Montag, Hamburg.
Nachdem wir am Samstagabend noch unterwegs waren stand der Sonntag ganz im Zeichen von Couchbelagerung. Bei dem Wetter, was mancherorts als stürmisch bezeichnet wurde, war die Couch eh die beste Option gewesen.
Es ist kurz vor 06:00 Uhr und ich werde vor dem Wecker wach. Sandra hingegen ist noch tief am schlafen und genießt es sichtlich, dass sie dabei nicht alleine im Bett liegt. Am Wecker komme ich so allerdings nicht an, weshalb dieser dann ein paar Minuten später den Beginn der neuen Woche einleitet. Sandra schlägt die Augen auf und gähnt herzhaft. „Guten Morgen, Süße.“ „Hej min älskling“ Sie gähnt noch einmal. „Höööö, keine Nilpferde verschlucken. Die liegen schwer im Magen.“ „Keine Sorge. Die schmecken mir nicht… und es sind auch gerade keine in der Nähe.“ Sie springt aus dem Bett und verschwindet unter der Dusche.
Ein paar Minuten später steht sie duftend vor mir und gibt mir einen Kuss. „Darauf hast du doch gewartet?!“ Ich erwidere den Kuss und ziehe ihr das Handtuch weg.
…
Kurz vor 08:00 Uhr sind wir mit dem Frühstück fertig. Sandra macht sich auf ins Büro, während ich wieder die Straßenseite wechsele – in der Trailerwerkstatt gibt es genug zu tun. Durch eine Sonderregelung ist der morgige Reformationstag ein bundesweiter Feiertag. Die Frostkübel für EISITRANS müssen dennoch fertig werden.
Gegen Mittag fällt mir ein, dass ich ja eigentlich schon seit Langem mal wieder bei einer SCANIA-Niederlassung vorbeischauen wollte. Ich schnappe mir also einen Sprinter und fahre die gut fünfzehn Kilometer zum Pinkertweg. Es erwartet mich dort kein Glaspalast, sondern ein Zweckbau mit Werkstatt und Büroräumen. Eine junge Frau mit langer blonder Mähne begrüßt mich: „Schönen guten Tag.Willkommen bei Scania in Hamburg.“ Sie spricht klares hochdeutsch, aber in ihrer Stimme schwingt ein Klang mit, der nicht zu Hamburg passen will. Unbewusst erwidere ich die Begrüßung auf schwedisch: „Hejsan. Jag är Christian Dansör från hansekontor.” Die Antwort folgt prompt in fließendem schwedisch ”Hej. Jag är Vivica Anderslöv. Vad kan jag göra för dig?” Na hoppla… Dem Namen nach also eine Schwedin, die für den schwedischen Lastwagenbauer arbeitet. ”Ich möchte mir einen neuen S730 bestellen. Aber zuvor bin ich neugierig. Wo kommen Sie her?” ”Aus Staffanstorp. Das ist in der Nähe von Malmö. Und Sie?” ”Ich bin ursprünglich aus der Hansestadt Wismar. Aber ich bin schon vor vielen Jahren nach Uppsala gegangen. Meine Eltern und meine Brüder wohnen aber noch in Wismar.” ”Ähnlich wie bei mir. Meine Familie wohnt inzwischen allerdings rund um Malmö verteilt.” ”Mhm. Den Nachnamen habe ich vor kurzem erst gehört. Vicky. War eine Ärztin im Skåne University Hospital.” ”Dann kennen Sie meine große Schwester. Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten?” ”Danke, sehr gerne.”
Wir betreten einen kleinen Büroraum, der offensichtlich für Verkaufsgespräche dient. Da ich die gewünschte Motorisierung bereits erwähnt habe fragt sie mich ein paar weitere Details ab um das gewünschte Fahrzeugprofil zusammenzustellen:
Sattelzugmaschine
Achskonfiguration 6×2/4 als Midlift
die große S-Kabine Highline
dunkle Innenausstattung
Sonderlackierung in meinem Firmengrün
Automatic und Retarder.
