[Woche 6 – Montag + Dienstag] Quer durch den Norden. Kaffee? Ein leckerer Burger zum Abendessen.

Montag, Marina Stockholm.
05:30 Uhr. Die Wecker von uns allen an Bord melden den Start in die neue Woche. Im Vergleich zu anderen Montagen durchaus spät. Aber heute passt es. Es bleibt sogar genügend Zeit um gemeinsam zu frühstücken. Währenddessen trifft der Servicemitarbeiter vom Yachtcharter ein und übernimmt das Boot wieder.

Um 07:00 Uhr ist Maria dann die Erste, die sich wieder auf die Strecke machen muss. Sandra hat für heute noch eine kurze Tour für Scania auf dem Zettel. Da ihr T730 in der Zentrale in Uppsala steht fährt sie bis dort bei Maria mit. Kurz nach den beiden sitzen auch wir vier Verbliebenen im BMW und machen uns auf den Weg nach Södertälje. Dort angekommen verabschiede ich mich von Alexej und Yanaa „Gute Fahrt nachher mit euren beiden neuen R580.“ „Danke. Dir nachher auch gute Fahrt. Du musst doch bestimmt heute auch noch wieder los?“ „Erstmal hab ich noch im Büro zu tun. Aber wahrscheinlich gibt’s von LufthansaCargo was ab Arlanda. Das stand Freitag aber noch nicht fest. Mal schauen. “






Auf dem Weg von Södertälje nach Uppsala kommt Sandra uns lichthupend entgegen. Um 10:00 Uhr fahre ich den BMW dann in die Halle und gehe mit Steffy ins Büro. „Moin Tania.“ „Guten Morgen Christian, hallo Steffy. Ich hab schon alles so weit vorbereitet das Steffy gleich los kann. Der Scania ist getankt. Der Trailer für den Leasingkunden in Trelleborg aufgesattelt.“ „Okido. Hast du schon nen Plan wie es von dort weiter geht für mich?“ „Ja. Bei DHL übernimmst du morgen früh ein Containerchassis für den DHL-Hub Leipzig. Von dort aus geht’s in Gelb weiter erst zum Paketzentrum Krefeld und von dort zum Paketzentrum Neumünster. Dann fährst du noch bis nach Hamburg ins Lager. Wahrscheinlich geht’s dann kommende Woche wieder auf die Insel für dich.“ Steffy nimmt die Papiere entgegen und schnappt sich noch einen Kaffee. Kurze Zeit später rollt der weiße V8 dann vom Hof.







„Christian?“ „Hier ist einer!?“ „LufthansaCargo hat angerufen. Du brauchst nicht bis nach Arlanda fahren. Die Tour die Freitag noch nicht ganz klar war geht nach Hirtshals zu DFDS. Sind nur 3 Europaletten. Das bringt gleich einer vom Cargocenter mit nem Sprinter rum. Und damit sichs lohnt kommt noch Sammelgut von IKEA dazu. Gegen 16:30 Uhr müsste dein Trailer dann soweit abfahrbereit sein. An einer Anschlusstour ist Vivien von Berlin aus noch dran.“ „Gut. Ich bin dann mit dem BMW nochmal kurz weg zum Einkaufen.“







