Donnerstag, den 03. August 2017, 6:00 Uhr Pacific Daylight Time:
Wieder trafen Joe und ich uns beim Frühstück im Motel wieder. Ich zog es wieder vor, mir ein Lunchpaket zu bereiten und mich erstmal mit Kaffee zu begnügen. Joe hingegen hatte einen gesunden Appetit. „Na, Junge. Gut geschlafen?“ begrüßte er mich. „Im Moment schlafe ich wirklich sehr gut.“ Antwortete ich. „Wahrscheinlich liegt das wirklich daran, dass ich vorher meine Ausbildung im Büro gemacht habe und jetzt was völlig anderes mache.“ „Und dann noch die alte Technik des Mack.“ Stimmte mir Joe zu. „Ich habe das auch gemerkt. Das war dann doch was Anderes, als der moderne Freightliner, den ich zum Schluss hatte.“ „Also bin ich doch kein Weichei, weil ich jetzt etwas Muskelkater habe?“ „Bestimmt nicht. Man kann dich eher bewundern, dass du wirklich mit dem alten Truck beginnen wolltest.“ „Ich muss ja erstmal kreditwürdig werden, damit mir die Banken das Geld für einen neueren Klasse 8 Truck geben.“ „Vielleicht solltest du auch überlegen, ob deine Hausbank die Richtige dafür ist. Die normalen Banken wollen immer Sicherheiten haben, bei denen der finanzierte Gegenstand nicht mit eingerechnet ist. Ausnahme sind dabei nur Immobilien, weil ein Haus nicht so schnell an Wert verliert. Du kannst aber, ohne einen Truck kein Geld als Unternehmer verdienen. Das ist ein Teufelskreis. Ohne das Teil, was du finanzieren willst, hast du auch kein Einkommen. Das verteuert in der Regel die Kredite, weil die Banken das Risiko absichern wollen.“ „Was kann man dagegen machen?“ „Lass dir ein Angebot von einem Truck Dealer machen. Für Peterbilt oder Kenworth wäre das dann ein Angebot über Paccar Financial. Die haben nämlich noch ein weiteres Interesse. Sie wollen dir einen Truck verkaufen.“ „Klingt plausibel.“ „Wenn du irgendwann bei einem Händler vorbeikommst, solltest du dort anhalten und ein Verkaufsgespräch führen. Du musst dann nur sicher und kompetent auftreten. Du hast einen Vertrag mit Walmart in der Tasche. Das heißt, dass dir deine Ladungen sicher sind. Wenn du den Eindruck vermittelst, dass du dein Business verstehst, haben die dann keine Bedenken. Du bist ja nicht der erste Owner Operator.“ „Das klingt ja richtig gut.“ „Du darfst nur keinen Höhenflug kriegen. Bleib realistisch. Du kannst dir gerne einen W900 ausrechnen lassen. Es muss nicht unbedingt so ein modern aussehender Truck sein. Viele Owner Operator fahren die klassischen Truck Modelle. Lass dich aber nicht über den Tisch ziehen und dir einen 600 PS Truck aufschwatzen, bei dem du dann nicht weißt, wie du die Raten zahlen sollst.“ „Verstehe.“ „Es bringt ja nichts, wenn du nur noch die Raten zahlen kannst und nichts mehr für dich überbleibt.“ „Schon klar.“ „Ich weiß ja nicht, wie du dir deine Zukunft vorstellst. Ob du irgendwann mehrere Trucks und angestellte Fahrer haben willst, oder ob du, wie ich, einfach als Owner Operator mit einem Truck fahren willst.“ „Das weiß ich auch noch nicht. Aber es ist natürlich verlockend, Eine Flotte von Trucks sein Eigentum zu nennen.“ „Für mich war das nie verlockend. Ich habe das einmal versucht und eine zweite Maschine gekauft, die ein guter Freund von mir gefahren hat. Ich hatte zwar vollstes Vertrauen zu meinem Freund, trotzdem habe ich nie so schlecht geschlafen, wie in der Zeit. Ich war immer mit den Gedanken bei ihm. Klappt alles? Ist er pünktlich? Hat er einen Unfall?“ „Ich dachte, du hast ihm vertraut.“ „Habe ich auch. Wir sind damals auch noch als Long Hauler gefahren. Wenn der im Winter in den Norden, oder nach Kanada musste, hatte ich ständig Angst, dass was passieren konnte. Das hat mir keine Ruhe gelassen. Schließlich habe ich meinen Freund schweren Herzens wieder entlassen und den zweiten Truck wieder verkauft.“
Diese Geschichte würde mich später immer wieder verfolgen. Das wusste ich aber zu dem Zeitpunkt noch nicht. An diesem Morgen mussten Joe und ich aber nun los. Wir zahlten das Frühstück und unsere Zimmer, dann ging es wieder raus zum Truck. Zum Glück lag unser Parkplatz ein Stück vom Motel entfernt. Der laufende Reefer hätte sonst mit Sicherheit für Ärger gesorgt.
Um viertel vor Sieben an diesem Morgen begann ich dann mit meiner PTI. Dann führte ich die Checkliste und das Logbuch. „Wenn es eben geht, möchte ich dann den Rest der Woche nicht mehr ans Steuer.“ Sagte Joe. „Meine alten Knochen sind das Fahren mit so einer Maschine nicht mehr gewohnt.“ „In Ordnung. Wenn es sich vermeiden lässt, brauchst du nicht mehr fahren.“ „Wenn du jetzt was anderes gesagt hättest, dann hättest du gleich einen Abstecher nach Bodega Bay einplanen können, um mich wegzubringen.“ Um sieben Uhr verließen wir dann unseren Parkplatz und machten uns auf den Weg nach Sacramento.
Von hier aus machte es allerdings keinen Sinn, wieder die Strecke über Redding zu nehmen. Wir fuhren zuerst durch Eureka und passierten dabei ein weiteres Außenlager von Walmart. „Wenn du unsere Läger oder auch unsere Märkte siehst, kannst du dir die gleich einprägen. Irgendwann kommt der Tag, wo du da mal hinmusst.“ Sagte Joe. „Das dachte ich mir schon.“ Es ging dann noch ein ganzes Stück weiter durch die Stadt. Schließlich erreichten wir dann die US Route 101, die genau wie die Interstate 5 eine komplette Nord – Süd Verbindung darstellte. Dort fuhren wir dann in Richtung San Francisco. Also in Richtung Süden.
Nachdem wir die Stadtgrenze passiert hatten, wurde die Straße dann auch zum vierspurigen Highway. Ich beschleunigte also auf 55 Meilen und hielt dann das Tempo.
Die Vegetation hier im Norden von Kalifornien war dann schon eine ganz andere, als bei uns oder noch weiter südlich. Hier kam man sich schon fast vor, wie in Oregon. Wälder und eine hügelige Landschaft bestimmten das Bild. Ich hatte also ganz gut zu tun. Wegen des hügeligen Streckenprofils musste ich am Berg immer wieder zurückschalten. Wenn dich dann die Kuppe passiert hatte, musste ich dann viel mit der Motorbremse arbeiten, damit ich nicht zu schnell wurde. Auch hier waren nämlich immer reichlich Chips unterwegs, wie der Spitzname der California Highway Patrol bei uns war.
Wir waren dann schon etwas über zweieinhalb Stunden unterwegs, als auf einmal die Tankleuchte anging. Der alte Mack war dann doch noch ganz schön durstig. Mit einem modernen Truck war der Verbrauch nicht wirklich zu vergleichen. Obwohl ich mich beim Schalten ständig an die Tipps von Joe, der ja wesentlich mehr Erfahrung, als ich hatte, hielt.
