7. Im neuen Look

Montag, den 20. September 2021, mittags, Menden:

Auch heute begann ich den Tag wieder mit Ausschlafen. Da meine Maschine erst am frühen Abend fertig sein würde, musste ich sicher die Nacht zum Tag machen.

Nachdem ich aufgestanden war, erledigte ich die komplette Morgenroutine im Bad. Danach machte ich mir ein Frühstück fertig.

Eigentlich sollte man ja nicht nebenbei essen. Okay, dann frühstückte ich eben hauptsächlich und fuhr nebenbei den Laptop hoch. Nachdem er arbeitsbereit war, suchte ich nach Arbeit für heute. Fündig wurde ich wieder mal bei Raben. Dort sollte heute Nachmittag eine Ladung Stoßdämpfer bereitstehen, die im Nachtsprung nach Kopenhagen sollte. Ursprünglicher Absender war mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein bekanntes Unternehmen aus Ennepetal, welches in diesem Segment weltweit bekannt war. Da Raben in Skandinavien keine eigenen Niederlassungen hatte, ging die Ladung zu einer Spedition, mit der Raben in Dänemark zusammenarbeitete. Dort sollten die Stoßdämpfer am Dienstag in die Verteilung gehen. Man bot den Werkstätten eine 24 Stunden Lieferung an, wenn die Ersatzteile brauchten. Für mich bedeutete das Anlieferung vor 6 Uhr in Kopenhagen. Ich nahm den Auftrag an und hoffte, dass Kemal rechtzeitig fertig wurde. Ich buchte auch direkt online ein offenes Fährticket für die Vogelfluglinie.

Am frühen Nachmittag fuhr ich nach Dortmund, damit ich zu meinem Termin mit der Baufirma rechtzeitig am Platz war. Auf dem Weg machte ich noch bei einem Discounter halt und kaufte ein paar Vorräte, die ich mit in den Renault nehmen wollte.

Pünktlich zum Termin war ich am Platz. Kurz darauf erschien auch der Mann von der Baufirma. Wir begrüßten uns und machten uns miteinander bekannt. Zuerst gingen wir gemeinsam das Grundstück ab, wobei er sich schon ein paar Notizen machte. Kommentare zum Zustand von Grundstück und Inventar sparte er sich. Vermutlich war er sowas aber auch gewohnt.

Nachdem er alles gesehen hatte, setzten wir uns auf einen Kaffee im Bürocontainer zusammen. „Fassen wir mal zusammen.“, begann er das Gespräch. „Von der lokalen Umgebung und von der Größe hat dieses Grundstück durchaus Potential.“ „Aus diesem Grund habe ich es ersteigert.“ „Es war Ihnen aber da schon klar, dass hier kein Stein auf dem anderen bleiben würde.“ „Natürlich.“ „Ich sehe in unserem Angebot, dass Sie sich für eines unserer Standardobjekte entschieden haben. Fahrzeughalle mit sechs Bahnen. Bahn zwei als Durchfahrt. Daran angebaut das kombinierte Büro- und Wohngebäude. Außerdem Wasch- und Wartungsplatz mit kleinem Lagergebäude auf der Rückseite, sowie eine Tankanlage. Im Bereich von Tankanlage und Waschplatz versiegelter Boden mit Ölabscheider.“ „Das ist korrekt.“ „Benötigen Sie in einer Fahrzeugbahn eine Reparaturgrube?“ „Das ist nicht nötig. Zum Abschmieren kann man auch ein Rollbrett nehmen. Wenn es umfangreicher wird, haben wir auch genug Werkstätten in der Umgebung.“ „Letzteres meinte ich mit der lokalen Umgebung. Drei LKW Vertragswerkstätten im unmittelbaren Umfeld. Von den freien Werkstätten rede ich gar nicht. Außerdem gute Verkehrsanbindung.“ „Das war der Grund für den Kauf.“ Er nickte. „Die Grundstücksgröße ist ausreichend. Beim Anpassen der Versorgungsanschlüsse kooperieren wir mit DEW21, DONETZ und DOKOM21.“ „Verstehe.“ „Wer kümmert sich um die Entsorgung der Altlasten?“ „Das weiß ich noch nicht.“ „Sie können sich vorstellen, dass wir nicht zum ersten Mal auf so ein Grundstück treffen. Ein leeres, ebenes Grundstück ist schon eher die Ausnahme. Wir haben auch Partner, die sich um den Abbruch und die Entsorgung der Altlasten kümmern können.“ „Das hatte ich vermutet. Wobei ich dachte, dass ich die alten Kabeltrommeln und Container noch verkaufen könnte.“ „Das denken viele. Dann müssen sie sich für die Verladung der Altlasten Fahrzeuge und Lademittel mieten und schon ist der erhoffte Profit zum Teufel.“ „Sie vergessen, dass ich aus der Logistikbranche bin. Fahrzeug hab ich selbst. Außerdem habe ich einen Kunden, der Bau- und Landmaschinen vermietet.“ „Alles schön und gut. Haben Sie auch die Zeit dafür?“ „Wie meinen Sie das?“ „Ich spreche davon, dass Fahrzeug und Fahrer in dieser Zeit kein Geld für Ihre Firma verdient. Stichwort Verdienstausfall. Ich vermute mal, dass Sie Fuhrpark und Personal eher dafür brauchen, um Ihre Kunden zu bedienen.“ „Stimmt auch wieder.“Wo wir gerade beim Thema sind. Stehen Sie uns vor Ort permanent zur Verfügung?“ „Äh…“, stammelte ich. „Danke, das reicht mir als Antwort. Das geplante Objekt wird von uns viel für kleine, aufstrebende Unternehmen Ihrer Branche gebaut. Das sind häufig Unternehmen, wo der Chef selbst auf dem Bock sitzt.“ „Ist hier auch so.“ „Bei Entscheidungen, die am Telefon geklärt werden können, erreiche ich Sie also. Was ist, wenn hier vor Ort was geklärt werden muss?“ „Da werde ich meinen Bruder mit ins Boot holen. Der ist zwar beruflich auch zum Teil unterwegs, aber immer noch häufiger in Dortmund, als ich.“ „In Ordnung. Wie verbleiben wir denn mit den Altlasten? Sollte da wirklich noch was dran verdient werden können, kann man das ja mit den Kosten verrechnen.“ „In Ordnung. Nehmen Sie Ihren Partner.“ „Soll von dem vorhandenen Inventar noch was behalten werden?“ „Das meiste, was behalten werden soll, befindet sich in diesem und dem anderen Raumcontainer. In der Halle ist vielleicht noch eine Handvoll Werkzeug. Der Rest kann weg.“ „Gut. Die Raumcontainer kann man zwischenlagern. Das Werkzeug sollten Sie dann zeitnah aus der Halle holen. Dann können wir kurzfristig anfangen.“ „Wie lange wird die Bauzeit etwa sein?“ „Das geht recht schnell. Der Neubau der Halle selbst wird kaum länger dauern, als der Abbruch und das Planieren des Grundstücks. Erst muss alles runter und die alte Halle abgerissen werden. Danach wird das Grundstück plan gemacht. Als nächstes kommen der Erdtank für die Tankanlage und die Ölabscheider rein. Danach wird das Fundament gegossen. Unterkellert wird ja nichts. Die Halle besteht aus Stahlgerüst und Fassadenprofilen, der Bürobau aus Betonfertigteilen. Die nicht tragenden Innenwände werden aus Ytong Steinen gefertigt. Während der Innenausbau des Bürogebäudes noch läuft, können Sie die Halle bereits nutzen. Ihr Hof ist ja aktuell auch nicht gepflastert. Zum Abschied wird der Hof entweder gepflastert oder betoniert. Je nachdem, wie Sie sich da entschieden haben.“ Er überlegte kurz. „Ich gehe davon aus, dass Sie vor dem Winter einziehen können.“ „Das klingt gut.“ Er holte den Vertragsentwurf aus seiner Aktentasche und vervollständigte die letzten Einzelheiten. Zum Schluss unterschrieb ich den Vertrag. „In Ordnung. Die Bestätigung schicken wir Ihnen. Begonnen wird, sobald die erste Zahlung bei uns eingegangen ist.“ „Gut. Die werde ich gleich anweisen.“ Er verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu seinem nächsten Termin.