Als ich vom Einkauf zurück bin zeigt die Uhr im Büro 15:00 Uhr. Ich habe also noch Zeit in Ruhe bei einer Tasse Kaffee in die Planung meiner Fahrer zu schauen:
Lilly und Lucy weilen im Urlaub, ebenso wie meine Disponentin Mona.
Bei Sandra steht außer der kurzen Tour für Scania heute nichts drin. Wundert mich aber nicht, da sie oftmals kurzfristige Fahrten im regionalen Bereich macht.
Maria hat heute früh bei STBcargo für das Cargocenter in München geladen und macht sich von dort dann am Donnerstag für LHcargo auf den Weg nach Milano.
Steffys Wochenplan kenne ich bereits durch Tanias Bericht vorhin.
Donald war am Wochenende in Bialystok hängen geblieben und ist von dort aus inzwischen für DHL auf dem Weg nach Hamburg. Den Rest der Woche schleppt er dann ebenfalls gelbe Trailer – zuerst vom Paketzentrum Neumünster nach Eutingen. Und von dort nach Krefeld. Zum Wochenende parkt sein Scania dann in der Düsseldorfer Niederlassung.
Kims Plan sieht bisher für heute nur eine Tour im Nahverkehr und Beladung für Milano vor. Morgen früh um 04:00 Uhr geht sie dann Richtung Italien auf die Bahn.
Idas Woche hingegen steht, was den planbaren Teil angeht, soweit fest – mit Material aus dem Lager zum Staplerhändler in Grimsby und unterwegs bei diversen kleinen Kunden des Staplerhändlers davon schon wieder etwas los werden. Dienstag dann ebenfalls wieder eine Verteilertour für diesen noch recht frischen, aber durchaus anspruchsvollen Kunden. Am Mittwoch soll sie dann neue Gabelstapler von Grimsby nach Plymouth bringen. Und auch DHL hat Bedarf auf der Insel angemeldet – am Donnerstag von Plymouth nach London und für Freitag im Nahverkehrsbereich London.
Anna hat heute früh bei LufthansaCargo einen vorgeladenen Trailer für das Cargocenter in Barcelona aufgesattelt. LHcargo hat für diese Woche scheinbar verstärkt Bedarf in Spanien, denn von Barcelona führt der Anschluss nach Valencia und von dort mit der nächsten Fracht nach Madrid. Und auch das 17. deutsche Bundesland, sprich Mallorca, wird das erste mal Bekanntschaft mit Annas Truck machen. Wenn Malle auch verlockend klingt… das Wochenende beginnt bei ihr erst am Samstagmittag fernab vom Ballermann im Fährhafen von Alcudia.
Bei Katie stehen bis Donnerstag nur Touren innerhalb von Berlin und dem direkten Umland an. Am Freitag ist sie dann für LufthansaCargo unterwegs. Ihr Ziel ist das Cargocenter am Flughafen München. Als Notiz hat Vivien dazu eingegeben, dass Annyka Katie am Freitag mit dem Firmensprinter abholen soll und der DAF zur Beladung am Airport bleibt. Nicht schlecht der Plan von meiner Noch-Azubine, spart das doch mal eben mindestens 2 Stunden Lenkzeit (je eine am Freitag und dann eine am kommenden Montag).
Mit Tom fängt heute mein zehnter angestellter Fahrer an. Sicherlich sitzt er gerade mit Annyka zusammen und geht die Schulungsunterlagen durch. Ab morgen ist er dann im Konvoi mit Alex‘ Fahrer Roman für Maier-Flink auf dem Weg nach St.Petersburg.

Um 16:20 Uhr beginne ich an meinem V8 mit der Abfahrtskontrolle. Währenddessen höre ich Sandras T730 auf den Hof rollen. Der Motor verstummt und Sandra hüpft aus dem Fahrerhaus und auf mich zu. „Hej, na du…“ „Hi Schatz. Schön, dass ich dich vor der Abfahrt noch sehe.“ „Ja, finde ich auch. Die Tour mit dem T hat Spaß gemacht. Den Rest der Woche komme ich aber nicht mehr dazu mit ihm zu fahren. Wenn was kurzfristiges reinkommt muss Tania ran.“ „Wieso dies?“ „Ich muss nach Hamburg und nach Berlin. Organisatorisches im Lager und in der Niederlassung. Wohin gehts bei dir heute noch?“ „Heute Abend geht es erst mal in Richtung Dänemark.“ Ich nehme Sandra in den Arm und verabschiede mich. Bis zum IKEA-Lager ist es nicht weit. Das
Sammelgut ist verladen und auch die 3 Europaletten aus Arlanda wurden dort mit auf den Trailer, einen meiner eigenen mit LHcargo-Werbung, verladen. Nach einem kurzen Gespräch mit dem Lagermeister mache ich mich dann auf den Weg. Dieser führt mich zuerst über den  Enköpingsvägen.