Wir waren kurz vor Ukiah. „Fahr die nächste Ausfahrt runter. Ich kenne da eine Tankstelle, wo wir mit dem Truck keine Platzprobleme haben werden.“ „Okay.“ Wir fuhren also in Ukiah vom Highway herunter. „Jetzt links.“ Sagte Joe knapp. Ich bog ab und fuhr durch die kleine Stadt. „Haben wir hier auch eine Abladestelle?“ fragte ich neugierig. „Es gibt nicht viele Orte in Nordamerika, wo wir keine Abladestelle haben.“ Sagte Joe mit einem Grinsen. „Walmart ist überall.“ „Stimmt auch wieder. Zumindest fast überall.“ „Rechts kommt jetzt die Tankstelle.“ Es war eine Chevron Tankstelle, die direkt auf die Straßenecke gebaut war. Dort konnte man im stumpfen Winkel drauffahren und hatte keine Probleme, selbst mit einem 53 Fuß Trailer hinten dran. Als die Tanks dann wieder voll waren, konnte ich dann schon wieder 500 Dollar meines schwer verdienten Geldes an der Kasse abgeben.

Zurück im LKW sagte Joe: „Den Tankstopp trägst du jetzt auch ins Logbuch ein. Du schreibst eine Viertelstunde bei On Duty und setzt als Vermerk Fuel ein. Der Ort ist Ukiah, CA.“ „Wir waren um zwanzig vor Zehn hier. Jetzt haben wir kurz vor Zehn.“ „Schreib von viertel vor Zehn bis Zehn. Auf fünf Minuten kommt das nicht an.“ „Okay.“ Ich machte dann die entsprechende Eintragung im Logbuch. „Jetzt kannst du wieder zurück auf die Route 101 fahren.“ „Mach ich.“ Es ging dann wieder zurück auf die US Route 101 in Richtung Süden. Dann ging es erstmal wieder eine ganze Weile geradeaus, bis ich dann San Rafael erreichte.
„Du hältst dich jetzt geradeaus auf die I580. Wir wollen ja nicht nach San Francisco.“ Sagte Joe. „Heute nicht.“ Sagte ich. Nach dem Abzweig kam dann die nächste Anweisung von Joe: „Die nächste Ausfahrt fahren wir dann raus auf die CA37. Da steht ja auch schon Sacramento mit auf dem Schild.“ Ich fuhr dann ab und musste dann zuerst durch San Rafael fahren. Der Ort war aber nicht allzu sehenswert.
Nach der Ortsdurchfahrt passierten wir dann noch eine Baustelle, dann ging es über Land weiter. Schließlich erreichten wir dann die Interstate 80. Hier kannte ich mich aber selber wieder aus und brauchte keine Anweisungen von Joe.
Etwas später fuhren wir dann in West Sacramento von der Interstate ab. Dann ging es in Richtung Sacramento weiter. Dabei kamen wir am Walmart Außenlager vorbei. „Das Außenlager kennst du?“ fragte Joe. „Bisher war ich da noch nicht, aber ich weiß, dass es da ist.“ Schließlich erreichten wir das Zentrallager. Wir parkten den Truck am Tor und gingen zuerst ins Büro, wo wir dann mit Charlie das weitere Vorgehen besprachen.
„Den Trailer mit den Weintrauben könnt ihr an Tor 5 abstellen. Dann fahrt ihr bitte zum Außenlager und übernehmt da einen Dry Van mit Haushaltsgeräten für das Supercenter in Fresno. Dort liefert ihr heute noch an.“ „Danach sollte dann Feierabend sein.“ Stellte Joe fest. „Wahrscheinlich könnt ihr dann am Supercenter in Fresno direkt wieder einen Trailer mit Leergut übernehmen.“ Wir bekamen noch die Papiere für die Ladung nach Fresno und gingen dann wieder zurück zum Truck. Dann fuhren wir zu Tor 5 und stellten den Reefer dort ab.
Endlich eine Entladestelle mit ausreichend Platz. Dachte ich. Anschließend fuhren wir dann mit der Zugmaschine zum Außenlager, wo wir ja vorhin schon dran vorbeigekommen waren. „Hier ist das fast genauso, wie in Santa Cruz.“ Sagte Joe. „Du meldest dich am Container an und bekommst dann die Tornummer genannt, an der der Trailer steht. In diesem Fall hat uns Charlie ja direkt die Papiere mitgegeben. Wenn wir jetzt nicht am Zentrallager gewesen wären, könnten wir uns die hier ausdrucken lassen.“ „Okay.“ Wir meldeten uns beim Pförtner an und konnten dann auch in diesem Fall an Tor 5. Dort stand der 53 Fuß Dry Van für uns bereit. Ich sattelte auf und dann folgte mal wieder die obligatorische PTI.
Nun hatten wir eine recht leichte Ladung. Es waren gerade mal 25.500 lb an Hausgeräten. „Das sind mit Sicherheit keine Waschmaschinen.“ War Joes Kommentar dazu. Der Vorteil war, wir konnten die Trailer Achsen weit nach vorne stellen, ohne Probleme bei den Achslasten zu bekommen. So waren wir wendiger.
Gegen zwei Uhr am Mittag konnten wir uns dann auf den Weg nach Fresno machen.
Wir fuhren wieder zurück durch Sacramento und hielten uns in Richtung Interstate 5. Dort fuhren wir dann in Richtung Süden auf und verließen unsere Heimatstadt wieder. „Und wieder nicht nach Hause.“ Grinste Joe. „Wir sind jetzt in einem Rhythmus, in dem wir mit unseren Touren normal nach Hause gekommen wären. Da wir allerdings nie von zu Hause losgefahren sind, kommen wir auch nicht wieder zu Hause an.“ „So kann das gehen.“ „Daher macht es auch als Regional Driver Sinn, einen Truck mit Sleeper zu fahren.“
Etwas später kamen wir dann wieder mal nach Stockton. „Nimm am besten erst die zweite Ausfahrt von der Interstate.“ Sagte Joe. „In Ordnung. Warum denn?“ fragte ich nach. „Dann musst du nicht ganz so viel durch die Stadt fahren. Wir kommen dann schon fast am Ortsende auf die California 99.“ „Das macht Sinn.“ Stellte ich fest. Wir nahmen die zweite Ausfahrt Stockton und bogen links ab. Dann ging es ein kurzes Stück durch die Stadt und an der nächsten Ampelkreuzung erreichten wir dann schon die California 99. Dort bogen wir dann wieder in Richtung Sünden ab. Kurz darauf hatten wir dann Stockton schon wieder hinter uns gelassen.
Ein paar Minuten später fragte Joe: „Wieviel Fahrzeit hast du eigentlich schon hinter dir?“ „Heute? Keine Ahnung.“ Ich rechnete im Kopf zusammen. „Etwa sieben Stunden und mehrere Minuten.“ „Und noch keine Pause gemacht. Dann wird es Zeit.“ „Wo denn? Hier kommt doch erstmal kein Truckstop.“ Sagte ich. „Dann müssen wir nach Oakdale fahren. Da ist zwar auch nicht viel, nur eine Tankstelle und eine Rest Area. Aber da hat einer eine Hot Dog Bude hingestellt, an der man ganz gut essen kann.“ „Sagt mir gar nichts.“ Stellte ich fest. „Das ist auch ein ganzes Stück vom Highway entfernt. Fünf bis zehn Meilen etwa. Ich habe die Bude entdeckt, als ich da in der Nähe bei Kraft Heinz einen Trailer abgeholt hab.“ „Gut. Fahren wir dahin.“ Sagte ich.
Wir fuhren also in Oakdale von dem Highway 99 runter und hielten uns in Richtung Oakdale. Dort angekommen, kam der Rastplatz dann auf der linken Seite. Wir stellten den Lastzug auf die Rest Area, wo wir um diese Zeit auch nicht unbedingt ordentlich parken brauchten. Es war noch reichlich Platz. Dann genossen wir die Hot Dogs, von denen Joe gesprochen hatte. Sie waren wirklich gut.