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Nach einer Weile haben wir alles durchgesprochen. „Wohin soll das Fahrzeug geliefert werden? Oder holen Sie es am Chassiporten selber ab?“ „Ich wohne zwar nicht all zu weit vom Chassiporten entfernt und bin dort auch öfter mal zum Laden oder Liefern. Den S730 möchte ich aber bitte nach Hamburg an meine Niederlassung geliefert bekommen, da ich dort dann noch ein paar eigene Ideen umsetzen möchte bevor es auf Tour geht.“ „Kein Problem. Einen genauen Liefertermin kann ich Ihnen heute aber noch nicht sagen, da Sie einige Wünsche haben, die so nicht schnell umsetzbar sind und speziell für Sie angefertigt werden.“ „Das ist kein Problem. Ich habe ja noch meinen Streamline, der mich bis dahin sicher nicht im Stich lassen wird.“ Vivica Anderslöv huscht ein Lächeln übers Gesicht. Beide Seiten sind also zufrieden mit dem Verkaufsgespräch. Sie begleitet mich noch zum Ausgang und verabschiedet mich mit einem „Adjö“ (was im Alltag nicht ganz so gebräuchlich ist, aber auch genutzt werden kann.) Ich belasse es dann beim „Hejdå.“
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Am späten Nachmittag sitze ich dann bei Sandra im Büro. Ich erzähle ihr von der Truckbestellung und wir besprechen die Planung für die nächsten Tage.
„… und Mittwoch um 10:40 Uhr geht unser Flug nach Arlanda. Dann sind wir mittags zu Hause.“ „Gibt’s schon einen Plan, wann ich wieder auf Tour bin?“ „Da dein V8 noch in Malmö steht noch nicht. Tania arbeitet aber dran. Apropos arbeiten… hattest du dran gedacht, dass morgen deutschlandweit Feiertag ist?“ „Mhm, hab ich. Mit Bär’s Trailer sind wir gut im Zeitplan.“ „Das heißt, dass du dir morgen auch frei nimmst?“ „Jo. Ich hab da auch schon einen Plan was wir da zusammen machen. Verrate ich aber noch nicht.“ „Nicht?. Erst neugierig machen und dann nix sagen.“ „Wie würde meine Schwägerin jetzt sagen… Abgrundtief böse und gemein.“ „So ungefähr.“
Wir necken uns noch eine ganze Weile, aber ich verrate nichts. Sandra gibt dann irgendwann auf und wir wechseln zum Abendessen. Anschließend machen wir noch einen kurzen Spaziergang.
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Dienstag, Hamburg.
Wir schlafen aus und frühstücken dann gemütlich. Es ist kurz nach 10:00 Uhr als mein Telefon klingelt. Ein Blick aufs Display verrät mir die Rufnummer meines jüngsten Bruders. „Christian hier.“ „…“ „OK, kleinen Augenblick.“ Ich lege auf und gehe wortlos aus der Küche. Mit meinem Bruder und meiner Schwägerin im Schlepptau dann wieder zurück. Sandra macht große Augen. „Joseph. Anna. Euch hab ich ja ewig nicht gesehen.“
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Den Nachmittag verbringen wir gemeinsam im Arriba Spaßbad in Norderstedt. Da Joseph und Anna aber am nächsten Tag wieder frühs zur Arbeit müssen bleibt der Abend dann wieder für mich und Sandra in Zweisamkeit.
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Mittwoch, Hamburg.
An diesem Morgen ist es wiederum 06:00 Uhr als der Wecker uns Geschichten vom fröhlichen Schaffen erzählt. Morgentoilette. Frühstück. Kurz noch was im Büro erledigen. Um kurz vor 09:00 Uhr fährt Josephine uns dann zum Flughafen. Der Checkin bei Scandinavian Airlines verläuft dann auch reibungslos.
Ein Vorfeldbus fährt uns zur Parkposition des Canadair RJ900 – ein elegantes kleines Fliechzeuch mit Düsentriebwerken am Heck. Während wir einsteigen sehe ich wie das Flughafenpersonal die Koffer verlädt.
