Donnerstag kurz nach Mitternacht, Rødbyhavn.
Die Fähre legt pünktlich an und da ich als einer der Ersten auffahren konnte bin ich fix auf dänischem Boden. Gerade als ich aus dem Hafen fahre klingelt mein Telefon. Auf dem Display die Nummer von James Diensthandy. Um diese Uhrzeit? „Hello Chef. Entschuldige die Störung zu solch ungewöhnlicher Zeit.“ „Moin James. Ich bin am Fahren, also hast du mich nicht geweckt. Aber wieso rufst du um diese Uhrzeit an?“ „Wir haben ein Problem.“ „Oh Oh. Erzähl.“ „Steffy hatte ihren Benz vor ihrem Urlaub in Düsseldorf in die Werkstatt gegeben zur Inspektion und der sollte dann dort stehen bleiben.“ „Ja. Aber das ist sicher nicht das Problem?“ „Nicht direkt. Das Problem ist, dass der Mechaniker ihren Benz gestern Abend in die Werkstatt gefahren hat um gleich frühs mit der Inspektion anzufangen. Und heute Nacht waren dort Brandstifter zugange. Da steht nix mehr.“ „Sch***, das heißt der Benz…“ „Genau das. Der Werkstattbesitzer rief eben an. Der weiß derzeit nicht weiter.“ „Das kann ich mir vorstellen. An sich ein Versicherungsschaden. Nur jetzt auf die Schnelle wieder einen Truck für Steffy ranbekommen… Verdammt. Ich kann hier während der Fahrt da eh wenig regeln. Das muss Sandra machen. Die ruf bitte aber erst zur normalen Bürozeit an.“ „OK, mache ich.“
Ich fahre über die E47 in Richtung Kopenhagen. Über die Öresundbrücke nach Malmö und dann auf die E22. Gegen 04:30 Uhr fahre ich kurz vor Kristianstad vom Malmövägen ab um meine kleine Pause zu machen. Nach der Info über den Verlust des Actros brauche ich über ein Nickerchen nicht nachdenken, das würde nichts bringen. Stattdessen schließe ich den V8 ab und hole mir an der Statoil etwas zum Frühstück. Mein Telefon klingelt, Sandras Nummer auf dem Display. „Sanitäre Anlagen, Klima- und Schwimmbadtechnik, Rööööhrich.“ Sandra prustet erstmal ins Telefon. „Hej min älskling.“ „Hej. Du schon so früh hoch?“ „Jo. Hab gerade am Chassiporten angedockt und gehe in etwa dreißig Minuten auf Tour. Auftrag kam gestern Abend kurzfristig rein. Einmal Ersatzteile nach Stockholm und Örebro und mit Leergut zurück.“ „Das ist ja nichts außergewöhnliches.“ „Du klingst bedrückt. Ist was passiert?“ „Mir nicht. Aber Steffys Benz ist Schrott.“ „Wie? Warum das? Der stand doch, wo sie jetzt im Urlaub ist.“ „Mhm. Leider zur falschen Zeit am falschen Ort. Der war noch in der Werkstatt. Und die wurde letzte Nacht von Brandstiftern heimgesucht. Heute haben wir Donnerstag. Montag muss Steffy eigentlich wieder auf die Straße. Aber kannst du auf die Rasche einen Truck aus dem Hut zaubern?“ „Das weiß ich nicht. Aber ich bin ja nach dem Rundlauf heute Nachmittag wieder am Chassiporten. Dann weiss ich vielleicht mehr. Kopf hoch, gibt immer irgend ne Lösung. Ich muss jetzt erstmal zu Magnus ins Büro, Papiere holen.“ „Ok. Lass die Elche in Ruhe. Bis später.“ „Men du också. Vi ses senare. Jag älskar dig.
Zum Frühstück essen bin ich durch den Anruf noch nicht gekommen. Mein Kaffee ist inzwischen kalt geworden. Ich hole mir einen neuen und mache mich raus zum Scania.
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Für die restliche Strecke bis zum Ziel vergehen knapp anderthalb Stunden. Vor Ort muss ich feststellen, dass mein Ziel im Fabriksvägen 4 nicht direkt in Karlskrona liegt und gar keine DHL-Niederlassung ist. Es handelt sich bei der Adresse um eine Spedition. Meinen Trailer kann ich dann aber direkt nach der Ankunft auf dem Hof abstellen. Ein Hoffahrer wird sich nachher um den Rest kümmern.