Wir machten die Pause dann ganz in Ruhe. Etwa eine Dreiviertelstunde später fuhren wir dann weiter nach Fresno. Es ging dann wieder zurück zum Highway 99, auf den wir dann wieder in Richtung Süden auffuhren. Nun rollten wir wieder gemütlich in Richtung Fresno. „Fahr nachher an der Raffinerie schon vom Highway runter.“ Sagte Joe, der mir mal wieder als Navi diente. „Das Supercenter ist noch vor der Stadtgrenze von Fresno. Wenn du erst Downtown runterfährst, musst du noch durch die Stadt. Das kannst du dir sparen.“ „Wenn du das sagst.“ Antwortete ich.
Wir nahmen also die besagte Ausfahrt und bogen dann links in Richtung der Raffinerie ab. „Da vorne dann wieder rechts in Richtung Fresno. Dann kommen wir genau beim Supercenter raus.“ Dirigierte mich Joe. Dann ging es wieder eine ganze Weile parallel zum Highway 99. Schließlich näherten wir uns Fresno. „Nach der Ampel die nächste links, dann liegt das Supercenter auf der linken Seite.“ Lotste mich Joe. Dann waren wir am Ziel.

„Halte direkt da vorne an. In dem Nebengebäude sind die Büros vom Center Management, die sich um die Logistik kümmern.“ Sagte Joe. „Dann stehen wir ja mitten in der Einfahrt.“ Merkte ich an. „Aber nur ein paar Minuten. Das passt schon.“ Sagte Joe. Ich stellte also den Lastzug ab und wir gingen in das Büro, was Joe gemeint hatte. Dort bekamen wir dann unsere Ablieferquittung. Man teilte uns auch ein Tor zu, an dem wir andocken sollten. Außerdem stand dann wohl an Tor 4 ein Trailer, auf dem Paletten für FedEx, Oxnard verladen waren. Ich rief dann mit meinem Handy kurz in Sacramento an und Danny bestätigte mir, dass wir den Trailer mitnehmen sollten. Nun konnten wir nach hinten, in den Bereich der Laderampen fahren. An einem Supercenter war dann dort auch so viel Platz, wie an einem Zentrallager. So hatte ich genug Platz, um den Trailer vernünftig anzudocken. Der Trailer, den wir dann wieder mitbekamen, war mal wieder ein 53 Fuß Planen Trailer. Dieser musste aber wohl randvoll mit leeren Paletten sein. Es war nämlich noch mehr Gewicht, als beim letzten Leerguttransport nach Eureka. „Entweder rechnen die hier mit mehr Gewicht pro Palette, oder die haben nasse Paletten verladen. Die sind dann schwerer. Da müssen wir die Achsen auf jeden Fall ganz nach hinten schieben.“ „Gut.“ „Einen Vorteil haben wir. Auf der Strecke von hier nach Oxnard haben wir keine öffentliche Wiegestation.“ „Das ist schon mal gut.“ Trotzdem können uns die Chips natürlich herausziehen, wenn sie einen begründeten Verdacht haben. Wenn der dann aber nicht zutrifft, müssen sie die Wiegekosten aber selbst tragen. Daher lassen sie das meistens.“ Ich sattelte um und zog den Trailer vom Dock ab. Dann verschoben wir die Trailer Achsen und erledigten die PTI.
Als wir dann alles erledigt hatten und ich die Checkliste und das Logbuch auf dem aktuellen Stand hatte, sagte ich: „Zehneinhalb Stunden bin ich heute schon gefahren. Weit kommen wir also nicht mehr.“ „Wenn du alleine wärst, könntest du jetzt auf den Truckstop fahren, wo wir am Dienstagabend gegessen haben. In diesem Fall kenne ich aber ein Motel in Fresno, wo wir auch mit einem ganzen Truck parken können. Wir haben ja keinen Reefer dran. Dann werden wir auch geduldet.“ Wir fuhren dann also mit dem Truck nach Fresno hinein.
Irgendwann kam dann mal wieder ein Tipp von Joe: „Da vorne rechts ist die FedEx Niederlassung, Fresno. Merk dir das mal wieder. Irgendwann musst du garantiert auch dort hin.“ „Warum gehen die Paletten denn nicht hierhin. Ist doch auch FedEx.“ Fragte ich. „Solche Fragen habe ich mir irgendwann abgewöhnt.“ Sagte Joe. „Wahrscheinlich brauchen die in Oxnard unbedingt Leergut und wir haben dort Schulden. Es ist müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Wir fahren, was uns die Dispatcher geben. Wieso, wohin und warum hat uns nicht zu interessieren. Hauptsache wir haben was zu fahren und verdienen Geld damit. Ob das alles Sinn macht, soll uns egal sein. Wenn wir sowas hinterfragen, vernichten wir vielleicht die Aufträge, für die man uns braucht.“ „Auch eine Ansicht.“ „Wenn du daran was ändern willst, dann gibst du das hier am besten auf und fängst bei deinem Dad als Manager an.“ „Das möchte ich auch nicht.“ „Eben.“
Joe lotste uns dann durch Fresno und ein paar Minuten später kamen wir an dem Motel an, was Joe für uns ausgesucht hatte. Dort war dann Feierabend angesagt. Da dieser Tag nicht ganz so anstrengend gewesen war, wie die vorherigen, ging ich am Abend noch ein wenig in Fresno spazieren. Dann telefonierte ich noch kurz mit meiner Mom. Schließlich legte ich mich schlafen.
Freitag, den 04. August 2017, 5:00 Uhr Pacific Daylight Time:
An diesem Morgen klingelte der Wecker bereits um fünf Uhr. Irgendwie wurde das diese Woche von Tag zu Tag früher, dass wir aufstehen mussten. Joe war das ja wahrscheinlich gewohnt, aber ich, der ja vorher nur in der Ausbildung im Büro gewesen war, kannte eigentlich nur eine Anfangszeit von acht Uhr am Morgen. Da reichte es bei uns, wenn ich kurz vor Sieben aufgestanden war. Ich quälte mich aus dem Bett und schlich ins Bad. Die Dusche dort brachte dann aber meine Lebensgeister wieder zurück. „Verwöhntes Kind.“ Schimpfte ich mich dann auch selber. Nachdem ich dann anschließend meine Sachen gepackt hatte, ging ich zum Frühstücken. Dort war Joe schon wieder am Kauen, als ich reinkam. Ich bestellte mir dann erstmal einen großen Kaffee und machte mir dann ein Lunchpaket fertig.
Pünktlich um Sechs standen wir dann am Truck und ich konnte mit der obligatorischen PTI beginnen. Nachdem ich diese abgeschlossen hatte, machte ich dann meine Eintragungen in die Checkliste und das Logbuch. Um viertel nach Sechs fuhren wir dann vom Hof des Motels und ordneten uns in den Frühverkehr von Fresno ein. Allerdings war jetzt auch noch nicht viel los. Es wurde hier meist erst nach Sieben etwas voller.
