Mittwoch, 09.06.2021, La Rochelle.
Es ist 05:32 Uhr. Meine Fahrzeit ist voll. Auch wenn der Nachtflug an sich ziemlich gut verlaufen ist kann ich somit den nur noch zwei Kilometer entfernten Kunden nicht mehr erreichen. Und das wo dieser vorhin schon bei meiner Dispo in München Theater gemacht hat. Aber was soll’s… wenn der Kunde auf Kante näht muss er damit rechnen, dass es gegen den Baum geht.
Ich gieße mir einen Kaffee ein und greife zum Mobiltelefon. „hansekontor in München. Franziska Jüggr.“ „Hej Franzi. Ich wollte Conny sprechen.“ „Die schwirrt gerade noch auf dem Hof rum. Kann ich dir helfen?“ „Vielleicht. Ich bin in La Rochelle gelandet, aber noch zwei Kilometer vom Kunden weg…“ „…und die Fahrzeit reicht nicht mehr.“ „So ist’s. Der Kunde ist Conny heute Nacht schon aufn Keks gegangen.“ „Na wunderherrlich. Der wird sich freuen.“ Ich höre im Hintergrund Tastaturgeklapper. „Warte mal kurz bitte.“ Weiteres Tastaturgeklapper. „Christian?“ „Hier is einer.“ „Ich habe theoretisch ne Lösung.“ „Lass hören.“ „Rainer steht am LRH und wartet da auf seine Anschlussfracht nach Köln. Seine Wochenzeit sieht recht entspannt aus – hat noch beide Zehner offen“ „Hat er von Köln aus noch was auf’m Zettel?“ „Nur ne Kleinigkeit zum DUS.“ „Sehr gut. Dann glaube ich deinen Plan zu kennen.“ „Mhm. Der wäre: Ralf kommt mitm Taxi zu dir, setzt deinen Zug beim Kunden an die Rampe und zieht ihn auch wieder ab. Dann fährt er mit Taxi wieder zum LRH.Du machst deine Ruhezeit und fährst dann nach Poissy.“ „Gute. So machen wir das. Ich ruf dann mal eben bei Rainer an.“ „Brauchst du nicht. Hat Conny schon. Rainer ist in zwanzig Minuten bei dir.“ „Dann muss ich mich mit meinem Kaffee beeilen. Mädels, ihr seid klasse.“ „Kleine Wunder werden sofort erledigt.“
…
Punkt 15:00 Uhr. Im Radio läuft YELLO mit The Race. Der V8 beginnt mit sanftem Brabbeln seinen Dienst. Ich löse die Handbremse und rolle auf die Rue du 11 Novembre. Kreisverkehr – erste Ausfahrt. Ein paar Meter weiter der nächste. Geradeaus drüber. Kreisverkehr Nummero drei… wieder die erste Ausfahrt. Einmal unter der N11 durch und in Kreisverkehr Nummer vier dann die dritte Ausfahrt. Die französischen Verkehrsplaner waren scheinbar vor dem Bau in Norwegen zur Inspiration. Ich beschleunige den rovågel und ziehe auf die N11 (oder auch E3) gen Osten. Fortan begleiten mich jetzt erst einmal Felder, Felder und hin und wieder kleine Ortschaften links und rechts der Straße.
Granzay-Gript. Ich habe noch keine sechzig Kilometer gefahren, schon darf ich den Druck herausnehmen um mich durch die Mautstation zu zirkeln. Ich folge der Beschilderung Richtung Paris und wechsele somit auf die E5 gen Norden. Ich passiere Tours und überquere die Loire.
Am ‚Aire de Tours-Val de Loire setze ich den Blinker und fahre auf den Parkplatz. Etwas über vier Stunden für zweihundertzweiundvierzig Kilometer. Macht einen Durchschnitt von knapp 57km/h.
Ich nutze die Pause um mir eine Kleinigkeit auf dem Gaskocher zu bruzzeln.
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Herbault. Saran. Authon-la-Plaine.
Die E5 trifft auf die E50 und kurz darauf erreiche ich die Mautstation Saint-Arnoult-en-Yvelines. Somit komme ich langsam in den Pariser Speckgürtel. Der Verkehr verlief bisher freundlicherweise ohne Probleme. Dass es an der Mautstation ein wenig stockt ist normal. Da der Feierabendverkehr inzwischen so weit auch schon durch ist rechne ich nicht mit Problemen im Pariser Bereich.
Die Schranke öffnet sich und ich beschleunige wieder.
Blinker rechts und ab auf die N1 18. Dieser folge ich bis zur Ausfahrt Versailles. Ich wechsele auf die A86 und schließlich auf die A13, die ich dann an der Ausfahrt 7 verlasse. Ich folge den Schildern in Richtung Poissy. Es folgen schon wieder Kreisverkehre. Aber mein Navi kennt den Weg. Ich rolle durch die Avenue de la Maladrerie. Die Straßen werden schmaler und ich fahre durch ein Wohngebiet. Am Ende der Rue de Beauregard treffe ich auf einen Platz auf den sechs Straßen sternförmig zulaufen. Ich stoppe und ziehe die Handbremse. Ein Blick aufs Navi um mich zu orientieren. OK. Ich muss in die Rue des Grands Champs, also die zweite Straße rechterhand.
Nächste links, dann wieder rechts. Boulevard Victor Hugo. Mein Navi vermeldet: „Sie haben ihr Ziel erreicht.“ Hier gibt es also Käse. Was ein Käse. Viel Platz ist hier nicht gerade für einen Sattelzug. Egal… da vorne stelle ich mich jetzt an die Seite und dann ist Feierabend. 23:30 Uhr verstummt der V8 und ich quittiere den Tachographen mit Ende Land: Frankreich.
Donnerstag, 10.06.2021, Poissy.
Es ist kurz vor 12:00 Uhr. Die Adresse, an der ich laden sollte, hatte sich als Hinterhaus eines Carrefour City-Lieferservice entpuppt. Mal wieder so ein typisches Maier-Flink-Projekt… Aber egal. Nicht wundern, nichts hinterfragen… nur einsammeln und von A nach B bringen…
Ich schließe die Türen am Auflieger und mache mich auf den Weg.
Ich fahre auf die A14 in Richtung Paris auf und beschleunige auf 82 km/h. Der Verkehr läuft; und das im Großraum Paris. Es geht über die Seine und kurz darauf dann auf die A86, die ich kurz darauf bereits wieder verlasse. Es geht in Richtung Flughafen CDG auf die A1/E19.
Ich setze den Blinker und fahre ab auf den Rastplatz Saint-Ghislain. Da ich weder auf Burger noch auf Sandwich Lust habe angel ich mir nur einen Jogurt aus dem Kühlschrank.
…
Es geht vorbei an Mons und Lüttich. Ich überquere die Maas und fahre im direkt folgenden Autobahnkreuz Cheratte auf die E25 Richtung Maastricht. Weiter bis zur Ausfahrt 19 – Roermond.
Ich wechsele auf die N280 in Richtung Düsseldorf. Kurz darauf überquere ich die Grenze und bin auf der A52.
Mönchengladbach. Ich wechsel auf die A44. Ich schaue auf die Uhr. Es wird langsam Zeit für Feierabend. An der Abfahrt Düsseldorf-Flughafen laufe ich auf einen anderen LKW auf – es ist mein Fahrer Chris König, der gerade von einer Tagestour nach Belgien zurück kommt. Ich folge ihm und wir fahren gemeinsam auf den Hof. Im Aufzeichnungsgerät vermerke ich das heutige Tourende. Mit 43 Fahrstunden diese Woche ist zudem auch Wochenende.