…
Es ist kurz nach 12:00 Uhr als wir im Anflug auf Arlanda sind. Sandra gibt mir einen Kuss und ich werde wach. Aus dem Lautsprecher bekomme ich nur mit das gerade eine Ansage gemacht wurde. Inhalt? Keine Ahnung. Nanu… da war ich wohl eingepennt? Das kommt bei mir eigentlich selten vor. Ein paar Minuten später sind wir dann gelandet und rollen zur Parkposition.
Von dort geht es dann wieder mit einem Vorfeldbus zum Terminal, wo wir unsere Koffer zurück bekommen. Für den Weg nach Hause nehmen wir uns ein Taxi.
Auf dem Weg stelle ich fest, dass ich jetzt seit gut fünfeinhalb Wochen durch die Weltgeschichte gegeistert bin. Da wir kinderlos sind und Sandra ihre Arbeit immer wieder gerne spontan von unseren Niederlassungen aus bewältigt funktioniert dieses Leben. Mit Kindern würde mir das doch zu Schaffen machen.
Das Taxi erreicht unsere Zentrale in der Stadshusgatan. Sandra zahlt den Fahrpreis mit der Firmenkarte während ich mich den Koffern widme. Bevor wir uns ums Büro kümmern räumen wir im Wohnbereich erst mal die Wäsche aus und machen uns etwas zu essen.
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Kurz vor 16:00 Uhr, wir sitzen schon wieder an den Schreibtischen, höre ich die Tür von der Halle zum Büro. Kurz darauf begrüßt Tania uns. „Christian?“ „Tania?“ „Ich muss dich morgen Abend schon wieder durch die Weltgeschichte schicken.“ „Das ist ja nix Neues. Womit fahr ich? Und wohin?“ „Du fährst zusammen mit Mats. Er muss nach Trelleborg runter. Da könnt ihr euch beim fahren abwechseln. In Malmö lässt er dich raus. Von dort kommst du mit deinem V8 und einem Trailer wieder zurück.“ „Leer?“ „Nein. Der Trailer muss zu DHL. Der kommt per Fähre nach Trelleborg und wird dir von einem unserer Nahverkehrszugmaschinen zur Niederlassung gebracht.“
Sandra kommt in dem Moment in mein Büro. „Dann bin ich am Samstag ja wieder zu Hause.“ „Nicht gut?“ „Doch doch.“ Ich sehe wie Sandra grinst. „Hättest du jetzt was anderes gesagt…“ „Dann???“ „Ach was weiß ich….“ Tania wendet sich an Sandra: „Deinen Mann würdest du eh nicht abschießen. Dafür liebst du den viel zu doll. Egal wo er sich grade rum treibt. Zeig mir mal einen zweiten, der so vernünftig ist. Du erinnerst dich an die Story von den eindeutigen Angeboten vor ein paar Wochen wo er in Frankreich war?“ Jetzt bin ich an der Reihe die Grinseklammern in die Mundwinkel zu hängen…
…
Donnerstag, Uppsala.