So kamen wir dann gut durch Fresno und hielten uns in Richtung des Autohofs, wo wir schon mal gegessen hatten. Dort fuhren wir dann auf die California 99 in Richtung Süden. Hier merkte man dann schon, dass langsam die Zeit des Berufsverkehrs erreicht war. Es war recht voll auf dem Highway. Zumindest für diese Region. Es war natürlich kein Vergleich mit dem Verkehr der um diese Zeit in San Francisco oder LA herrschte. Ich beschleunigte den vollen Lastzug auf 55 Meilen und hielt dann die erreichte Geschwindigkeit. „Du scheinst dich langsam eingewöhnt zu haben.“ Stellte Joe fest. „Es wirkt bei dir zumindest alles sehr souverän.“ „Danke.“ Sagte ich. Mit dem Kompliment hatte ich gar nicht gerechnet. „Ich habe wirklich den Eindruck, dass du deinen Job gefunden hast. Du wirst deinen Weg machen. Da bin ich mir sicher.“ „Was wird das jetzt?“ fragte ich überrascht. „Ich habe nur schon mal ein kleines Fazit der letzten Tage gezogen.“ „Ach so. Ich hatte schon den Eindruck, dass du gleich aussteigst, dich verabschiedest und weg bist.“ „Gleich nicht, aber das nächste Mal, wenn wir in Sacramento sind.“ „Bist du sicher, dass ich soweit bin, alleine zu fahren?“ „Klar. Du solltest dir nur eine Karte oder ein Navi holen, damit du die Ladestellen findest. Ich werde aber nicht hierbleiben, um dir nur den Weg zu zeigen.“ „Das ist klar.“ „Wenn du wirklich noch mal eine Frage hast, kannst du mich ja dann auf meinem Handy erreichen.“ „Das stimmt.“ „Du schaffst das mit Sicherheit.“ „Okay.“
Danach schwiegen wir eine ganze Zeit lang. Wir blieben erstmal auf dem Highway 99 und fuhren an Bakersfield vorbei. Eine ganze Zeit später mündete der Highway dann in die Interstate 5. „Gleich bekommst du wieder mehr zu tun.“ Sagte Joe. „Warum?“ „Es geht jetzt über den Tejon Pass. Mit einem vollen Lastzug musst du da schon ganz schön kämpfen.“ „Berge hatte ich doch auch schon bei der Tour nach Eureka.“ „Das stimmt natürlich.“ Die Interstate führte dann in die Berge und ich musste wirklich wieder mehr tun. Zum Glück biss sich der alte Achtzylinder am Berg ganz gut fest. Trotzdem musste ich viel schalten. „Da muss sich aber mancher moderner Truck warm anziehen, um hier so hochzukommen.“ Stellte ich begeistert fest. „Hubraum ist halt durch nichts zu ersetzen.“ Grinste Joe. „Die modernen Trucks holen das doch alles aus dem Turbo. Die haben dann zwar mehr PS, wir haben aber mehr Drehmoment. Außerdem macht sich hier das Achtzehngang Getriebe wieder bemerkbar. Du hast immer einen Gang für die optimale Drehzahl.“ Als wir dann die Passhöhe passiert hatten sagte Joe: „Jetzt kommt aber die Kehrseite der Medaille. Ohne Jake Brake oder Retarder musst du hier ganz schön aufpassen, dass du nicht zu schnell wirst. Die Motorbremse ist zwar nicht schlecht, aber reicht manchmal nicht um den Truck am Berg im Tempo zu halten. Denk an die Fahrt nach Eureka. Da bist du schon geblitzt worden.“ Ich nickte nur zur Bestätigung.
Das meiste erledigte ich dann im Gefälle dann auch mit der Motorbremse. Trotzdem musste ich dann manchmal bei bremsen, um nicht zu schnell zu werden. „So machst du das genau richtig.“ Lobte mich Joe. „Mach das Meiste mit der Motorbremse und setze nur ab und zu die Betriebsbremse ein. So wird dir die Bremse nicht zu heiß.“ So ging es dann den Berg wieder herunter.
Nachdem wir dann fast in der Ebene von Los Angeles angekommen waren, sagte Joe: „Die nächste Ausfahrt fährst du raus und dann fährst du westwärts auf den Highway 126 in Richtung Santa Barbara. So geht das auch nach Oxnard.“ „Okay.“ Wir bogen ab, wobei sich in der Ausfahrt ein kleiner Stau gebildet hatte. Ich musste dann doch recht stark bremsen, um nicht noch auf das letzte Fahrzeug aufzufahren.
Nachdem wir dann abgebogen waren, ging es direkt wieder bergauf. In diesem Bereich war der Highway aber nur zweispurig. Hinter mir hatte ich dann eine ganze Reihe von Autos. Aber keiner traute sich so wirklich an mir vorbei, um mich zu überholen. Schließlich wurde der Highway dann aber kurz vor Oxnard doch noch vierspurig und die Autos konnten vorbeifahren.
„Da vorne, links ist schon unser Ziel.“ Sagte Joe dann. Obwohl wir noch mehrere Meilen vor Oxnard waren, lag dann das Logistikzentrum von FedEx vor uns. Wahrscheinlich waren die Grundstückspreise hier günstiger, als in der Stadt. Wir fuhren dann auf das Gelände und stellten den Truck am Tor ab.
Dann gingen wir zur Anmeldung und gaben da unsere Papiere ab. „Bekommt ihr auch was wieder mit?“ wurden wir von dem Mitarbeiter am Schalter gefragt. Ich zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“ „Ruf doch Charlie eben an.“ Schlug Joe vor. „Da habe ich gar nicht dran gedacht.“ Sagte ich entschuldigend. „In der ersten Woche kann das mal passieren.“ Grinste Joe. Ich nahm mein Handy und wählte die Nummer der Dispatch. „Hallo Marc, bist du bei FedEx?“ wurde ich dann auch gleich von Charlie begrüßt. Er hatte meine Nummer offensichtlich schon eingespeichert. „Richtig. Ich werde hier auch gerade gefragt, ob ich wieder was mitnehme.“ „Du bekommst dort 43.500 lb Tiefkühlkost für das Zentrallager in Fresno.“ Er nannte mir dann noch die Ladenummer. „Von Fresno sollte es dann wieder was nach Sacramento geben. Aber das kann dir Danny heute Nachmittag dann besser beantworten.“ „Okay. Danke.“ Wir legten auf und ich forderte gleich meine Ladung ab. „Die Ladung sollte auch schon fertig sein.“ Sagte mir der Mitarbeiter, als er mir die Papiere für unseren Anschluss gab. Unseren Trailer sollten wir dann am Paletten Lager abstellen, dann könnten wir direkt den Reefer übernehmen. Wir gingen zurück zum Truck und ich stellte dann den Trailer am Dock des Paletten Lagers ab. Joe schaute in der Zeit nach, ob unser Trailer mit der Rückladung bereits fertig war. Dann sattelte ich um und machte dann die PTI des FedEx Trailers.
Gegen halb Zwölf konnten wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Fresno machen. „Nach Hause kommen wir heute wieder nicht.“ Stellte Joe fest. „Fresno schaffen wir aber locker.“ „Also noch eine Nacht außerhalb.“ „Wahrscheinlich im gleichen Motel, wie gestern.“ Grinste Joe. „Hoffentlich haben wir dann keinen Reefer dran. Das mögen die bei diesem Motel nicht. Vielleicht, weil das mitten in der Stadt liegt. Da schallt das so wieder.“ „Und wenn es doch so ist?“ fragte ich. „Dann müssen wir den Truck zum Truckstop am Highway 99 bringen und vielleicht mit einem Taxi in die Stadt zurückfahren. Am Truckstop ist dort ja leider kein Motel.“ „Warten wir es ab.“ Sagte ich. „Ich mache mir keine Gedanken über ungelegte Eier.“
Wir nahmen dann wieder den Highway 126 zurück zur Interstate 5. Dort fuhr ich wieder nordwärts auf. „Fahr mal die nächste Ausfahrt wieder runter.“ Sagte Joe. „Da ist ein Pilot Truckstop. Da sollten wir einmal über die Waage fahren und unsere Pause machen. Die Waage ist aber das Wichtigste.“ Wir verließen also wieder die Interstate und fuhren auf den Truckstop. „Du solltest dir die App von Cat Scales holen. Die ist richtig gut. Du kannst nach Waagen suchen und du kannst das alles beim Wiegen über die App machen.“ Ich war erstmal erstaunt, dass sich Joe mit seinen 70 Jahren noch mit Apps auskannte. Dann bedankte ich mich für den Tipp.
Joe hatte mal wieder das richtige Gespür gehabt. Das merkte ich dann beim Wiegen. Wir waren zwar vom Gesamtgewicht mit 77.213 lb im grünen Bereich, mussten aber die Achse des Trailers noch verschieben, um die Achslasten auszugleichen.