Ich mache mich direkt wieder auf die Piste. Am StenaLine-Terminal muss ich dann aber erst einmal warten. Die Fähre aus Danzig legt erst um 09:30 Uhr an. Bis der für mich bestimmte Trailer bereit steht und ich den Fährhafen wieder verlassen kann ist es dann bereits kurz vor 11:00 Uhr.
Mein Weg führt mich über die Route 122 und Route 27 . Gegen 13:00 Uhr bin ich dann am Ziel in Växjö. Ich gehe zuerst ins Büro und melde mich an. „Moin. Ich hab für Sie einen Container von der Fähre in Karlskrona dabei. Und ich soll für Drekkar in Uppsala einen Auflieger mitnehmen.“ Ich reiche die Papiere vom Containertrailer an den Sachbearbeiter. „Ah ja. Bei Ihnen gibts eine kleine Änderung bei der Zieladresse für den mitzunehmenden Auflieger.“ „Wie klein?“ „Keine Sorge. Zielort bleibt Uppsala. Herr Drekkar möchte den Trailer aber gerne bei STBcargo abgestellt wissen.“ „Das ist kein Problem.“ „Den Containerauflieger stellen Sie bitte an Tor 2. An Tor 8 steht dann der Auflieger für Uppsala.“
Andocken. Absatteln. Umparken. Aufsatteln. Um 13:30 Uhr ziehe ich meinen V8 von der Rampe ab. Weit fahre ich aber nicht – nur bis zur benachbarten Statoil – da es Zeit für die große Pause ist. Ich stelle mir den Wecker auf 20:00 Uhr und esse noch eine Kleinigkeit. Danach lege ich mich Schlafen.
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Als der Wecker mich um 20:00 Uhr aus den Federn holt gehe ich zuerst Duschen und nehme mir aus der Tankstelle einen Kaffee mit. Ich fahre den Laptop hoch um einmal nach eMails zu schauen. Als ich währenddessen aufs Telefon schaue sehe ich, dass Sandra angerufen hatte als ich Duschen war. Ich rufe zurück. „Na du. Telefon nicht gefunden?“ „Das kann nicht schwimmen. War gerade fix Duschen.“ „Achsooo. Ich liege gerade in der Badewanne.“ „Würde ich mich gerne dazu legen. Bin aber noch zu weit weg.“ „Ein anderen mal. Du… ich hab mir um das Thema Zugmaschine für Steffy heute während der Fahrt Gedanken gemacht. Sie übernimmt meinen V8. Der bleibt auf die Zentrale angemeldet und nicht wie sonst üblich auf die Niederlassung. Das Ummelden würde zu lange dauern. Ich hab vorhin mit ihr telefoniert. Über die Brandstiftung in der Werkstatt war sie sehr erschrocken.Was den Wechsel auf Scania angeht war sie einverstanden, auch wenn ihr der Stern doch am Herzen hing wie sie sagt. Sie kommt morgen mit dem Flugzeug nach Arlanda hoch und übers Wochenende mit zur Marina. Liegt von der Ankunftszeit dann sogar zeitnahe zu der von Yanaa und Alex.“ „Passt das denn platzmäßig?“ „Laut Yanaa ist auf dem Boot Platz für 8 Personen. Ich hab den beiden natürlich erzählt was passiert ist. Also alles abgeklärt.“ „Klasse. Und womit fährst du dann demnächst deine Touren?“ „Ich hab heute früh am Chassiporten mit Magnus gesprochen. Ich konnte einen T730 excab sofort bekommen – der ursprüngliche Käufer hat den wegen Insolvenz nicht abgenommen.“ „Von nem Hauber hast du doch schon öfter geschwärmt. Passt das das denn bei uns in die Finanzplanung?“ „Ja. Die Versicherung ersetzt uns Steffys Benz zu 100%. Und die Differenz zum T730 ist ohne Probleme machbar.“ „OK. Wie kriegst du den von Södertälje nach Hause?“ „Der steht schon in der Halle.“ „So schnell? Wie das?“ „Tania hat den vorhin zugelassen und überführt.“ „Oh, wusste gar nicht, dass sie LKW fahren darf.“ „Du warst damals beim Vorstellungsgespräch auch nicht dabei. Ist wie bei Mona – im Fall der Fälle kann sie mit einspringen. Deswegen können wir demnächst auch ruhig die 3 Wochen Urlaub machen. Wann gehst du heute Abend eigentlich auf die Piste?“ „Ich verkürze die Pause und fahr um 22:45 Uhr los. Wenn mir kein Elch auf der Straße rumsteht bin pünktlich zum Frühstück im Büro.“
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Miteinem Brabbeln springt der V8 an. Abfahrtskontrolle und los. Über Hjalmar Petrisväg, Ljungadalsgatan und Mörnersväg geht es zur Route 27, die ich kurz darauf am Trafikplats Öjaby schon wieder verlasse um auf die Route 30 zu kommen, die mich am Växjö Småland Airport vorbei in Richtung Jönköping führt. Zu dieser nächtlichen Zeit sind die Straßen frei und ich kann die Festbeleuchtung am V8 fast im Dauerbetrieb laufen lassen. Auch die Baustelle bei Hok stellt kein Problem dar.