Nach dem Frühstück ist wieder einmal Bürozeit. Die Strecke für den Abend nach Malmö, einmal die E4 runter, brauche ich mir nicht ausarbeiten – sowohl ich als auch Mats kennen die im Schlaf. Ich nutze die Zeit und surfe im Netz nach Angeboten für Actros-Vorführer für Steffy. Die Farbe ist mir dabei egal, da meine Hamburger Werkstatt da sowieso Hand dran anlegen wird. Mir schwebt die Version mit drei Achsen – die letzte davon liftbar – und großer Hütte vor. Ein paar Angebote finde ich zwar mit den entsprechenden Kriterien, jedoch haben alle das selbe Manko: magere Ausstattung und für unseren Einsatzzweck zu schwache Motorisierung. Und sowas sollen Vorführer sein? Taugt doch in der Seele nicht. Jedenfalls nicht wenn man seinen Fahrern etwas mehr als nur eine Wanderdüne geben möchte.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich inzwischen eigentlich zu viel Zeit verdaddelt habe ohne das ich ein Ergebnis habe. Ich schließe die Fahrzeugsuchseiten und gehe mir zuerst Sportklamotten anziehen und dann zu Sandra ins Büro. „Ich hab gerade ein wenig nach nem Actros im Netz geschaut. Nix zu finden was meinen Vorstellungen entspricht. Ich schnapp mir jetzt ein Kajak und geh ne Runde auf die Fyrisån.“ „Mach das. Legst du dich nachher noch was hin bevor du mit Mats um 20:00 Uhr losfährst?“ „Ich denke eher nicht. Ich wollte heute
Abend noch kochen und mit dir zusammen essen. Außerdem fährt Mats die erste Etappe.“ „Ok. Dann geh dich auf’m Wasser austoben. Bis später.“ Ich gebe ihr einen Kuss. „Hmmmm. En mer, tack!“ Da kann ich doch nicht nein zu sagen. „Jag älskar dig.“ „Ich dich auch.“
Meine Laune hat sich in den letzten zwei Minuten merklich gebessert. Ich lasse den Bürotrakt hinter mir und schnappe mir mein Kajak.
…
16:00 Uhr. Es wird langsam dunkel als ich ausgepowert aber zufrieden wieder zurück bin. Ich lege das Kajak in der Halle an seinen Platz. Auf dem Weg zur Dusche schaue ich kurz ins Büro. „Bin wieder da.“ „Dann ab unter die Dusche.“ „Wird gemacht. Wie lange bist du noch im Büro?“ „Bis 17:30 Uhr. Danach komm ich zu dir in die Küche.“
Ich verschwinde ins Bad und mache mich wieder zum Menschen.
…
Das Kartoffelgratin ist im Ofen und die Klopse bruzzeln in der Pfanne als Sandra reinkommt. „Das riecht schon gut.“ Kurz darauf sitzen wir am Tisch.
Die Uhr wandert derweil unaufhaltsam in Richtung 20:00 Uhr – den Zeitpunkt zu dem Mats mich nur eben einsammeln soll. Um 19:55 Uhr gebe ich Sandra einen Kuss und nehme meine Tasche. „Ich bin dann mal los. Bis Samstag mein Schatz.“ „Bis Samstag. Fahrt vernünftig.“ „Wie immer.“
Ich bin keine Minute zu früh draußen. An der Einfahrt hält gerade ein weißer Scania-Motorwagen mit einer dunkelgrünem Dolly-Aufliegerkombination. Der hinter ihm fahrende Porsche fühlt sich davon offenbar gestört, was durch anhaltendes Hupen kundgetan wird, ihm aber nichts bringt und den Gegenverkehr auch nicht interessiert. Ich ignoriere es einfach. Beifahrertür auf. Tasche rein. „Hej Mats.“ „Hejhej Christian. Hast du auch son Hupen im Ohr?“ „Gleich nicht mehr.“ Wir fahren los und werden kurz darauf ziemlich rasant von dem eben noch hupenden Porsche überholt. Viel bringt ihm das nicht – die nächste Ampel ist rot. Ich höre Mats darüber lachen.

Die Ampel schaltet auf grün und der Porsche saust mit quietschenden Reifen los. Bei uns dauert es etwas länger bis wir in Schwung kommen. Mats fährt mit dem Motorwagen im Normalfall solo im regionalen Verkehr, weshalb der Scania nur gut die Hälfte Leistung meines V8 hat.

Wie so oft geht der Weg gen Südwesten wieder über die E4.

Rund um Stockholm ist noch ein wenig Verkehr unterwegs, danach sind wir fast alleine beim Ritt durch die Nacht.

Am Traffikplats Hållet fährt Mats von der E4 ab und lenkt den Zug auf das Gelände der Preem-Tankstelle. Da er am Abend schon zum Beladen unterwegs war sind seine viereinhalb Stunden fast voll und es wird Zeit für den Platztausch. „Kaffee?“ „Klar, kann nicht schaden.“ Wir verschließen den Scania und gönnen uns ein paar Minuten Pause.