Dann gingen wir in dem Truckstop erstmal in Ruhe zum Mittagessen. Beim Essen nahmen wir uns heute richtig Zeit und unterhielten uns noch in Ruhe. Joe erzählte die eine oder andere Geschichte, die er schon in seinem Fahrerleben erlebt hatte. Das hatte was und es war eine sehr schöne Pause. So dehnten wir die Pause dann heute auch auf eine Stunde aus.
Anschließend machten wir uns dann aber auf den Weg, um nach Fresno zu kommen. Wir fuhren zurück auf die Interstate 5 und hatten nun direkt wieder den Weg auf den Pass vor uns. Dieses Mal dann aber ohne vorher Schwung holen zu können. Entsprechend langsam ging ich dann in den Berg. Trotzdem schlug sich der Mack recht achtbar. Schließlich waren wir ja fast voll ausgeladen. Ein anderer Truck Driver, der dann glaubte, sein Peterbilt mit Day Cab sei schneller, als unser Mack setzte dann auch zum Überholen an. Schließlich kam er ja mit Schwung an. Am Berg verhungerte er aber dann. Anstatt dann aber kurz vom Gas zu gehen und sich hinter mir einzuordnen, blockierte er dann während dem Großteil der Steigung die mittlere Spur und fuhr neben mir her. An dem Berg zeigte mein alter Mack dann aber, dass er es immer noch draufhatte. Irgendwann waren wir am Peterbilt vorbei und er ordnete sich dann kleinlaut hinter mir wieder ein.

In der anschließenden Gefällstrecke musste er mir dann aber zeigen, dass er wohl besser war und überholte mich dann mit etwa 70 Meilen die Stunde. „Lass ihn machen.“ Lachte Joe. „Das wird ein teures Vergnügen für ihn. 15 Meilen zu schnell auf einer Interstate, das Bußgeld möchte ich aber nicht bezahlen müssen.“ Wir hatten dann aber nicht das Vergnügen zu sehen, wie er von den Chips einkassiert wurde.
Nach der Gefällstrecke wechselten wir dann wieder auf die California 99, um dann an Bakersfield vorbei, nach Fresno zu kommen. Die restliche Fahrt verlief dann ruhig und ohne nennenswerte Ereignisse. Gegen viertel vor Fünf am Nachmittag konnten wir dann den Highway an der Ausfahrt Downtown Fresno verlassen. Nun ging es in die Stadt hinein. Dort war jetzt am Freitagnachmittag recht viel los. Trotzdem fuhren wir dann gegen fünf Uhr beim Zentrallager, Fresno auf den Platz. Dieses Mal war ich dann so schlau und rief, bevor wir ins Büro gingen bei Danny an und ließ mir unsere Anschlussfracht geben. Zum Leidwesen von Joe bekamen wir dann hier auch wieder einen vollen Reefer für den Neighborhood Market in Sacramento. 43.500 lb Tiefkühlware sollte da drauf sein. „Wir können also nicht mit dem Lastzug zum Motel.“ Stellte er enttäuscht fest. Zuerst stand aber mal umsatteln auf dem Plan. Der Reefer aus Oxnard sollte an Tor 5 gestellt werden und unser Anschluss stand dann an Tor 11. Das war wenigstens nicht weit auseinander. Ich sattelte dann um und erledigte hinterher die PTI. Dann führte ich die Checkliste und das Logbuch.
„Wieviel Fahrzeit hast du denn jetzt weg?“ fragte Joe. „Neuneinhalb Stunden.“ Sagte ich ihm. „Macht dann trotzdem keinen Sinn noch woanders hinzufahren. Wir stellen den Truck auf den Truckstop und nehmen ein Taxi.“ Also machten wir es so. Wir fuhren am Zentrallager wieder los und nahmen den Weg zurück zur California 99. Dort fuhren wir dann auf den Truckstop.
Während Joe uns dann ein Taxi bestellte, füllte ich dann das Logbuch zu Ende aus. 43 Stunden hatte ich in den letzten Tagen schon zusammenbekommen. Ich konnte also noch 27 Stunden fahren, bevor ich die Wochenfahrzeit voll hatte. Ich musste aber erstmal abklären, ob wir am Wochenende überhaupt fuhren. Im Fernverkehr war das klar. Aber im Regionalverkehr? Es hatten allerdings einige Walmart Filialen am Sonntag geöffnet. Daher brauchten die ja dann auch Ware. Ich fragte erstmal Joe. „Wir können auch sonntags fahren. Allerdings machen die das bei Walmart mit reduzierter Besetzung. Die Dispatcher sind am Wochenende ja auch auf Bereitschaft und meist nur per Handy zu erreichen. Die haben dann einen Laptop mit zu Hause, mit dem sie auch Zugriff auf die Daten haben. Die Bereitschaft macht dann aber auch jedes Mal ein Anderer. Immer Reihum. Normal wird gewünscht, dass die Subunternehmer im Regionalverkehr ihre Ruhezeit am Sonntag nehmen, damit sie dann wieder mit frischen 70 Stunden starten können und nicht auf einmal am Dienstag oder so ihre Pause machen müssen.“ „Wer entscheidet das?“ „Wenn du morgen in Sacramento bist, sprichst du mit der Dispatch. Dann wird dir gesagt, ob die noch eine Tour für dich haben, was am Samstagmittag durchaus Sinn machen würde. Meistens wird dann auch gefragt, wie es mit deinen Stunden aussieht. Ich schätze, morgen wirst du noch was bekommen und Sonntag kannst du dann nach Hause gehen.“ „Okay.“ Das Taxi kam dann und brachte uns zu dem Motel, wo wir die vergangene Nacht auch schon übernachtet hatten. Dann machte ich noch einen schönen Abendspaziergang. Anschließend telefonierte ich mit meiner Mom und legte mich bald darauf schlafen.
Samstag, der 5. August 2017:
An diesem Morgen klingelte der Wecker zu einer noch unchristlicheren Zeit, nämlich bereits vor drei Uhr in der Frühe. Ich überlegte dann wirklich, ob ich schon aufstehen sollte, aber da Joe gegen halb Vier an der Rezeption auf mich warten würde, blieb mir dann nichts anderes übrig. Ich stand dann widerwillig auf und schlich ins Bad. Dort erweckte mich dann aber die Dusche zu neuem Leben. An diese Seite des Fahrerlebens musste ich mich wohl erst noch gewöhnen. Bisher brauchte ich zu solchen Uhrzeiten nicht arbeiten.
Als ich dann gegen halb Vier an der Rezeption ankam, hatte Joe bereits ausgecheckt und auch schon ein Taxi bestellt, dass uns zurück zum Truckstop bringen sollte. Ich checkte dann also meinerseits schnell aus, denn das Taxi würde jeden Moment vor der Tür stehen. Frühstück gab es hier um diese frühe Zeit sowieso noch nicht. Um diese Zeit konnte man sich allenfalls einen Kaffee und ein Sandwich aus einem Automaten ziehen.
Dann war das Taxi da und brachte uns zum Truckstop. Um die frühe Uhrzeit dauerte das gerade mal zehn Minuten, dann waren wir dort. Da ich auf das Automatenfrühstück verzichtet hatte, holte ich mir noch schnell was im Truckstop, dann gingen wir zum Lastzug, der auf uns wartete.
Nach den ersten zwei Schluck Kaffee begann ich dann mit der PTI. Um vier Uhr war diese dann erledigt und die Checkliste, sowie das Logbuch bis zu diesem Zeitpunkt geführt. Nun machten wir uns dann wieder auf den Weg. Wir fuhren dann auf den Highway 99 in nördlicher Richtung auf. Nun beschleunigte ich den Truck auf 55 Meilen und ließ ihn dann entspannt rollen. Außer dem Radio, was leise im Hintergrund spielte und dem Grollen des V8 war noch nicht viel zu hören. Ich war um die frühe Uhrzeit noch nicht allzu gesprächig und auch Joe hing irgendwie seinen Gedanken nach. So fuhren wir langsam in den anbrechenden Morgen. Von Nordosten kam dann auch ganz langsam die Sonne über den Bergen zum Vorschein.