Ich passiere Vestärȧs. An Örebro vorbei zeigt der digitale Wächter, dass bereits vier Stunden Fahrzeit vergangen sind. Die Pause mache ich dann kurz darauf am Straßenrand.

Nach der Pause geht es über die E20 weiter nach Göteborg.







Dienstag, irgendwo auf der E20
.
Bei Tollered bremst mich eine Baustellenampel kurz aus. Seit der Pause habe ich kaum ein anderes Fahrzeug gesehen. Aber ich bin nicht der einzige der arbeitet – ein kleines  Kurierfahrzeug steht vor mir und wartet ebenfalls auf grün.






Um 03:00 Uhr erreiche ich den Fährhafen in Göteborg. Ich stelle den V8 auf einen freien Stellplatz. Anschließend melde ich mich noch für die Überfahrt um 11:50 Uhr nach Fredrikshavn an.





Um 09:00 Uhr werde ich ohne Wecker wach. Genügend Zeit um in Ruhe auf ein Frühstück zum nahegelegenen Bäcker zu gehen. Als ich wieder am V8 ankomme ist bereits ein Einweiser unterwegs um die LKW auf die Fähre zu lotsen. Ich stelle den Fahrtenschreiber auf Fährenmodus und bewege meinen Zug an Bord. Anschließend stelle ich wieder auf Pause und suche mir dann einen Ruhesessel für die Überfahrt. Normalerweise bin ich bei Tagesüberfahrten gerne an Deck und lasse mir den Wind um die Nase wehen. Bei dem heute vorherrschenden Starkregen verzichte ich dann aber doch lieber darauf.







Um 15:15 Uhr erreicht die Fähre pünktlich Fredrikshavn. Zügig bin ich von Bord und auf der Route 35. Kurz vor Hjørring wechsele ich dann auf die E39 in Richtung Norden.




Um 16:30 Uhr erreiche ich den Kunden. Im Büro werde ich freundlich begrüßt und bekomme die Frage „Kaffee?“ gestellt. „Wenn meine Ladung damit gemeint ist, dann nein…“ Der Sachbearbeiter schüttelt den Kopf und zeigt auf eine Tasse. Ich muss grinsen. „Ähm, jo. Gerne. Dankeschön.“ Ich nehme mir eine Tasse und reiche derweil die Papiere rüber. „Mit dir hab ich noch gar nicht gerechnet.“ „Bin beim Nachtflug bis Göteborg gut durchgekommen.“ „Das ist gut. Dann haben wir hier genug Zeit das für den Nahverkehr vorzubereiten. Du bekommst übrigens auch gleich wieder was mit.“ „Davon weiß ich noch nichts – ich habe mit meiner Dispo noch nicht gesprochen.“ „Wir schon. Heute morgen. Ziemlich junge Stimme. Deine Frau?“ „Kommt drauf an. Von wo kam der Anruf zu euch rein?“ „Aus Berlin. Aber klang nicht nach Berliner Mundart.“ „Dann hattet ihr Vivien, meine Disponentin in Ausbildung an der Strippe. ‚In Ausbildung‘ ist eigentlich blöd formuliert – Freitag müsste es die Abschlusszeugnisse geben.“ „Ausbildung ist immer gut. Und Nachwuchsförderung sehr wichtig. Du fährst bitte an Rampe 3. Nach der Entladung stellen wir dir deinen Trailer dann auch dort direkt wieder voll.“ „Womit und wohin wird’s denn gehen?“ „Verpackte Backwaren für IKEA in Oslo.“ „Oh, mal wieder über den Skagerrak schwimmen.“ Ich setze den Scania wie besprochen an die Rampe. Die Zeit der Entladung und Beladung nutze ich um bei StenaLine telefonisch einen Platz für die Überfahrt nach Oslo am nächsten Morgen zu buchen. Danach wähle ich die Nummer meiner Niederlassung in Berlin. „hansekontor in Berlin. Vivien hier. Hallo.“ „Hallo Vivien. Ich wollt dir eben Bescheid geben, dass ich in Hirtshals beim Kunden angekommen bin und direkt wieder beladen werde.“ „Verflixt, ich wollte dir doch Bescheid sagen…“ „Mach dir mal keinen Kopp. Ich weiß bereits Bescheid und hab die Fähre auch schon gebucht.“ „Gut. Von Oslo aus geht’s dann auch direkt weiter. Bei DHLfreight einmal Sammelgut für Gdansk.“ „Mhm. Über meine Trailerwerbung werden die sich aber nicht freuen, hab einen von den Lufthansa-Trailern dabei.“ „Das glaub ich auch. Aber du kannst ja schlecht einen anderen aus dem Hut zaubern dort. Und deinen da stehen lassen um einen gelben zu mieten wäre auch Quatsch.“ „Das sehe ich genauso.“ „Weißt du wegen Freitag auch schon Bescheid?“ „Nein, was gibt’s da? Oder meinst du die Zeugnisausgabe?“ „Ja, die meine ich.“ „Da muss ich dann nach München für. Ich hab gestern mit Sandra telefoniert. Sie kommt Donnerstag von Hamburg aus her und besetzt Freitag hier das Büro. Montag bin ich dann wieder oben.“ „Ach das meinte meine Frau mit ‚Organisatorisches‘ in der Niederlassung. Ich hab den Laptop gerade nicht vor der Nase – gibt’s für Kim schon einen Anschluss ab Milano?“ „An sich schon. LufthansaCargo hat eine Tour für Paris-Orly bei James angemeldet.“ „OK. Danke. Komm Donnerstag gut nach München und meld dich, wenn du dein Zeugnis hast. Die feste Übernahme hab ich dir ja bei entsprechendem Ergebnis zugesagt; und das du das erreicht hast bezweifle ich nicht.“ „Du bist der Erste den ich anrufe – nach meiner Mama.“ Bei mir gehen die Mundwinkel nach oben.

