Donnerstag, Uppsala.
Es ist kurz vor 11:00 Uhr. Ich stehe in der Küche und brutzel Köttbullar. Kartoffeln, Sahnesauce und Preiselbeerdip sind schon fertig. Aus dem Küchenfenster sehe ich wie Sandra an die Betriebstankstelle rollt. Kurz danach sitzen wir am Mittagstisch. Da wir uns eh viel zu selten sehen lassen wir berufliche Themen weg und sabbeln einfach mal über dies und das.
Um 12:20 Uhr gehen wir zu unseren Scania. Sandra hat noch eine kleine Tour innerorts. Danach wartet auf sie noch ein Abend mit Büroarbeit. „Kör försiktigt.“ „Du auch.“ Eine Umarmung. Ein Kuss. Dann steigen wir ein und starten unsere Touren. Auf dem Weg nach Stockholm komme ich gut voran. In Stockholm selbst dauert es dann aber doch etwas länger. So langsam setzt der Feierabendverkehr ein und an einer Kreuzung muss ich mich um einen kleinen Unfall herumarbeiten. Mit der Solo-Zugmaschine ist das aber nicht wirklich problematisch. Ich fahre auf das Gelände vom Supermarkt. Der weiße Penguin-Trailer steht einsam an der Rampe. Ich stelle den Dreiachser davor ab. Ich kaufe noch ein paar Kleinigkeiten für Verpflegung und Hygiene bevor ich mir einen Mitarbeiter suche, der mir die Papiere für den Trailer gibt.
Im Feierabendverkehr fahre ich aus Stockholm heraus, an Linköping noch vorbei. Irgendwo zwischen Linköping und Jönköping fahre ich auf einen Parkplatz, da meine Lenkzeit für diesen Tag sich dem Ende zuneigt.
Freitag, zwischen Linköping und Jönköping.
In der Nacht habe ich unruhig geschlafen. Ich weiß nicht ob es an den Träumen lag oder an dem Kühlzug, der sich am Abend vor mir auf den Parkplatz gestellt hatte. Nach dem Frühstück mache ich meine Abfahrtskontrolle. 07:00 Uhr.
…
Nach etwas über 4 Stunden Fahrt rolle ich in Göteborg zum Fährterminal. Um 14:00 Uhr ist es dann mal wieder so weit, dass ich Kilometer mache ohne selbst zu lenken. Ich wäre gerne an Deck gegangen und hätte Sonnenschein genossen – heute aber goss es wie aus Kannen. Also nutze ich die Zeit um in den Bordshops schnökern und ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.
Mit ein paar Minuten Verspätung legt die Fähre in Fredrikshavn an. Kurz danach rolle ich gen Hirtshals. Unterwegs keine Vorkommnisse, sodass ich die leichte Verspätung der Fähre wieder reinfahren kann. Am Ziel angekommen stelle ich mich an die Seite und gehe in Richtung Büro. Bisher hat mir keiner meiner Disponenten verraten was mich als nächstes erwartet. Ich rufe in meiner Niederlassung Berlin an. Da es inzwischen Freitagabend ist geht erwartungsgemäß niemand ans Telefon. Also versuche ich Mona über die Mobilfunknummer zu erreichen. Nach kurzem Klingeln nimmt sie ab. „Tach Chris. Was jibbet?“ „Arbeit. Oder auch nich. Ich bin mit dem Pinguin in Hirtshals am Ziel. Muss nur noch den Papierkram machen und an eine Rampe andocken. Was ich mich aber frage: hast du mir nur noch nicht verraten was ich als nächstes mach, oder hast du mich vergessen?“ „Verdammt. Ick dachte James hätt dir was jegeben. Ick hab heute Nachmittach nich mehr in deine Planung jeguckt.“ „Hmm. Das ist natürlich sehr praktisch.“ „Tut mir leid.“ „Ich geh jetzt erst mal ins Büro und geb die Papiere der letzten Tour ab.“ „Gut. Ick bin nicht mehr im Büro. Soll ick gucken ob ich auf die Rasche noch was für dich an Land bekomm?“ „Ne, lass ma. Du machst Wochenende. In den Computer gucken kann ich selbst.“ „Danke, Chef.“