Eine ganze Zeit später passierten wir dann Stockton und wechselten dort wieder auf die Interstate 5. Danach dauerte es dann nicht mehr lange, bis wir dann Sacramento erreicht hatten. Downtown Sacramento fuhren wir dann von der Interstate herunter und nahmen dann den Weg zum Neighborhood Market. Gegen viertel nach Acht kamen wir dann dort an. Auch an diesem Samstagmorgen war dort schon ein geschäftiges Treiben. Wir blieben in der Einfahrt stehen und ich ging zum Marktleiter, den ich ja schon kannte. Seine Antwort erfreute mich aber nicht sonderlich. „Was ist los?“ fragte mich Joe erstaunt, als er meinen Gesichtsausdruck sah. „Trotzdem, dass ich einen langen Trailer dran habe, soll ich ans erste Tor setzen.“ Sagte ich enttäuscht. „Es kommt wohl heute Vormittag kein City Trucker mehr, der den Trailer umsetzen kann.“ „Bei dem Eindruck, den du in den letzten paar Tagen bei mir hinterlassen hast, bin ich der Meinung, dass du den Trailer locker in die Lücke bekommst.“ Sagte Joe aufmunternd. „Ich hatte zwar anfangs meine Zweifel, ob du der Richtige für den Job bist, inzwischen bin ich aber davon überzeugt.“ „Wirklich?“ fragte ich ungläubig und mein Gesichtsausdruck erhellte sich. „Hab ich dich schon mal angelogen?“ „Bisher nicht.“ „Na also. Nun setz dich ans Steuer und setz den Trailer an das Tor. Ich bin ja da und passe auf.“ Ich stieg also wieder in den Mack und startete den Motor. Dann rangierte ich den Trailer genauso, wie Joe es mit beigebracht hatte. Ich brauchte zwar wieder etwas, aber eine Viertelstunde später stand der Trailer perfekt in der Lücke und ich hatte ihn abgesattelt. „Na siehst du, geht doch.“ Sagte Joe grinsend. „Sollen wir den anderen Trailer hier wohl mitnehmen?“ fragte ich Joe. „Gerade am Wochenende weiß man das nicht so genau.“ Antwortete er. „Frag besser in der Dispatch nach.“ Ich ließ mein Handy also die gespeicherte Nummer wählen, wo sich dann Charlie meldete, der an diesem Wochenende Bereitschaft hatte. „Lass den Trailer stehen.“ Sagte er auch prompt. „Es ist heute Vormittag wichtiger, noch bestellte Ware auszuliefern, als irgendwelches Leergut durch die Gegend zu fahren. Fahr zum Zentrallager und übernimm dort einen 48 Fuß Reefer mit Frischware für einen 7Eleven in San Francisco. Der Trailer steht an Tor 11, die Papiere bekommst du am Wochenende beim diensthabenden Lagermeister.“ „Okay.“ Wir beendeten das Telefonat und ich berichtete Joe, was jetzt geplant war. „Gut.“ Sagte er. „Dann steige ich am Zentrallager aus. Ich bin sicher, du schaffst das alleine. Ich kann dir gleich noch in einem Stadtplan von San Francisco zeigen, wo der Laden ist, dann machst du das schon.“ „Das war es jetzt?“ fragte ich mit einem etwas flauen Gefühl im Magen. „Du hast es drauf. Du brauchst mich gar nicht mehr. Wenn noch mal irgendwas ist, kannst du mich auf meinem Handy erreichen.“ „Wenn du das sagst.“ Ich startete den Mack und machte mich auf den Weg zum Zentrallager.
Auf dem Weg hielt ich noch an einer Tankstelle und tankte den Truck noch mal voll. Dann trug ich das ins Logbuch ein und fuhr weiter zum Zentrallager. Joe hatte inzwischen seine Sachen zusammengepackt.
Als wir am Zentrallager ankamen, gab er mir die Hand. „Ich wünsche dir alles Gute. Wenn du so weitermachst, dann wirst du in deinem Leben noch viel erreichen. Du bist schon viel vernünftiger, als die meisten jungen Leute. Da haben ja viele noch Flausen im Kopf. Ich bin mir aber sicher, dass du deinen Weg gehen wirst.“ „Danke für alles.“ Sagte ich dann zu ihm. „Wenn du dann deinen neuen Truck gefunden hast, kannst du mir den Mack gerne wieder verkaufen.“ Sagte Joe noch. „Irgendwie hängt mein Herz doch an dem Truck.“ „Mach ich.“ „Dann sieh jetzt zu, dass du nach San Francisco kommst. Die Leute dort haben Hunger und warten auf deine Frischware.“ „Okay, Boss.“ Sagte ich und ging ins Zentrallager.
Dort holte ich meine Papiere vom Lagermeister und ging damit zurück zur Zugmaschine. Dabei sah ich noch, wie Joe mit seinem Wagen bei mir vom Platz fuhr. Nun war ich auf mich allein gestellt.
Ich stieg in den Mack und fuhr zu Tor 11. Dort stand mal wieder ein Reefer von UPS mit Walmart Werbung am Dock. Zum Glück war es diesmal ein 48 Fuß Trailer. Beim 7Eleven war es in der Regel genauso eng, wie an einem Neighborhood Market. Ich sattelte den Trailer auf und machte die PTI. Um viertel nach Neun konnte ich mich dann auf den Weg nach San Francisco machen.
Nun war ich dann das erste Mal alleine on Tour. Es war zwar erstmal ungewohnt, weil ich keinen mehr dabeihatte, der mir Tipps geben konnte und auch keinen mehr zum Quatschen hatte. Dafür müsste man dann wirklich jemanden über CB-Funk ansprechen. Der Vorteil war, ich brauchte mich niemandem mehr anpassen, was meine Zeiten oder Pausenplätze anging. So machte ich dann gegen halb Elf einfach auf einer Rest Area meine Pause und musste nicht unbedingt in einen Truckstop, so wie Joe es wohl sehr gerne machte. Ich machte mir dann einfach aus meinen Vorräten was zu essen.
Gegen viertel nach Elf machte ich mich dann wieder auf den Weg. Die Route war für mich heute ja ganz einfach. Immer der Interstate 80 in Richtung Westen folgen, dann kam man ja von ganz alleine nach San Francisco. Was ich dann vorher noch nicht hatte, war dann, dass ich für die Überquerung der Bay Bridge von Oakland nach San Francisco Maut bezahlen musste. Allerdings auch nur, bei der Einfahrt nach San Francisco. Die Gegenrichtung war Kostenfrei. Also zahlte ich meinen Obolus und konnte dann weiterfahren. Als Entschädigung für die Maut gab es dann auch einen schönen Blick auf San Francisco.

Nachdem ich die Brücke dann überquert hatte, kam ich dann direkt in die Stadt. Die war dann aber auch am Samstag rappelvoll. Die zahlreichen Ampeln trugen dann auf die eine oder andere Weise auch noch dazu bei, dass der Verkehr nicht flüssig durch die Stadt kam. Das kam aber in erster Linie dadurch, dass es manchen Leuten einfach nicht gelang, sofort loszufahren, wenn die Ampel auf Grün sprang. Manche Leute schienen dann noch zu überlegen, ob sie jetzt wirklich losfahren sollten.
Um ein Uhr am Mittag kam ich dann aber endlich bei dem 7Eleven an und meldete mich dann, wie üblich bei dem Marktleiter. Dieser reagierte aber recht schnell und wies mir meinen Rampenplatz zu. Er wollte wohl schnell den Trailer mit der Walmart Werbung aus seiner Einfahrt haben. Schließlich sollten das nicht so viele Leute mitbekommen, woher die Ware kam, die ich gerade anlieferte.