Nach dem Telefonat gehe ich wieder zum Büro und warte auf die Frachtpapiere.






Ich fahre die selbe Strecke die ich am Nachmittag genommen habe wieder zurück nach Fredrikshavn. Dort angekommen stelle ich den V8 auf einen freien Stellplatz und telefoniere mit Sandra. „Na du. Ich bin gut in Hamburg gelandet. Flug war pünktlich.“ „Womit bist du geflogen?“ „Scandinavian Airlines. Mit einer Bomardier CRJ900. Morgen hab ich hier auch noch zu tun bevor ich Donnerstag nach Berlin rüberdüs.“ „Da machst du ja dann Bürodienst…“ „Genau. Und hier in Hamburg, das hab ich dir noch gar nicht erzählt, kommt morgen ein Außendienstler von KRONE vorbei um die neuen Verträge zu unterschreiben.“ „Was für Verträge genau?“ „Die Werkstatt die unserem Lager gegenüber liegt hatte Konkurs angemeldet. Da ein Großteil des Leasinggeschäfts mit den Trailern über Hamburg läuft hab ich die Chance genutzt und hab die Werkstatt aus der Konkursmasse gekauft. Inklusive Mitarbeiter. Unsere Trailer haben wir bisher ja sowieso schon immer bei den Jungs dort instand gesetzt. Mit dem Vertrag bei KRONE sind wir dann offizieller Servicestützpunkt.“ „Nicht schlecht. Was man alles so nicht mitbekommt, wenn man auf Tour ist. Ist aber nicht schlimm, dafür bist du ja die operative Chefin.“ „Wo bist du eigentlich gerade?“ „Ich steh in Fredrikshavn. Von dort geht’s morgen nach Oslo zu IKEA. Und dann mit DHL-Sammelgut runter nach Gdansk. Weiter weiß ich auch noch nicht. So mein Schatz; ich werd erstmal Abendbrot essen gehen. Seit dem Frühstück gab’s nur noch Kaffee.“ „Dann sieh zu. Nicht dass du mir vom Fleisch fällst.Jag älskar dig.“ „Ich dich auch.“

Zum Abendessen gehe ich zu Fuß die paar Meter zum ‚Blue Burger Port‘ im Færgehavnsvej.

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