Freitag, Nyköping.
Mit gefüllten Thermobechern steigen wir wieder ein und tauschen die Fahrerkarten. Mats macht es sich im Beifahrersessel gemütlich und schmeißt das Album ‚Endless Forms Most Beautiful‘ von ‚Nightwish‘ in den CD-Player. Mit kraftvoller Musik im Ohr geht es dann zurück auf die E4.
…

Nach knapp viereinhalb Stunden steht dann erneut ein Fahrerwechsel auf dem Programm. Dank freier Straßen konnte ich den Scania ziemlich gleichmäßig mit Tempomat 84km/h laufen lassen.

Um 06:10 Uhr biegen wir in die Strömgatan in Malmö ein. Vor der Niederlassung stoppt Mats.

„War eine angenehme Tour mit dir.“ „Kann ich nur zurückgeben. Ist schon was anderes als wenn man nur mit dem Radio und dem CB-Funk quatscht.“ Ich schnappe mir meine Tasche. Für Mats geht die Tour jetzt noch ein paar Kilometer bis nach Trelleborg.
Ich gehe in der Niederlassung zuerst einmal duschen und danach für eine Mütze Schlaf ins Bett.
…
Am Nachmittag bin ich gerade dabei mit der Folie vom Greifendekor zu kämpfen, was ich mir aus der Werkstatt in Hamburg mitgenommen habe, als meine Fahrerin Elin auf den Hof rollt. Ich schaue zu wie sie den Trailer an die Seite stellt und dann absattelt. Nachdem sie ihren Scania abgestellt hat kommt sie zu mir in die Halle. „Hallo Elin.“ „Hej Chris. Ich hab dir da mal was gelbes hingestellt.“ „Ist das der Trailer von der Fähre, mit dem ich heute Abend los soll?“ „Jo. Von DHL kommt so gegen 21:00 Uhr noch ein Kurier rum mit einer Palette, die auch nach Uppsala soll. Die passt noch locker auf den Trailer. Danach kannst du los. Ich mach jetzt Feierabend.“ „Alles klar. Mach dir nen schönen Abend.“
…
Es ist kurz vor 22:00 Uhr. Mit dem Kleben des Dekors bin ich am Nachmittag fertig geworden. Und auch wenn der neue Scania jetzt bestellt ist bleibt das Kind im Manne frei nach dem Motto ‚Jungs werden sieben. Danach werden die Spielzeuge teurer.‘
Ich fahre den V8 aus der Halle und sattele den DHL-Trailer, den mir Elin von der Fähre geholt hat, auf. Abfahrtskontrolle. Alles OK. Dann kann es ja los gehen. Als ich gerade die Halle verschließen will fällt mir auf, dass der Kaffee noch oben steht. Also noch mal in den Bürotrakt.
Dann geht es auf zur E4, die mir in Richtung Nordosten die ganze Tour erhalten bleiben wird.
Samstag,Stavsjö.
Um 06:00 Uhr klingelt mein Telefon. Sandras Nummer im Display. „God morgon älskling.“ „Na du. Bist du schon im Pausenmodus?“ „Noch nicht ganz. Bin jetzt kurz vor Stavsjö und werd dort an der CirkleK rausfahren. Und bei dir? Bist du aus dem Bett gefallen?“ „Neee. Bauer Larsson hat mich rausgeklingelt. Dem ist ein Traktor verreckt. Bin gerade mit dem Tieflader auf dem Weg nach Tunaberg.“ „Tour nach Stockholm zum Service?“ „Genau.“ „Süße, ich will dich ja eigentlich nicht abwürgen, aber ich bin jetzt an der Ausfahrt.“ „Alles klar. Ich schick dir nen Kuss durch die Leitung. Wir sehen uns heute Abend.“ „Kuss auch zu dir. Liebe dich. Bis später.“
Ich stelle den Scania ab und will dann im ‚Stavsjö Krog & Kafé‘ frühstücken gehen. Als ich die Tür zum Kafé anfasse ist diese verschlossen. Die Öffnungszeiten verraten mir, dass ich etwa vierzig Minuten zu früh dran bin. Hmpf… Ich wandere rüber zur Tankstelle und hole mir erst mal einen Kaffee und eine Zeitung…
Kurz nach 07:00 Uhr springe ich wieder aus meinem Fahrerhaus. Zeit für Frühstück. Und Kaffee, die Zweite…
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Um 15:20 Uhr starte ich den V8. Da das Wochenende vor der Tür steht und ich diese Woche noch nicht viel gefahren bin habe ich die Pause auf neun Stunden verkürzt. Mein Thermobecher ist mit Kaffee gefüllt. Ein Stück Kuchen habe ich mir vor der Abfahrt auch noch organisiert. So weit gute Bedingungen um die zweihundert Kilometer bis zur Sofielundsgatan in Uppsala zu fahren. Das Wetter dabei ist dabei jedoch ziemlich trist und als die Sonne untergeht zieht Nebel auf. Dieser wird jedoch nicht so dicht als dass er beim Fahren behindern würde.