Ich hatte mal wieder das erste Tor zugewiesen bekommen. Mit dem 48 Fuß Reefer ging das dann aber recht schnell und ich stand nach knapp zehn Minuten an der Rampe. Fünf Minuten später hatte ich dann abgesattelt und konnte wieder los. Der Trailer, der hier stand war dann auch nicht für uns, sondern vermutlich für ein Zentrallager von 7Eleven.
Mich schickte Charlie dann zum Hafen von San Francisco, wo ich einen 48 Fuß Dry Van mit verpackten Lebensmitteln für das Zentrallager in Fresno übernehmen sollte. Das Ladungsgewicht lag dann auch unter 40.000 lb, so dass ich keine Probleme befürchten brauchte. Das größte Problem war dann eher der Verkehr, der in San Francisco herrschte. So brauchte ich dann mehr, als eine Stunde um von dem Supermarkt in den Hafen zu kommen. Das Ganze lag dann wieder an den gleichen Problemen, wie vorhin. Zu viele Autos auf zu wenig Straßen und Leute, die nicht reagierten, wenn sie an der Ampel losfahren sollten. Manchmal kamen dann gerade zwei Autos über die Ampel, bevor sie wieder auf Rot sprang.
Gegen halb Drei kam ich dann endlich am Hafen an, wo dann einer unserer älteren Trailer auf mich wartete. Nach dem Papierkram sattelte ich dann auf und machte die PTI. Dann trug ich das Logbuch nach und rechnete meine bereits gefahrenen Stunden zusammen. Das waren dann bereits wieder Acht Stunden und 45 Minuten. Ich durfte also maximal noch bis fünf Uhr fahren.
Zuerst ging es also wieder zurück zur Bay Bridge, über die ich dann wieder nach Oakland wollte. Aber der Weg zu Brücke dauerte eben wieder seine Zeit. Dann musste ich mich mit dem alten Mack noch den Berg hochquälen, was dem Truck dann doch einige Mühe abverlangte. Schließlich hatte ich dann aber die Brücke überquert und damit Oakland erreicht. Viel weiter kam ich dann aber nicht. Ich wechselte dann noch auf die Interstate 580, die ich aber an der nächsten Ausfahrt wieder verließ. Da sich meine Fahrzeit nun dem Ende zuneigte, nahm ich dann direkt die Rest Area, die an der Ausfahrt lag. Heute brauchte ich ja keine Rücksicht nehmen und ein Motel suchen.
Da Joe nicht mehr dabei war, stand mir nun meine erste Nacht im Truck bevor. Ich fuhr auf die Rest Area und stellte den Truck ordentlich an die Seite. So war noch genug Platz für die Kollegen, die eventuell noch kommen würden. Ein Schild wies mich dann auch gleich auf die Regelung in Kalifornien hin, dass man hier den Motor nicht länger, als fünf Minuten im Stand laufen lassen durfte. Da der Mack aber keine Klimaanlage hatte, sondern nur einen kleinen elektrischen Lüfter im Dach des Sleepers, spielte das aber auch keine Rolle.

Hoffentlich würde es sich dann am Abend recht schnell abkühlen. Ich meldete mich noch mal zu Hause und sagte, dass ich, aufgrund der Tour nach Fresno, wohl erst am Sonntagnachmittag nach Hause kommen würde. Anschließend wartete ich darauf, dass es abkühlen würde.
Sonntag, den 06. August 2017:
Ich durfte heute wieder mal gegen drei Uhr in der Frühe aufstehen. Dabei merkte ich dann, dass mir der Rücken wehtat. Ich hatte in meinem Alter mit Anfang Zwanzig eigentlich noch keine Probleme mit Rückenschmerzen, zumal ich eigentlich halbwegs sportlich war. Die Koje war in dem Mack aber dermaßen durchgelegen, dass ich das nach den paar Stunden schon merkte. Ansonsten war die Nacht recht kurz gewesen, da erst gegen Zehn, als die Kalifornische Sonne untergegangen war, an Schlafen zu denken war. Also hatte ich gerademal fünf Stunden geschlafen.
Ich erledigte meine Morgentoilette und wusch mich ein wenig in den Sanitärräumen der Rest Area. Gegen halb Vier begann ich dann aber wieder mit der PTI, soweit das hier im Halbdunkeln ging. Gegen viertel vor Vier machte ich mich dann auf den Weg nach Fresno.
Zuerst ging es über den California Highway 120 in Richtung Oakdale, also ostwärts. Dann wechselte ich auf die California 99 in Richtung Süden, wo ich dann bis Fresno draufbleiben konnte. Am Sonntagmorgen war das auch hier in den USA kein Problem. Auch hier waren die Straßen dann so gut, wie leergefegt. So kam ich gut durch und erreichte dann dreieinhalb Stunden später das Zentrallager in Fresno. Charlie hatte mir dann auch schon meinen Anschluss durchgegeben. So konnte ich jetzt beim Anmelden sofort meine Anschlussladung abfordern.
Auch hier war, wie bei uns in Sacramento, nur das Lagerpersonal im Einsatz. Die Büroangestellten hatten auch hier entweder frei, oder Bereitschaft, welche in der Regel im Home-Office gemacht wurde. Ich meldete mich beim Lagermeister an. „Guten Morgen, M.M. Trucking aus Sacramento. Ich habe eine Ladung verpackte Lebensmittel aus dem Hafen San Francisco für euch und soll eine Ladung Tiefkühlware mit nach Sacramento nehmen.“ „Zeig mal die Papiere.“ Brummte der Lagermeister. Er blätterte durch die Papiere. „Ach das Zeug aus Asien.“ Sagte er, als er die Papiere gesichtet hatte. „Dann setz deinen Trailer an Tor 23 an. Der Trailer, den du wieder mitbekommst steht dann an Tor 12.“ Er unterschrieb mir meine Papiere und gab mir die neuen Papiere, die ich dann meinerseits unterschreiben musste. „Dein Trailer ist fertig geladen. Du kannst sofort weiter.“ Sagte er dann noch zu mir. Ich verabschiedete mich und ging dann zurück zu meinem Mack.
Dann fuhr ich zu Tor 23 und sattelte den Trailer dort ab. Dabei war ich froh, dass ich nur einen 48 Fuß Trailer dahinter hatte. Das Tor 23 lag nämlich so blöd am Ende der Halle, dass ich keinen Platz mehr hatte, um meinen Lastzug vernünftig gerade zu ziehen. Es hätte aber auch nichts gebracht, andersrum um die Halle zu fahren, da Tor 24, was an der Ecke lag, belegt war. Dort stand ebenfalls ein 48 Fuß Trailer an der Rampe. Nach knapp zehn Minuten hatte ich den Trailer aber ordnungsgemäß abgesattelt und konnte zu Tor 12 fahren, wo mein Reefer stand. Dort hätte ich mehr Platz gehabt, das brachte mir aber auch nichts. Ich sattelte auf und machte dann meine PTI. Gegen viertel vor Acht konnte ich dann schon wieder in Fresno vom Hof fahren.
Ich machte mich dann auf den Weg zurück zur California 99. Dabei merkte ich dann aber, dass ich Hunger bekam. Ich fuhr dann also an der Auffahrt zum Highway vorbei und machte mal wieder an dem Truckstop halt. Dort war ich jetzt in dieser Woche schon das dritte oder vierte Mal. Das war mir jetzt selber schon etwas peinlich. Joe war hier aber auch immer sehr gerne eingekehrt.
Ich ging in den Diner vom Truckstop und bestellte mir erstmal ein einfaches Frühstück. Dazu gab es dann natürlich reichlich Kaffee. Ich hielt mich hier dann etwa eine halbe Stunde auf und machte mich dann wieder auf den Weg zurück zum Mack. Dort trug ich dann noch die Pause als Off Duty in mein Logbuch ein und machte mich dann wieder auf den Weg nach Hause.