Meine nächsten Amtshandlungen waren die Anweisung der ersten Zahlung an die Baufirma und die Fahrt zur Hauptpost in Dortmund, wo ich ein Postfach nahm. Mein Briefkasten würde in absehbarer Zeit verschwunden sein. Den nächsten gäbe es dann auch erst im neuen Gebäude.

Gegen 17 Uhr klingelte mein Telefon. „Schönen guten Tag. Eurospeed Logistics, Dortmund. Sie sprechen mit Marc Müller.“, meldete ich mich. „Hallo. Yildirim Nutzfahrzeug Service, Hatice Özkan hier. Ich wollte Bescheid sagen, dass der Magnum fertig ist.“ „Vielen Dank. Dann komme ich rüber.“ „Bis gleich.“ „Bis gleich.“

Nachdem ich aufgelegt hatte, packte ich schnell die Sachen zusammen, die ich mitnehmen wollte und räumte sie in den Audi. Einerseits wollte ich nicht alles zum LKW schleppen und andererseits wollte ich den Audi nicht auf dem Hof stehen haben, wenn die Arbeiten beginnen. Also fuhr ich die kurze Strecke zu Kemal. Dort stellte ich den A4 auf einen der PKW Parkplätze.

Eigentlich wollte ich ja zuerst ins Büro gehen. Als ich aber beim Reinfahren auf den LKW Parkplatz geschaut hatte, entschied ich mich schnell um. Ich musste mir meine Zugmaschine erstmal aus der Nähe anschauen.

Jetzt sah ich auch die Überraschungen, von denen Kemal gesprochen hatte. Die Felgen hatte ich ja erwartet. Genau wie die Lackierung und den Lampenbügel. Die Chassisverkleidung, die bei der zweiachsigen Sattelzugmaschine von Renault serienmäßig gewesen war, hatte Krysztof Iwanowski ja bei meiner Maschine demontiert, weil sie wohl kaputt war. Kemal hatte irgendwoher eine aufgetrieben und sie auch mit lackieren lassen. Außerdem hatte ich jetzt Chromleisten am Kühlergrill und der Verkleidung. Auch mit den Drucklufthörnern auf dem Dach hatte ich nicht gerechnet. „Na? Was sagst du?“, fragte Kemal auf einmal von hinten. „Jetzt kann ich mich damit auch sehen lassen.“ „Naja. Ist immer noch ein Legostein.“, sagte Kemal. „Aber der ist jetzt aufpoliert.“ „Gefällt mir sehr gut. Wo hast du denn die Seitenverkleidung her?“ „Vom Schrottplatz. Die war an ’nem Legostein mit Frontschaden.“ „Super. Ich danke dir.“ „Kein Ding. Isch bin aber seit heute Mittag am Überlegen, wo isch so ein Design schonmal gesehen habe. Wo hast du das geklaut?“ „Keine Ahnung. Kann ja sein, dass ich das schon wo gesehen habe und mir das gefallen hat. Ich weiß aber nicht wo. Renault habe ich mir früher aber auch nicht so oft angeschaut.“ „Nee. Das war nischt auf ’nem Renault. Isch komm gleisch drauf.“ „Mal eine andere Frage. Kann mein Audi bei dir auf dem Parkplatz stehen bleiben?“ „Von mir aus. Warum?“ „Bei mir gehen in den nächsten Tagen die Bauarbeiten los.“ „Na gut. Kein Problem. Der Audi geht klar. Auch mal für deine Pause der Legostein. Aber nischt ständig der ganze Sattelzug. So viel Platz hab isch auch nischt.“ „Gut. Für den Auflieger lasse ich mir was einfallen.“

Wir gingen ins Büro, wo Hatice bereits das Çaydanlık-Teegeschirr auf Kemals Tisch angerichtet hatte. „So viel Zeit habe ich eigentlich gar nicht.“, sagte ich verlegen. „So viel Zeit musst du dir nehmen, mein Freund.“, antwortete Kemal. Ich merkte schon, dass er dabei keinen Widerspruch duldete. Ich gab mich geschlagen und setzte mich. „So stark, wie letztes mal?“, fragte Kemal. Ich nickte. „Der war gut, beim letzten mal.“ Er goss den Tee auf und stellte mir das tulpenförmige Glas hin. „Es war viel Arbeit, aber wie du siehst, haben wir es hinbekommen.“ „Sehr gut.“, lobte ich. „Jetzt kann ich losfahren, ohne mir Gedanken zu machen, was als nächstes kommt. Außerdem kann ich mich so auch sehen lassen.“ „Wo du gerade vom sehen lassen sprichst. Hatice, weißt du noch, welcher LKW hier war, der so ähnlich aussah?“ Sie kam zu uns rüber. „Hmm…“, überlegte sie. „Einen Kunden mit diesem Design haben wir nicht… da war aber mal was…„Dann kann es ja nur ein Lieferant gewesen sein.“, überlegte Kemal. „Genau.“, sagte Hatice. „Der hat uns Ersatzteile gebracht.“Weißt du noch für wen?“ „Moment…“, sie runzelte die Stirn. „Für einen XF von Langenauer. Der kam von DAF… Mulder Logistik oder so ähnlich.“ „Na das passt.“, sagte ich lachend. „Soweit ich weiß kommt das ursprünglich aus einer niederländischen Version von Müller.“ „Wenn du das sagst.“, meinte Kemal. „Ich hatte aber vorher nachgeschaut. Weder das Design, noch das Firmenlogo war nach deutschem Recht Markengeschützt. Also darf der LKW so aussehen.“

Nachdem ich in Ruhe den Tee getrunken hatte, bekam ich die Rechnung von Hatice. Kemal begleitete mich noch zum Magnum. Ich holte noch schnell meine Sachen aus dem Audi und verstaute sie im Renault. Danach machte ich mich auf den Weg zu Raben.