Vorbei an Södertälje und Stockholm. Nach etwas über drei Stunden Fahrt bin ich dann beim gelben Riesen. Von unterwegs habe ich mich bereits telefonisch angemeldet und weiß an welches Tor der Trailer soll. Ich stelle ihn dort ab und melde mich im Büro. Nach dem Abzeichnen der Papiere verabschiede ich mich und wünsche dem Diensthabenden Lagermeister ein schönes Wochenende. Er antwortet gleichlautend: „Jag önskar dig en trevlig helg!“
Zwei Kilometer später kann ich meinen V8 dann, nach dem Tanken an der Betriebstankstelle, in die Halle stellen. Ich schnappe mir meine Tasche und gehe die Treppe hoch in den Wohnbereich. Als ich die Tür öffne kommt mir der Geruch von Angebrannten entgegen. Aus Richtung Küche höre ich Sandra fluchen. Sie ist damit so sehr beschäftigt dass sie sich heftig erschreckt als ich sie von hinten umarme. „Du Spinner. Du hättest ja mal was sagen können als du zur Tür rein bist. Ich hab mich gerade zu Tode erschrocken.“ Ich fasse sie an den Hüften und drehe sie um 180°. Dann gebe ich ihr einen langen Kuss. „Hat der Wiederbelebungsversuch gewirkt?“ „Ich weiß nicht…“
Sie zieht mich für einen weiteren Kuss an sich. „Jetzt geht’s wieder.“ Mit einem Blick zum Herd: „Ich befürchte nur, dass die Kartoffeln jetzt nicht mehr schmecken.“ „Dann unter ständigem Rühren in den Eimer damit und neue aufgesetzt. Wieso sind dir die eigentlich angebrannt?“ „Meine Freundin aus Verden hat angerufen. Und darüber hab ich irgendwie die Zeit vergessen.“
Es ist 20:00 Uhr als das Essen dampfend auf dem Tisch steht. Wir lassen uns den Braten und die neuen Kartoffeln schmecken. Danach wechseln wir auf die Couch. Sandra hat eine BlueRay von einem PinkFloyd-Konzert organisiert. Wir genießen die Zweisamkeit beginnend mit ‚In the Flesh‘. ‚Another Brick in the Wall‘, ‚Comfortably Numb‘ und ‚Is There Anybody Out There?‘ … Die Show endet mit ‚Outside The Wall‘.
Und wir machen uns fertig für die Nachtruhe.
Sonntag, Uppsala.
Wir schlafen aus. Als ich wach werde bin ich zu faul um auf die Uhr zu schauen. Zumal es mich im Moment eh nicht wirklich interessiert. Sandra schläft noch und kuschelt sich dabei an mich.
Das Wetter an diesem Sonntag lädt zum faul sein ein, sodass unser Weg für ein spätes Frühstück über den Küchentisch zur Couch führt.
Am Nachmittag, die Sonne ist bereits am untergehen, verziehen sich die Wolken und wir nutzen das um eine Runde spazieren zu gehen.
…