Es ging dann zurück auf die California 99 in Richtung Norden, wo ich dann erstmal die nächste Zeit draufblieb. Ich ließ den Truck dann gemütlich mit 55 Meilen durch den Sonntagvormittag rollen, bis ich dann mal wieder Stockton erreichte. Dort war dann auch schon etwas mehr Verkehr. Es ging jetzt aber auch schon auf den Sonntagmittag zu. In Stockton wechselte ich dann wieder auf die Interstate 5, über die ich dann nach Sacramento fuhr. Dort fuhr ich dann Downtown vom Highway und machte mich dann mal wieder auf den Weg zum bekannten Neighborhood Market.
Als ich dort ankam, wurde ich dann auch mit „Du schon wieder?“ begrüßt. „Danke, ich freue mich auch schon wieder hier zu sein.“ Lachte ich. „Was hast du denn für einen Trailer dran?“ „Einen 53 Fuß Reefer.“ „Dann stell ihn mal vor das Freilager. Weil du es bist und weil Sonntag ist.“ Sagte der Marktleiter. Ich bedankte mich und machte mich an die Arbeit. Den Trailer hatte ich dann auch innerhalb von fünf Minuten dort stehen, wo er hinsollte und ich konnte absatteln.
Anschließend rief ich dann bei Charlie an. „Du hast eine gute Woche absolviert. Dann gönn dir jetzt mal ein Wochenende. Mach deine 35 Stunden Pause, dann haben wir wieder eine frische Zeit auf dem Logbuch. Melde dich dann in der Nacht zum Dienstag gegen Mitternacht bei mir. Dann geht es weiter.“ „Okay.“ Wir legten auf und ich machte mich auf den Weg zu meiner Halle.
Dann bekam ich eine Idee. Mir fiel gerade mein Kumpel Rick ein. Wir waren schon als Schulkinder zusammen unterwegs gewesen und hatten zusammen reichlich Blödsinn angestellt. Ricks Vater hatte eine LKW Werkstatt im Ort, bei der Rick inzwischen als Mechaniker arbeitete. Irgendwann sollte er die Werkstatt mal übernehmen. Ich wählte Ricks Nummer und wartete bis er sich meldete. „Wer stört?“ meldete er sich dann „Hi Rick. Marc hier.“ „Hi Marc, wie ist die Lage?“ „Ganz gut. Ich habe mich inzwischen selbstständig gemacht.“ „Ist nicht dein Ernst.“ „Das ist mein voller Ernst.“ „Und jetzt ist dir dein erster Truck unter dem Hintern zusammengebrochen. Oder warum rufst du an?“ „Das nicht. Ich hätte aber gerne, wenn du mal einen Blick auf die Maschine wirfst.“ „Dann komm vorbei. Ich bin eh gerade in der Werkstatt.“ „Okay. Bis gleich.“ Ich fuhr zu der Werkstatt, die gar nicht so weit von meiner Halle entfernt war.

Dort angekommen, fand ich Rick in der Werkstatt vor, wo er gerade an seinem Dodge Ram rumschraubte. Der Pickup war quasi sein Werkstattwagen. Wir begrüßten uns und Rick kam mit raus zu meiner Zugmaschine. „Aus welchem Museum hast du den denn geklaut?“ fragte er, als er den Mack sah. „Nicht aus einem Museum. Vom alten Joe Henderson habe ich den.“ „Ach die Kiste ist das. Der hat ja in letzter Zeit häufiger daran rumgeschraubt. Die Teile durfte ich ihm dann meistens bestellen.“ „Und was meinst du?“ „Vielleicht solltest du dir was etwas Jüngeres holen.“ „Das habe ich vor. Der war aber mit im Bestand, als ich Joes Firma übernommen habe.“ „Du hast gleich die ganze Bude gekauft.“ Sagte Rick verblüfft. „Die ganze Halle ist doch eine Ruine.“ „Das Grundstück ist aber Gold wert.“ „Das mag stimmen. Gib mir mal den Schlüssel.“ Ich gab ihm den Schlüssel und er stieg in den Mack. Dann startete er ihn und fuhr die Maschine in eine freie Halle. Als er ausstieg meinte er: „Außen hui, innen pfui, was?“ „Da ist er angeblich noch nicht zu gekommen.“ „Mit der Lenkung und der Kupplung hast du ja richtig Schwerarbeit.“ „Stimmt und das auch noch ohne Klimaanlage.“ „Hat der keine?“ „Nein.“ „Da habe ich aber eventuell was.“ Meinte Rick. Dann öffnete er die Haube und begutachtete den Motor. „Die Maschine hat der alte Henderson wohl gut überholt. Die sieht gut und dicht aus. Klingt auch ganz okay.“ Dann ging er in die Grube und schaute sich den Truck von unten an. „Technisch scheint alles Top zu sein. Aber ob das noch eine Maschine für jeden Tag ist… …das weiß ich ja auch nicht.“ „Ist ja nur für den Anfang. Vielleicht schaue ich morgen mal bei einem Händler vorbei und lasse mir ein Angebot für einen neuen Truck machen.“ „Wenn du meinst…“ meinte Rick. „Dann hast du wenigstens Garantie.“ „Eben. Kommt darauf an, was die mir für eine Finanzierung bieten.“ „Fragen kostet ja nix.“ „Das meine ich auch.“ „Ich gehe mal eben ins Lager. Vielleicht habe ich noch eine gebrauchte Klimaanlage da, die passen könnte. Wir haben da vor ein paar Monaten einen Superliner ausgeschlachtet. Die sollte vom Platz und von den Anschlüssen auch in deinen Truck passen.“ Ich wartete etwa eine Viertelstunde, dann kam Rick wieder und grinste. „Du hast Glück. Die ist noch da. Für 500 Bucks bastle ich dir die da rein.“ „Schaffst du das denn bis morgen Abend? Ich mache jetzt meine Wochenendruhe und muss dann wieder fahren.“ „Wenn du nicht zu anspruchsvoll bist, kriege ich das hin.“ „Was meinst du damit?“ „Ich kann dir da keine Original Schalter und Regler einbauen, weil ich die nicht mehr habe und auf die Schnelle auch keine bekomme. Wenn ich da improvisieren kann, kriege ich das hin.“ „500 Bucks?“ „Ohne Rechnung natürlich. Sonst wird das teurer.“ „Dann mach mal. Hauptsache der Truck brennt mir dann nicht ab.“ „Quatsch. Von der Technik passt das alles. Die sind sich ja sehr ähnlich. Der Superliner und deiner. Ich muss da nur ein, zwei Halterungen selber basteln und eben die Bedienung.“ „Dann mach mal.“ „Dann lass den Mack hier und ich bringe dich eben zu deinem Auto.“
Eine halbe Stunde später war ich dann auf dem Weg nach Hause. Dort musste ich meinen Eltern natürlich alles erzählen, wie denn meine erste Woche abgelaufen war. Schließlich erzählte ich Dad dann noch von der Klimaanlage, die mir Rick einbauen würde und von meinem Vorhaben, mir Angebote für einen neuen Truck einzuholen. „Das mit der Klimaanlage für 500 Dollar finde ich gut.“ Sagte Dad. „Bei den Angeboten solltest du aufpassen, dass man dich nicht übers Ohr hauen will. Man kann ja auch versuchen, dir einen Truck für eine Viertelmillion anzudrehen.“ „Das habe ich mit Joe schon besprochen.“ „Vom Image her sieht das für uns natürlich besser aus, wenn du mit einem neuen Truck rumfährst. Inzwischen achten hier ja auch viele auf Umweltschutz und sowas. Ich kann dir aber eine Liste mitgeben, auf der steht, wie wir unsere Zugmaschinen bestellen. Was bei uns an Extras reinkommt und was nicht. Dann hast du in etwa einen Richtwert.“ „Danke.“ Anschließend zog ich mich dann zurück. Ich wollte mich noch ein wenig von der ersten Woche erholen. Sie war dann doch erstmal recht anstrengend gewesen.