Dazu fuhr ich auf die B236, die ich Dortmund Nordost gegen die A2 in Richtung Hannover tauschte. An der Ausfahrt Kamen / Bergkamen fuhr ich ab und von dort aus über die Landstraße zum Gewerbegebiet Hemsack.

Als ich bei Raben angekommen war, meldete ich mich bei Jürgen im Büro. „Tach auch.“, sagte ich zur Begrüßung. „Ah, die Air France ist gelandet.“, sagte Jürgen grinsend. „Haben wir nicht. Kriegen wir auch nicht mehr rein.“, antwortete ich ebenfalls grinsend. „Das Thema hat sich erledigt.“ „Du willst die Stoßdämpfer für Kopenhagen laden. Richtig?“ „Aber sowas von richtig.“ „Gut. Hier sind die Ladepapiere. Melde dich damit beim Lagermeister. Die Lieferpapiere bringe ich dir gleich raus. Ich muss ja gucken, wie deine Karre jetzt aussieht.“ Er drückte mir die Ladeliste in die Hand und wandte sich wieder seinem PC zu.

Ich hingegen, ging nach draußen ins Lager. Dort ließ ich mir vom Meister ein Tor zuweisen, an dem ich andocken durfte. Das tat ich im Anschluss. Dann ging ich zurück ins Lager. Ein Lagerist holte mir die Paletten mit dem Stapler vor und ich setzte sie mit der Ameise in den Auflieger. Eine gute halbe Stunde später war der Trailer beladen und ich konnte mich auf den Weg machen.

Als ich gerade wieder ins Büro wollte, um die Lieferpapiere zu holen, kamen mir Jürgen und Daniel entgegen. „Dann lass uns mal gucken.“, meinte Jürgen zu mir. Wir gingen nach draußen und die beiden begutachteten den Lastzug. „Es ist und bleibt zwar ein Renault, aber mit der Optik kann ich so leben.“, sagte Daniel. „Sieht doch gut aus.“, war Jürgens knapper Kommentar. Er gab mir die Papiere und ich unterschrieb ihm sein Exemplar. „Bleibt der Auflieger denn so?“, fragte Daniel. „Solange die Plane in Ordnung ist, sehe ich keinen Grund, da was zu ändern. Die Werbung für den Hersteller kann ruhig dranbleiben.“ „Dann wünsche ich dir allzeit gute Fahrt.“, sagte Daniel. Wir verabschiedeten uns und ich setzte den Magnum vom Tor ab. Nachdem ich die Türen am Trailer geschlossen hatte, machte ich mich auf den Weg nach Dänemark.

Ich war noch auf der Fahrt durch Kamen zur A1, als sich das Navi meldete: „Auf Ihrer Route befinden sich Verkehrsbehinderungen. Verzögerung 30 Minuten.“ „Die Woche geht ja gut los.“, schimpfte ich. Danach wählte ich die alternative Route aus. Ich durfte zwar noch auf die A1 in Richtung Bremen auffahren, am Kamener Kreuz folgte aber prompt der Wechsel auf die A2 in Richtung Hannover. Also doch wieder die Warschauer Alle, dachte ich. Auf dieser war zwar der am Nachmittag übliche, dichte Verkehr, aber man konnte immerhin fahren. Die meiste Zeit davon sogar mit Tempomat 86. Irgendwann war das für mich gar nicht mehr die alternative Route, einfach meine Route nach Dänemark.

Bis zum Dreieck Hannover West blieb ich auf der A2. Dort wechselte ich auf die A352, die Eckverbindung Hannover. Auf der fuhr ich bis zum Dreieck Hannover Nord. Ab hier ging es über die A7 in Richtung Hamburg weiter. Da ich später auf der Fähre sowieso 45 Minuten auf der Stelle stehen würde, war ich mit der kurzen Pause vorher etwas flexibler als sonst. Daher entschloss ich mich am Hoyer Autohof Soltauer Heide für meine Pause anzuhalten. Ich verließ also an der Ausfahrt Soltau Ost die A7. Auf dem Autohof fuhr ich zuerst an die Tanksäule. Das letzte Mal hatte ich vergangene Woche in Wasserbillig getankt. Die Tanks waren zwar noch nicht ganz leer, bevor ich aber in die Verlegenheit kam, in Dänemark tanken zu müssen, füllte ich sie lieber hier.

Nachdem die Tanks gefüllt waren, ging ich zum Abendessen in den Autohof. Dort nahm ich das hausgemachte Sauerfleisch. Das war mal was anderes. Schnitzel und Steak bekam man überall. Genau wie Currywurst, Pizza oder Nudeln.

Gut gesättigt ging ich nach dem Essen zurück zum LKW und setzte dann meine Fahrt nach Dänemark fort.

Ich fuhr zurück zur A7 und wieder in Richtung Hamburg auf die Autobahn. Nachdem ich wieder auf 86 beschleunigt hatte, legte ich wieder den Tempomat ein. Über Horster Dreieck und Maschener Kreuz wechselte ich nun auf die A1 in Richtung Lübeck. Dabei passierte ich nun den Südosten von Hamburg. Normal wäre jetzt erst meine Pause fällig gewesen. Durch die vorgezogene Pause konnte ich jetzt aber durchfahren. Ich passierte Lübeck und hielt mich nun weiter auf der A1 in Richtung Puttgarden. Am Ende der A1 wurde diese zur B207, die über die Fehmarnsundbrücke auf die Insel Fehmarn führte. Der Weg führte gerade über die Insel zum Fährhafen von Puttgarden. Dadurch, dass ich das Ticket bereits gebucht hatte, musste ich es nicht mehr kaufen, sondern nur noch einchecken. Die nächste Fähre sollte um 2:15 fahren. Auf dieser kam ich auch mit. So fuhr ich das erste Mal mit dem Magnum auf die Fähre.