Die Info war jetzt zwar nicht unbedingt das was ich mir von meiner Disponentin erhofft hatte. Aber wenn immer alles glatt gehen würde wäre es ja auch zu schön. Ich öffne die Tür zum Lagerbüro beim Kunden. „Nabend.“ „Guten Abend.“ „Ich bin vom hansekontor. Ich habe für Sie einen Trailer aus Stockholm.“ „Mhm…. hansekontor. Aus Stockholm. Mal schauen.“ Der Lagerist macht ein paar Eingaben in seinem Computer. „Ich kann hier nichts finden über Ihre Firma. Aus Stockholm steht hier für heute nur noch Penguin-Logistics Hamburg offen. Eine Rücklieferung aus einem Supermarkt.“ „Das ist meine Ladung.“ „Geben Sie mir mal den Frachtbrief.“
Kurz danach bekomme ich eine Rampe zum Absatteln zugewiesen. Das ist dann auch schnell erledigt.
…
Ich fahre meinen Laptop hoch und rufe den Frachtmarkt auf. Gähnende Leere für die Region Norddänemark. Nachdem die vergangene Woche bereits über 50 Stunden zu Buche stehen hat beschließe ich nur noch kurz bis in die Nähe vom Leuchtturm zu fahren und mich um eine neue Tour am Montagmorgen zu kümmern.
Zeit für das abendliche Telefonat: „Hej min älskling.“ „Na du. Ich hab im Disposystem gesehen, dass du gar keinen Auftrag drin stehen hast ?!“ „Mhm. Ich hab eben den Pinguin-Trailer abgeliefert. Mona und James haben mich irgendwie vergessen. Ich mach jetzt in der Nähe vom Leuchtturm Hirtshals meine Wochenruhezeit. Übers Wochenende findet sich auftragsmäßig ja eh nix. Jedenfalls war eben gerade gähnende Leere im Frachtmarkt für die Region hier. Ich suche mir Montag früh was.“ „Wie ich dich kenne findest du schon was.“ „Bestimmt. Ich hoffe nur, dass was Richtung Großbritannien dabei ist, wo ich keinen eigenen Trailer brauche. Ich möchte ganz gern kommende Woche den Mietwagen wieder abgeben.“…
Nach gut einer Stunde lege ich mein Telefon beiseite.
Samstag, Hirtshals.
Irgendwann um die Mittagszeit werde ich wach. Ausgeschlafen. Ich beschließe mich heute mal wieder unter die Touristen zu mischen und mache mich zu Fuß zum Leuchtturm und den Bunkeranlagen des Atlantikwalls. Da die Sonne scheint und es auch relativ warm ist kann ich den Strandspaziergang ordentlich ausdehnen. Als ich am späten Nachmittag zum Scania zurück kehre steht daneben ein Wohnmobil mit süddeutschem Kennzeichen – nichts ungewöhnliches; sie werden wohl einen Zwischenhalt auf dem Weg Richtung Norwegen machen. Das Paar mittleren Alters gibt sich gesprächig. Die beiden fragen, ob sie mich zum Grillen einladen dürfen. Sie dürfen…
Sonntag, Hirtshals.
Der gestrige Abend war lang. Die beiden Wohnmobilreisenden wollen weiter nach Bergen. Die Fähre legt jedoch erst um 20:00 Uhr ab. So bleibt uns der Sonntag für ein ausgedehntes Frühstück.
…
Der Tag vergeht Dank meiner „Nachbarn“ schnell.
Das Wohnmobil-Paar verabschiedet sich. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Urlaub. Bis zum Abendessen ist noch Zeit; ich mache mich auf den Weg zum Strand, mir den Wind ein wenig um die Nase wehen zu lassen.
