Pfund direkt weiter durfte.
Es war schon längst dunkel, aber wenigstens wieder trocken, als ich auf den Love’s Travel Stop in Pueblo rollte. Hier gab es dann zum Abendessen nur noch ein selbstgebautes Sandwich aus dem Vorrat. Anschließend telefonierte ich mit Alex. Dass ich zum Wochenende nicht zu Hause sein würde, stand fest, war aber auch wenig überraschend, da ich Ostern das lange Wochenende gewählt hatte.
Donnerstag, 25.03.2021
Auch wenn es hier noch später aussah als sowieso schon, musste ich lange stehen bleiben. Denn gestern war ich in den ersten 5 Stunden der Schicht nur 3 gefahren, den Rest hatte ich an Ladestellen gestanden. Bis ans Ziel waren es aber über 7 Stunden. Wenn ich also nicht schon nach 3 Stunden schon wieder sinnlos stehen wollte, musste ich hier länger ausharren. Auf dem leerer werdenden Platz war das durchaus okay, ich vertrieb mir die Zeit wie so oft mit Präzisionssprüngen zwischen meinen Gurtstücken und Antirutsch-Streifen sowie natürlich der anschließenden Dusche. Um 9:40 Ortszeit ging es dann los.

Am New Mexico Point of Entry bekam ich einen Bypass. Auch nach Texas konnte ich etwas später problemlos fahren, zumal es auf der US-87 keine Waage an der Grenze gab. In Clayton (NM) war zwar eine, aber die interessierte sich selten für ausbrechenden Verkehr. Da musste den Beamten schon sehr langweilig sein für.
Die parallele Bahnstrecke bescherte mir zumindest mal den Zug der Woche.

Mit einer Mittagspause in Dalhart, einer Baustelle auf der TX-136 vor Borger und der eintönigen Landschaft ging es ans Ziel. Während weder Miami noch das Ziel in Canadian so recht in die Gegend passen wollten, war das zuvor passierte Städtchen Pampa mal so richtig gut am Platz. Immerhin wollte Brian, dass ich dieses Kaff heute noch verließ, es blieb ja auch genug Lenkzeit übrig.
PICKUP: TXCAN-BBY
DESTIN: CODRO-WAL-SC
TRAILER: RF005
LOAD: HOUSEHOLD APPLIANCES
WEIGHT: 22,572
REEFER: OFF
DISPATCH: ORMFR-PCT-BRW
Das sah schon gefährlich nach Lückenbüßer für den Rest der Woche aus. CODRO war Durango (CO), den Code kannte ich aus meiner Kindheit. Dank des Ferienhauses meines Vaters hatte ich den Code DRO oft genug auf einem Flugticket stehen gehabt. Dass man hier kaum sinnvoll weg kam, hatte ich befürchtet.
Nun war ich also irgendwie von der Richtung auf dem Heimweg, ohne nach Hause zu kommen. Und nächste Woche hatte ich nicht viel Zeit, wieder in die Gegenrichtung zu fahren, musste ich doch Gründonnerstag zu Hause sein. Karfreitag gab es kaum Arbeit, die meisten Kunden hatten zu. Und ich hatte ja auch das lange Wochenende gewollt.
In die Abenddämmerung ging es wieder nach Pampa in die Pampa, dann aber weiter in Richtung Amarillo. Obwohl dort das Pilot Travel Center direkt an der Ringstraße TX-335 lag, fuhr ich die eine Meile auf der US-287 zum Flying J. Das Denny’s Restaurant gegenüber McDonald’s und Cinnabon war es wert.
Nachdem der Truck an der Tankstelle versorgt worden war und ich die vorhin mehr nach Gefühl zurechtgeschobenen Achsen auf der CAT Scale der wesentlich leichteren Ladung optimal angepasst hatte, war es auch schon 10:10 PM Central Time, als der Arbeitstag endete.
Freitag, 26.03.2021
Trotz der späten Endzeit hatte ich gestern 1:40 Lenkzeit übrig behalten. Ich hoffte, mal wieder einen Marathon hinzulegen. Und wirklich schaffte ich es in 6:43 Stunden ohne Pause und mit gelben Augen zum Apache Nugget Travel Center an der US-550 in New Mexico. Brian wäre stolz auf mich, denn hier konnte ich bei einer Conoco-Station tanken und mehr Prozente einstreichen.
Anschließend waren es noch knapp über 2 Stunden bis Durango. Ereignislos waren sie auch. Am Walmart Supercenter wurde ich ins Wochenende entlassen.
LOCATION: CODRO
ACTION: 61H RELEASE
DISPATCH: ORMFR-PCT-BRW
Ich sah mir die Lage mal auf Google Maps an. Durango selbst hatte nicht viel zu bieten, bis auf eine mir aus Jugendtagen noch bestens bekannte, historische Altstadt. Die einzigen Mietwagen bekam man am Flughafen. Aber dort konnte man keinen 18-Wheeler abstellen. Also beschloss ich, den Standort zu wechseln, wofür mir aber die Fahrzeit heute nicht mehr reichte. Mein Nachtlager schlug ich mangels einer Tankstelle mit LKW-Parkplätzen auf einem Platz auf, wo allerlei Schrott abgeladen worden war. Ein Daycab Truck mit einem Containerchassis war dort auch schon abgestellt und gab mir das Vertrauen, dass das wenigstens bis morgen früh klappen könnte.

Samstag, 27.03.2021 und Sonntag, 28.03.2021
Ich hatte nicht allzu früh ins Bett gehen können, zu spät war ich dazu die Tage vorher aufgestanden. Aber immerhin, um 6:30 AM Ortszeit war ich abfahrbereit und machte mich auf den Weg über den Million Dollar Highway nach Montrose. Leider war die Sicht schlecht. Kurz vor Mittag war ich am Ziel und parkte bei einer Tankstelle am Flughafen, die Parkplätze für komplette Sattelzüge hatte. Statistikzeit.
WEEK START: MO:06:18 AM ±0
WEEK END: SA:10:37 AM +1
WEEK DRIVE: 55:24 HRS
WEEK WORK: 57:10 HRS
WEEK FRAME: 5D:04H:19M
WEEK MILES: 2,551
REVENUE MILES: 2,408
PERFORMANCE: 94.4 %
WEEK PAYLOAD: 93,427
SH TON MILES: 33,796
WEEK FUEL ECO: 5.8 MPG
WEEK AVG SPEED: 46.0 MPH
Diese Woche war irgendwie eine ziemliche Sinnestäuschung gewesen. Nicht viele Meilen, nicht viele Stunden, langsamer Durchschnitt, schlechter Verbrauch. Verbrauch und Tempo hatte ich natürlich so erwartet, immerhin war viel Highway durch die Berge dabei gewesen. Aber ich hatte gefühlt mehr gearbeitet und war länger gefahren als es die Statistik nun in realen Werten hergab.
Am Samstag ging ich nur noch eine Runde skaten und versorgte mich abends aus dem Vorrat. Denn die Stadt Montrose selbst hatte auch nicht wirklich was zu bieten. Sogar noch weniger als Durango. Am Sonntag lief ich jedoch einfach nur eine Dreiviertelmeile die Straße rauf und besorgte mir bei Enterprise einen Nissan Versa. Mit dem Mietwagen fuhr ich dann den Million Dollar Highway noch mal ein gutes Stück zurück und hielt unterwegs an, um Fotos zu machen, zu wandern und die Drohne steigen zu lassen.