Die kurze Überfahrt verbrachte ich im Bordrestaurant der Fähre. Ich war zwar noch satt vom Sauerfleisch und wollte nichts essen, Kaffee ging aber immer. An sich wollte ich auf der Überfahrt in meinen Netzwerken nach einer Rückladung suchen. Leider bot Scandlines auf der kurzen Fährroute kein WLAN an, sondern nur auf der Fahrt von Rostock nach Gedser. So nutzte ich, nachdem ich den Kaffee ausgetrunken hatte, noch die Toilette und stöberte noch ein wenig im Bordshop. Um drei Uhr war die Fähre aber in Rødbyhavn, von wo aus es auf der Straße weiter ging.

Ich verließ die Fähre. Nach dem Verlassen des Hafengeländes kam ich automatisch auf die E47, über die ich meine Fahrt nach Kopenhagen fortsetzte. Ich überquerte die Inseln Lolland und Falster, streifte einen Zipfel von Møn, danach erreichte ich Sjælland, zu deutsch Seeland, die Insel, auf der sich die dänische Hauptstadt København befand. Wortwörtlich übersetzt wäre der Name übrigens Kaufmannshafen. Ab Køge führten die E47, E55 und E20 auf einer gemeinsamen Trasse auf Kopenhagen zu. An dem immer noch sehr frühen Morgen war wenig Verkehr und ich kam gut durch. Bei Ishøj wechselte ich auf den O4, den äußeren Ring um Kopenhagen.

An der Ausfahrt 5, Roskildevej verließ ich die Autobahn. Hier ging es erstmal noch Stadteinwärts weiter. Irgendwann ging es an einer Ampel links auf den Nordre Ringvej, die O3 ab. Nun kam ich in das Industriegebiet Glostrup, in dem sich auch die Spedition befand, bei der ich anliefern sollte.

Dort angekommen, meldete ich mich an. Man erwartete mich, da die Stoßdämpfer noch in die Verteilung sollten. Also bekam ich direkt einen Rampenplatz zugewiesen. In Dänemark war die Verständigung auch kein Problem. Im Gegensatz zu den Frankophonen Ländern war man hier wesentlich offener. Viele sprachen deutsch. Sollte man damit nicht weiterkommen, wurde aber auf jeden Fall englisch verstanden. Ich mochte die herzliche, offene Art der Skandinavier, weshalb ich immer schon gerne in die nördlichen Nachbarländer gefahren war.

Nach einer dreiviertel Stunde war der Auflieger entladen und ich bekam meine Abliefernachweise. Da Fahrzeit und Rückladung beide Mangelware waren, entschloss ich mich dazu, mir einen Parkplatz für meinen Feierabend zu suchen. Diesen fand ich zwar nicht in diesem Industriegebiet, aber wenige Kilometer nördlich, in Ejby, einem weiteren Ortsteil von Glostrup war ein Gewerbegebiet, wo ich einen Platz für den Sattelzug fand. Mit „Ende Land: DK“, im Fahrtenschreiber beendete ich den Arbeitstag. Inzwischen war ich nach dem langen Tag auch todmüde. Ich zog mich nur noch aus und kletterte in die Koje. Kurz darauf war ich bereits eingeschlafen.

Dienstag, den 21. September 2021, 17:30, Glostrup (DK):

Ich hatte gut und lange geschlafen. Es war schon drei Uhr durch, als ich wieder aufgewacht war. Nun hatte ich wieder das übliche Problem, wenn man nicht gerade auf einem Rasthof stand. Es gab keine Sanitäranlagen. Ich suchte mir eine sichtgeschützte Ecke, in der ich mal die örtliche Botanik wässerte. Die Zahnpflege und die anschließende Katzenwäsche erfolgte mit Wasser aus meinem Kanister. Weiteres Wasser aus dem Kanister nutzte ich dazu, meine Kaffeemaschine in Betrieb zu setzen. Außerdem fuhr ich meinen Laptop hoch, um mir eine Ladung zu suchen.

Fündig wurde ich im Netzwerk der Raben Group. Bei DFDS in Høje Taastrup lag eine Ladung Saftkonzentrat, die zu Raben, Osnabrück sollte. Diese Ladung sicherte ich mir. Anschließend buchte ich mir ein offenes Ticket für die Vogelfluglinie. Da der Laptop einmal online war, nutzte ich ihn, während der restlichen Pause, um noch ein wenig YouTube zu schauen.

Gegen halb Sechs hatte ich meine elf Stunden voll. Ich startete den Magnum und erledigte meine Abfahrtskontrolle. Nachdem diese erledigt war, machte ich mich auf den kurzen Weg nach Taastrup. Ich fuhr zum Nordre Ringvej zurück und hielt mich dort in Richtung Süden. Es ging wieder bis nach Glostrup hinein, wo ich schließlich rechts in den Hovedvejen abbog. Dieser wurde etwas später zum Roskildevej. In Høje Taastrup ging es rechts ab in den Hørskætten. Zuerst dachte ich, dass ich falsch wäre, da die Straße durch ein Wohngebiet mit typischen Vorstadthäusern führte. Ich war aber richtig. Nach einer Linkskurve war ich auf einmal im Gewerbegebiet. Linkerhand lag nun auch die Niederlassung der DFDS. An der Einfahrt gab es einen Bürocontainer, in dem ich mich anmeldete. Meine Ladung stand bereit und ich konnte sofort andocken. Kurz vor 19 Uhr hatte ich alles geladen und konnte nun losfahren.

Auch jetzt führte mich mein Weg zurück wieder durch das Wohngebiet. Ich bog wieder links auf den Roskildevej und kurz danach rechts auf die O4. Ab jetzt nahm ich die E47 in Richtung Rødby.

Auch heute führte mein Weg über die Inseln Sjælland, Møn, Falster und Lolland. Meine Fahrt lief gut und problemlos. So erreichte bereits gegen 20 Uhr den Fährhafen. Da nicht mehr allzu viel los war, kam ich mit der Fähre mit, die um 20:15 ablegte.

Die Überfahrt nutzte ich heute zum Abendessen. Da es schon dunkel war, konnte man sowieso nicht mehr viel sehen. Auch die Toilette an Bord nutzte ich noch. Pünktlich um 21 Uhr legte die Fähre in Puttgarden an.

Der Tacho zeigte genau die 45 Minuten Pause an, die ich brauchte, als ich mich wieder in Bewegung setzen konnte. Also los.

Auf der B207 überquerte ich Fehmarn und anschließend die Fehmarnsundbrücke, die mich auf das deutsche Festland brachte. Bis Heiligenhafen hieß die Route noch B207, danach wurde sie zur A1. Ich passierte Lübeck und kam schließlich nach Hamburg. Auf den Autobahnen rund um die Hansestadt war nicht mehr viel los. So kam ich schnell nach Niedersachsen. Am Horster Dreieck nahm ich weiter die A1 in Richtung Bremen. Die weitere Fahrt durch die Nacht lief auch erstmal ohne Probleme weiter. Trotzdem war ich mir nicht sicher, ob ich es in viereinhalb Stunden bis nach Osnabrück zu meinem Ziel schaffen würde. Deshalb fuhr ich auf den Autobahnparkplatz Ahrensfeld, in der Nähe von Bramsche und machte dort noch eine kurze Pause. Da ich mich immer noch nicht so richtig wieder an die Nachtfahrten gewöhnt hatte, machten mich diese ziemlich müde. Ich nutzte die Pause also dafür, mich noch ein Stündchen hinzulegen.