Freitag,Norsholm.
Es ist kurz nach 03:00 Uhr als es Zeit für meine kleine Pause wird. Ich verlasse die E4 dafür an der Ausfahrt Norsholm und stelle mich an die dortige Statoil, die nachts jedoch geschlossen hat. Der V8 braucht kein Futter. Und Kaffee kann ich mir rasch selbst einen machen.
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Zurück auf der E4 geht es dann an Nyköping vorbei. Södertälje. Jetzt sind es nur noch gut einhundert Kilometer. Auf der Strecke wird es dann aber doch nochmal etwas zäh, da ich bei Stockholm auf die ersten Berufspendler treffe und drei Baustellen den Weg säumen.
Um 08:00 Uhr biege ich auf den Hof von STBcargo ein. Der Lagermeister begrüßt mich, nimmt die Papiere entgegen und nennt mir den Stellplatz für den Trailer. „Schönes Wochenende, Christian. Habt ihr was vor oder musst du noch wieder los?“ „Heute noch ne kleine Tour zu Bauer Larsson. Danach ist bei mir bis Montagmittag Wochenende. Mal ein bisschen die Marina in Stockholm nutzen.“ „Viel Spaß dabei.“ „Danke, dir auch ein schönes Wochenende.“
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Kurz danach erreiche meinen Hof. Wie üblich fahre ich zuerst an die Betriebstankstelle. Anschließend darf mein Scania in die Halle. Dort steht schon Sandras neuer T. In einem schicken grau.
Ich gehe hoch ins Büro. Sandra fliegt mir in die Arme. „Hej min älskling. Frukosten är redan klar. Häng med.“ Wir gehen in die Küche, wo auch Tania gerade Pause macht.
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Nach dem Frühstück schnappen wir uns den Vierachser um mit dem Tieflader den KRONE Bigpack aus der Werkstatt zu Bauer Larsson zu bringen.
„Schatz, du musst fahren. Meine Lenkzeit ist durch den Nachtflug fast voll.“ „Kein Problem, aber nicht einschlafen wenn du da aufm Beifahrerplatz hockst.“ „Nene. Keine Angst. Dass mach ich nachher im BMW wenn wir nach Arlanda rausfahren.“ „Das ist genehmigt.“ Wir lachen beide.

Die Strecke bis Tunaberg ist nicht allzu weit. Da Bauer Larsson gerade mit dem Traktor auf dem Feld unterwegs ist ruft Sandra kurz bei ihm an. Kurz danach ist er auch da und läd mit uns ab. Eine Unterschrift später ist er schon wieder verschwunden.
Zurück im Büro fährt Tania gerade den Computer herunter. „Wo ihr unterwegs wart kam noch eine Anfrage von einem Kunden in Trelleborg. Der braucht kurzfristig einen Planentrailer im Leasing nach Trelleborg runter. Haben wir noch da. Ich hab das jetzt so geplant, dass Steffy den Montag mitnimmt. Bei DHLrail nimmt sie im Anschluss ein Containerchassis für Leipzig auf. Macht euch ein schönes Wochenende aufm Boot. Liebe Grüße an Steffy und Maria. An Alex und Yanaa natürlich auch.“ „Werden wir ausrichten. Und 1a, dass Steffy keine Leerfahrt hat.“
Die Reisetasche fürs Wochenende hat Sandra schon fertig gepackt. Wir stellen sie im BMW in den Kofferraum und machen uns auf den Weg zum knapp 40 Kilometer entfernten Flughafen. Wie besprochen fährt Sandra und ich mache derweil ein Nickerchen.