Nach der Pause machte ich mich auf meinen Endspurt nach Osnabrück. Die A1 nahm ich noch bis Osnabrück Nord. Von dort fuhr ich über die B68 in die Stadt.

Bei Raben wurde ich schon erwartet. Der Mann im Büro stellte mir dann die Frage, mit der ich eigentlich hätte rechnen müssen: „Kriegst du auch wieder was mit?“ „Tja… ich… äh… weiß nicht.“ „Hat dir dein Disponent keinen Anschluss verordnet?“ „Ich habe völlig vergessen mich darum zu kümmern. Einen Disponenten habe ich nicht. Ist momentan eine Ein Mann Firma.“ „Da hätte ich bei dem Namen Eurospeed Logistics nicht mit gerechnet.“ „Ich hab ja auch gerade erst angefangen.“ „Willst du denn von hier was haben?“ „Warum nicht. Was anderes müsste ich mir ja auch erst suchen.“ „Dann schaue ich mal, was wir noch nicht vergeben haben. Muss das denn in Richtung Ruhrgebiet gehen?“ „Nee. Ist ja gerade erst Mittwochmorgen.“ „Dann habe ich hier was. 15 Tonnen Sammelgut nach Malmö.“ „Wann muss das in Malmö sein?“ „Bis morgen früh. So, dass die Schweden das morgen noch in die Verteilung bekommen.“ „Überredet.“Okay. Dann fahr an Tor 5. Abladen und direkt wieder laden.“ „Mache ich.“

Zurück am Magnum machte ich, was man mir gesagt hatte. Ich setzte den Lastzug an Tor 5 an. Danach ging ich in die Halle und meldete sich beim Lagermeister. Damit alles zügig von Statten ging, bewaffnete ich mich mit einer Ameise und half mit. Ich zog die Paletten vom Auflieger runter und die Lagerleute fuhren sie auf die Hallenplätze für die Zustellung. Als der Auflieger entladen war, ging das Ganze umgekehrt weiter. Man brachte mir mit dem Stapler das Sammelgut für Malmö und ich fuhr die Ladung in den Auflieger. Kurz nach halb Sechs war alles aufgeladen und ich ging ins Büro und erledigte noch schnell den Papierkrieg. Gegen viertel vor Sechs setzte ich von der Rampe ab und schloss die Türen des Aufliegers. Danach machte ich mich wieder auf den Weg nach Norden.

Ich fuhr zurück auf die B68, über die ich zur A1 fuhr. Zwei Stunden Fahrzeit hätte ich noch, bis ich die neun Stunden Fahrzeit voll hatte. Allerdings hätte ich dann keine 11 Stunden Pause innerhalb von 24 Stunden. Die Ladezeiten und die Zeit auf der Fähre standen dem entgegen. Dann bin ich eben nur halb legal, dachte ich. An der Anschlussstelle Osnabrück Nord fuhr ich auf die A1 in Richtung Bremen. Nun beschleunigte ich wieder auf 86 und legte den Tempomat ein. Laut meinen Papieren hatte ich gerade mal 15 Tonnen geladen. Entsprechend gut lief der Renault. Der Verkehr lief auch recht gut. Dann werde ich mal schauen, wie weit ich komme, dachte ich.

Es lief so gut an diesem Mittwochmorgen, dass ich tatsächlich bis zum Autohof Sittensen kam. Hier machte ich kurz vor Acht Feierabend. Da ich seit der Fährüberfahrt am Abend nichts mehr gegessen hatte, ging ich noch zum Duschen und Essen in den Autohof. Um diese Zeit gab es natürlich eher die Frühstücksangebote, als Abendessen. Da konnte ich aber auch mit leben. Dann hatte ich eben Brötchen und Aufschnitt zum Abendbrot.

Zurück im Magnum fuhr ich nochmal den Laptop hoch. Ich buchte mir ein weiteres Ticket für die Vogelfluglinie und schaute schon mal nach einer Anschlussladung ab Malmö. Ich sollte dort bei DFDS mein Sammelgut entladen und genau dort gab es auch wieder eine Ladung für Raben Deutschland. Allerdings für die Niederlassung in Dresden. Das war mir aber erstmal egal. Bis zum Wochenende konnte ich es ja immer noch bis nach Hause schaffen. Ich nahm die Ladung direkt an. Anschließend ging ich nochmal auf das Buchungsportal für die Fähren. Am Donnerstagmorgen gab es zwei Fährüberfahrten von Gedser nach Rostock. Eine um zwei Uhr und eine um Neun Uhr. Die Alternative dazu war die nur unwesentlich teurere Fähre von Trelleborg nach Rostock. Wenn ich die Mautkosten für die Öresundbrücke abzog, war das sogar die günstigere Alternative. Diese fuhr um 7:30 Uhr ab Trelleborg. Ich entschied mich schließlich für diese Route und buchte direkt die Überfahrt mit Stena. Danach fuhr ich zufrieden den Laptop runter und legte mich anschließend in die Koje.

Mittwoch, den 22. September 2021, 17:00, Sittensen (D):

Zum Glück hatte ich weiter hinten geparkt. Das war das erste, was mir durch den Kopf ging, als um 17 Uhr mein Wecker klingelte. Ich hatte relativ gut geschlafen. Außer in den Momenten, wo LKW direkt vor oder neben mir rangierten. Das waren aber nicht so viele, als wenn man direkt vorne in der Nähe von Restaurant und Tankstelle gestanden hätte.

Mein Handy hatte mich aber nicht nur geweckt, sondern mir noch eine Info aus meinem Kalender angezeigt. Mein Schulfreund und Steuerberater Matthias hatte heute seinen 51. Geburtstag. Also schickte ich ihm ein paar Glückwünsche per SMS. Als nächstes setzte ich meine Kaffeemaschine in Gang. Danach zog ich mich an und ging zum Duschen in den Autohof.

Um 18 Uhr hatte ich meine elf Stunden Pause voll. Also begann ich mit der Abfahrtskontrolle. Danach machte ich mich auf den Weg nach Malmö. Ich fuhr zurück auf die A1 in Richtung Hamburg und beschleunigte den Magnum auf 86. Dann legte ich wieder den Tempomat ein. Es war an diesem frühen Abend aber kaum möglich ruhig im Tempomat dahin zu rollen. Der immer noch anhaltende Feierabendverkehr verhinderte das. Dazu kam natürlich das Überholverbot, welches die variablen Verkehrsschilder mal wieder für LKW anzeigen. So brauchte ich auch eine knappe Stunde, bis ich Hamburg erreicht hatte. Hier hielt ich mich weiter auf der A1. Jetzt eben in Richtung Lübeck. Es staute sich stadtauswärts. Etwas später sah ich auch die Ursache für den Stau. Es hatte sich mal wieder ein schwerer Unfall ereignet.

Hinter der Unfallstelle lief es wieder flüssig und ich erreichte schnell Lübeck. Am Dreieck Bad Schwartau blieb ich weiter auf der A1 und folgte der Beschilderung in Richtung Puttgarden. 61 Kilometer weiter hatte ich Heiligenhafen erreicht, von wo es über die B207 weiter ging. Über die Fehmarnsundbrücke ging es nach Fehmarn und anschließend quer über die Insel nach Puttgarden. Gegen 21:10 Uhr hatte ich den Fährhafen erreicht. Das Boarding für die Fähre, die um 21:15 ablegte, war abgeschlossen. Also musste ich auf die nächste Fähre warten. Diese fuhr ja glücklicherweise bereits eine halbe Stunde später.

Die Fähre lege ab und verschwand in der Dunkelheit. Danach dauerte es nicht mehr lange, bis die nächste Fähre im Hafen erschien und anlegte. Nachdem die Fahrzeuge, die aus Dänemark gekommen waren, die Fähre verlassen hatten, kamen die Einweiser und lotsten die anderen wartenden LKW und mich auf das Fahrzeugdeck für LKW und Busse. Die PKW fuhren auf das Deck, was darüber lag. Ich rangierte den Magnum auf seine Parkposition und stellte ihn ab. Danach ging ich nach oben.

Die Überfahrt verbrachte ich auch heute Abend wieder im Bordrestaurant. Die 45 Minuten Überfahrt reichten immer ziemlich genau, um in Ruhe was zu essen. Als die Fähre um 22:30 in Rødby anlegte, war ich gut gesättigt und hatte meine kurze Pause auf der Karte. Mit den anderen LKW Fahrern an Bord ging es wieder auf das LKW Deck, wo wir alle unsere Fahrerhäuser enterten. Fähreneinstellung aus, Beginn Land DK. Langsam rollten wir von der Fähre auf den Boden der dänischen Insel Lolland.

Aus dem Fährhafen ging es direkt auf die E47. Ich folgte dem Sydmotorvejen über Lolland, durch den Tunnel nach Falster, über die Farø Broerne nach Møn, und weiter nach Sjælland. Bei Kopenhagen hielt ich mich heute auf der E20 nach Malmö. Bisher hatte ich ja die gleiche Strecke, wie gestern gehabt. Nun betrat ich Neuland. Es stand die Öresundquerung auf dem Programm. Erst ging es beim Flughafen Kastrup unter die Erde, bis die künstlich geschaffene Insel Peberholm erreicht war. Ab dort ging es über die Öresundbrücke nach Schweden. Trotz der, am vergangenen Wochenende ebenfalls eingebauten DKV-Box Europe musste ich hier anhalten. Es gab hierfür eine weitere DKV Box. Diese war nicht so umfangreich, wie die Eingebaute. Vielleicht konnte man diese Funktionen integrieren. Da musste ich mich mal schlau machen. Heute zahlte ich die Maut klassisch mit der DKV Karte am Mauthäuschen. Danach setzte ich meine Fahrt fort.

Am Trafikplats Petersborg wechselte ich nun auf den Trelleborgsvägen in Richtung Malmö C. Diesen fuhr ich bis zum Kreisverkehr am Ende. Hier fuhr ich in das Gewerbegebiet, welches links lag. Kurz darauf lag rechterhand die DFDS Niederlassung, an welcher ich abladen und wieder laden sollte. Ich lenkte den Sattelzug auf den Hof und meldete mich danach am Bürocontainer an, der direkt am Tor stand. Netterweise hatte Raben mich angemeldet, so dass der Security-Mann in dem Büro Bescheid wusste. Er wies mir ein Tor auf der Rückseite der Halle zu. Nun stand wieder Abladen und Laden auf der Agenda. Bei den skandinavischen Sprachen hatte ich immer das Problem, dass ich mir, wenn ich es las, viel zusammenreimen konnte. Verstehen tat ich aber kein Wort. Mit Deutsch und Englisch kam man aber gut weiter. So war es auch heute. Die Schweden im Lager konnten alle Englisch. So funktionierte die Verständigung einwandfrei. Etwa eineinhalb Stunden nach meiner Ankunft war der Lastzug mit dem Sammelgut für Dresden beladen und ich konnte wieder losfahren. Die Uhr zeigte inzwischen 2:45 an.

Ich ging zurück zum Magnum. Weit hatte ich nicht mehr zu fahren. Allerdings würde es eine unruhige Pause werden. Nachdem ich den DXi 13 wieder zum Leben erweckt hatte, setzte ich von der Rampe ab und schloss die Türen des Aufliegers. Anschließend fuhr ich langsam über den Hof zum Bürocontainer, wo jetzt meine Papiere auf mich warteten. Ich bekam meine Quittung für die Anlieferung des Sammelguts aus Osnabrück und unterschrieb meinerseits die Übernahmequittung für das Sammelgut nach Dresden. Danach ging ich zurück zum Magnum und fuhr nach Trelleborg.

Dazu fuhr ich zurück zum Trelleborgsvägen, über den ich Malmö wieder verließ. Am Trafikplats Petersborg fuhr ich jetzt nicht zur Öresundbrücke zurück, sondern geradeaus weiter. Ich folgte also der E6 und E22. In Trelleborg verließ ich den Kreisverkehr und bog in die Travemündeallén. Danach bog ich nochmal rechts in die Strandridaregatan. Über die Norra Nyhamnsgatan ging es zum Stena Line Terminalen. Um halb Vier stand ich jetzt hier. Die Fähre würde erst in drei Stunden ablegen. Das Ticket hatte ich ja bereits online über Freightlink.de gebucht, also hatte ich jetzt Zeit. Die nutzte ich dazu, in der Koje noch etwas Augenpflege zu betreiben.

Gegen sieben Uhr klopfte der Einweiser. Ich konnte an Bord fahren. Dazu stellte ich den Tacho wieder auf die Fähreneinstellung, um die Pause nicht zu unterbrechen. Da ich noch müde war, holte ich mir anschließend sofort den Kabinenschlüssel und legte mich in der Kabine direkt wieder hin. Dabei hatte ich auch Glück. Die Fähre war nicht voll ausgelastet. Außerdem waren einige Trailer ohne ziehende Einheit an Bord. So brauchte ich meine Kabine nicht mit jemand fremdes teilen.

Die Überfahrt über die Ostsee war erwartungsgemäß ruhig. Entsprechend gut hatte ich nochmal geschlafen. Gegen elf Uhr wachte ich dann auf und machte mich fertig. Anschließend ging ich zum Essen ins Bordrestaurant. Danach nutzte ich das WLAN an Bord, um nach einer Anschlussladung zu schauen. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es aber noch keine Ladung für mich aus Sachsen zurück ins Ruhrgebiet. Ich vertagte meine Suche auf die kurze Pause auf der Fahrt von Rostock nach Dresden. Pünktlich um 13:30 legte die Fähre in Rostock an. Meine neun Stunden Pause hatte ich auch auf der Karte, also konnte ich mich direkt auf den Weg nach Dresden machen.

Vom Fährhafen ging es zuerst über die Straße Am Warnowkai. Anschließend fuhr ich über die Ost-West-Straße zur Straße Am Seehafen. Diese brachte mich zur A19, auf die ich in Richtung Berlin auffuhr. Ich beschleunigte wieder auf meine Standardgeschwindigkeit 86 und legte den Tempomat ein. Nach eineinhalb Stunden erreichte ich das Dreieck Wittstock / Dosse, wo die Autobahn für mich zur A24 wurde. Eine weitere dreiviertel Stunde später erreichte ich am Dreieck Havelland den Berliner Ring. Hier hielt ich mich auf der nördlichen Route. Am Kreuz Oranienburg wechselte ich, zehn Minuten später, auf die A111 in Richtung Berlin Zentrum. Glücklicherweise lief es, trotz der Uhrzeit recht gut. Es ging am Flughafen Berlin Tegel in Richtung Charlottenburg vorbei. Am Dreieck Charlottenburg ging es über die A100 weiter bis nach Berlin Neukölln. Nun ging es auf die A113. Ab jetzt stand auch schon Dresden auf den Schildern. Ab dem Schönefelder Kreuz ging mein Weg nach Dresden über die A13 weiter. Am Dreieck Spreewald hielt ich mich weiter auf der A13 in Richtung Dresden. Nun ging es durch die Lausitz. Langsam wurde es Zeit für die kurze Pause. Diese machte ich auf der Raststätte Freienhfener Eck.

Da ich am Mittag auf der Fähre bereits gut gegessen hatte, machte ich mir jetzt am Abend nur ein paar Brote. Während ich aß, suchte ich mit meinem Laptop nach einer Anschlussladung in Richtung Ruhrgebiet. Auch diese fand ich schließlich im Raben Netzwerk. Am Lidl Zentrallager in Radeburg sollte eine Ladung reklamierte Ware stehen, die zu Raben in Kamen sollte. Der Preis war zwar nicht berauschend, Reklamationen wurden genauso schlecht bezahlt, wie Leerpaletten oder Altverpackungen, sonst gab es aber nichts, was in Richtung Heimat ging. Ich nahm die Ladung an und setzte anschließend meine Pause fort. Gegen 19 Uhr machte ich mich dann wieder auf den Weg.

Es ging wieder zurück auf die A13 in Richtung Dresden. Bei Radeburg musste ich nun erstmal am Lager vorbeifahren. Schließlich hatte ich ja noch Ladung im Auflieger. Gegen viertel vor Acht wechselte ich am Dreieck Dresden Nord auf die A4 in Richtung Chemnitz. An der Ausfahrt Dresden Flughafen wechselte ich auf die B97. Am Flughafen vorbei folgte ich der Bundesstraße weiter in Richtung Innenstadt. Kurz darauf erreichte ich die Raben Niederlassung, die im Gewerbegebiet an der Nordhöhe war. Hier konnte ich sofort an die Rampe setzen und den Auflieger entladen. Um viertel vor Neun am Abend war der Trailer leer und ich konnte mich auf den Weg nach Radeburg machen.

Dazu fuhr ich zurück auf die B97, die ich wieder in Richtung Flughafen nahm. Dort fuhr ich wieder auf die A4 in Richtung Görlitz / Berlin. Am Dreieck Dresden Nord fuhr ich wieder auf die A13 in Richtung Berlin. Kurz darauf verließ ich an der Ausfahrt Radeburg die Autobahn und nahm die Radeberger Str. Es ging auf die S177, die parallel zur Autobahn in das Gewerbegebiet führte, in dem das Lidl Lager war. Hätte ich anliefern wollen, hätte ich mich bis zum nächsten Morgen um sechs Uhr an die Seite stellen können. So hatte man einen Ladetermin für diesen Abend gemacht. Da ich angemeldet war, durfte ich direkt andocken. Die reklamierte Ware stand gegenüber dem Tor für mich bereit. Im Austausch zu meinem LKW Schlüssel bekam ich einen Schlüssel für die Ameise, mit der ich nun aufladen durfte. Währenddessen machte man mir die Papiere fertig. Nachdem ich alles geladen hatte, tauschte ich die Schlüssel wieder aus. Außerdem bekam ich meine Papiere. Da ich noch gute zwei Stunden Fahrzeit hatte, machte ich mich im Anschluss noch auf den Weg.

Ich fuhr zurück zur A13, auf die ich nun wieder in Richtung Dresden auffuhr. Als ich nun das dritte Mal an diesem Abend am Dreieck Dresden Nord ankam, nahm ich wieder die A4 in Richtung Chemnitz. Der Verkehrsfunk meldete eine Vollsperrung wegen Unfall auf der A14. Aus diesem Grund blieb ich am Dreieck Nossen auf der A4. Die nächsten Raststätten fuhr ich nun auf der Suche nach einem Parkplatz ab. Ich wollte am nächsten Morgen duschen. Daher nahm ich Raststätten und keine keine einfachen Parkplätze. Ich hatte Glück und bekam auf dem Rasthof Altenburger Land noch einen Parkplatz. Hier machte ich nun Feierabend. Da ich inzwischen ziemlich müde war, legte ich mich sofort in die Koje.

Freitag, den 24. September 2021, 12:00, Raststätte Altenburger Land:

Nach einer ruhigen und erholsamen Nachtruhe stand ich auf. Durch die Nacht davor, in der ich ja zwischen drin auf die Fähre fahren musste, hatte ich auch ein wenig Nachholbedarf gehabt. Am Mittag stand ich nun auf. Danach setzte ich meine Kaffeemaschine in Gang. Während der Kaffee durchlief ging ich in die Raststätte zum Duschen. Gegen 13 Uhr hatte ich die 11 Stunden Pause voll und konnte mich auf den Weg nach Kamen machen.

Mit der obligatorischen Abfahrtskontrolle startete ich den letzten Arbeitstag der Woche. Alles war in Ordnung. Ich kletterte wieder in den Magnum und fuhr dann los. Es ging zurück auf die A4 in Richtung Frankfurt / Erfurt. Dort beschleunigte ich den Franzosen wieder auf 86 und legte den Tempomat ein. Mangels besserer Alternativen hatte ich im Radio Antenne Thüringen laufen. So rollte ich auf der A4 dahin. Mit dem hügeligen Streckenprofil hatte der Renault, der ja gerade mal 440 PS hatte, gut zu tun. Ich hatte gut 20 Tonnen Ladung im Trailer, da musste die Automatik doch an der einen oder anderen Steigung zurückschalten. Das tat sie übrigens auch im Gefälle, um der Motorbremse mehr Power zu geben. Ich sollte wirklich darauf achten, den nächsten LKW mit Retarder zu kaufen.

Die Zeit lief dahin. Gera und das Hermsdorfer Kreuz hatte ich schnell passiert. Es folgten Jena, Weimar, Erfurt und Gotha. Hinter Eisenach hatte ich die ehemalige Grenze passiert. Nun war ich in Hessen. Der Radiosender wechselte auf FFH. Nun folgte das schmalere und kurvenreiche Stück der A4 bis zum Kirchheimer Dreieck. Hier wechselte ich auf die A7 in Richtung Kassel. Nun bekam der Magnum richtig Arbeit. Die Berge mit teilweise bis acht Prozent Steigung zwangen den Franzosen, bis auf Geschwindigkeiten um die 30 Km/h runter. Die genauso steilen Gefälle forderten im Gegenzug häufiges Beibremsen von mir. Aus Erfahrung wusste ich, dass ein Retarder den Zug hier mit Tempomat 86 auch in den Gefällen unter 90 Km/h hielt. Aber wie hieß das: Augen auf beim Autokauf. Das galt natürlich auch bei großen Autos, die Lasten beförderten.

So brauchte ich für die 52 Kilometer vom Kirchheimer Dreieck bis zum Dreieck Kassel Süd auch eine geschlagene Stunde. Dort wechselte ich auf die A44 in Richtung Dortmund.

Bis zu meiner Pause hatte ich hier auch noch eine hügelige Strecke. Die kurze Pause machte ich auf dem Parkplatz Sintfeld, kurz nach der Ausfahrt Lichtenau. Hier legte ich mich auch noch mal ein Stündchen aufs Ohr. Einen Anschluss wollte ich für diese Woche gar nicht mehr haben, also brauchte ich auch nicht danach suchen.

Nach der Pause stand nun der Endspurt für diese Woche auf dem Plan. Dazu fuhr ich zurück auf die A44 in Richtung Dortmund. Tempomat wieder auf 86 und rollen lassen. Das konnte ich jetzt wörtlich nehmen. Die weitere Route bis zum Kreuz Dortmund / Unna ging fast schnurgerade und überwiegend mit einem ganz leichten Gefälle. Schließlich erreichte ich das Kreuz Dortmund / Unna, wo ich auf die A1 in Richtung Bremen wechselte. Gut fünf Kilometer später verließ ich an der Ausfahrt Kamen Zentrum die Autobahn. Nun fuhr ich durch Kamen zu Raben.

Als ich dort ankam, war natürlich aus dem Büro keiner mehr da. Also ging ich ins Lager und meldete mich beim Lagermeister. Der war alles andere als begeistert, als er erfuhr, was ich ihm brachte. „Die im Büro haben sie auch nicht alle. Am Freitagabend, wo alle hier auf dem Hof sind, kommst du noch mit Reklamationen. Als hätten wir nichts Besseres zu tun.“ „Und jetzt?“ „Am liebsten wäre es mir, wenn du morgen wieder kommen würdest. Dann verteilen wir sowieso die Sachen für nächste Woche.“ „Toll. Damit versaue ich mir meine Wochenendruhe.“ „Also jetzt habe ich auch keinen Platz dafür im Lager.“ „Wie sieht es auf dem Hof aus?“ „Na auch ziemlich voll. Außerdem kann ich das Zeug ja schlecht draußen lagern.“ „Hast du denn Platz für einen Auflieger?„Hmm… hm… hm… das sollte noch passen.“ „Dann sattle ich ab und du holst dir den Auflieger dann an die Rampe, wenn es dir passt. Ich hole den Sonntagabend oder Montagmorgen hier wieder ab.“ „Na gut. Dann machen wir das so. Guck mal wo du einen vernünftigen Platz findest.“ „Mach ich.“

Zehn Minuten später hatte ich den Auflieger an der Seite abgesattelt und meine Quittung unter Vorbehalt bekommen. Nun machte ich mich solo auf den Weg nach Dortmund. Die Amis nannten das Bobtail. Warum auch immer das so war. Über die Dörfer fuhr ich zur A2, auf die ich in Richtung Oberhausen fuhr. Nach acht Kilometern fuhr ich an der Ausfahrt Dortmund Nordost wieder ab und nahm die B236 in Richtung Schwerte. Dortmund Wambel fuhr ich raus und an der Kreuzung links ab. Geradeaus ging es eh nur in die Westfalenhütte. Kurz danach erreichte ich das Gewerbegebiet, in dem sich Kemals Werkstatt befand. Dort setzte ich den Magnum auf den LKW Parkplatz. Ende Land: D. Feierabend für diese Woche. Ich räumte noch schnell die Sachen, die ich mitnehmen wollte in den Audi, danach schloss ich den LKW ab.

Auf dem Weg nach Menden fuhr ich nochmal an meinem Platz vorbei. Viel konnte ich im Dunkeln nicht erkennen, es sah aber so aus, als wäre alles weg. Von dem Unrat, der vorher auf dem Platz gelegen hatte, sah ich nichts mehr. Auch die alte Halle war verschwunden. Zufrieden fuhr ich weiter.

Am Samstag musste ich doch nochmal nach Dortmund. Ich war ja die ganze Woche nicht zu Hause und somit auch nicht am Postfach. Wichtige Post war aber nicht gekommen. Nun fuhr ich im Hellen nochmal zu der Baustelle. Tatsächlich hatte man schon mit dem Ausschachten begonnen. Dann sollte wohl in der kommenden Woche das Fundament der Halle errichtet werden.

Da ich mich noch bei meiner Mutter angemeldet hatte fuhr ich nun von hier nach Herdecke. Den Nachmittag verbrachte ich dann im Familienkreis.

Den Sonntag verbrachte ich wieder zu Hause. Ich musste ja noch meine Arbeitsklamotten waschen. Außerdem suchte ich mir in den Netzwerken meiner Kunden noch eine Ladung für die kommende Woche raus. Ab 22 Uhr könnte ich wieder fahren. Mal sehen wo es dieses Mal hinging.

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