Kapitel 36 Französische Nächte!

Ich fuhr vom Firmenhof und ein paar Km in Richtung Heimat. Irgendwann hielt ich an, ich wollte nun wissen was in dem Brief stand und holte ihn aus meiner Arbeitstasche. Der Brief war handgeschrieben, sie hatte eine wunderschöne Handschrift. Dazu hatte sie nicht einfach ein weißes Blatt Papier beschrieben, sondern extra verziertes Briefpapier genutzt. Bis auf die Anrede war der Brief in Englisch, so verstand ich wenigstens halbwegs was sie schrieb.

Cher Hannes,

Ich möchte mich noch einmal bei dir Bedanken, dass du mich mitgenommen hast, war für mich sehr wichtig. Entschuldigen möchte ich mich dafür das ich dir nicht direkt gesagt habe das meine Eltern davon nichts wissen, obwohl ich erwachsen bin behandeln sie mich manchmal immer noch wie ein Kind, das war auch einer der Gründe abzuhauen. Ich habe mitbekommen das mein Vater bei deiner Firma angerufen hat und das ganze große Wellen geschlagen hat, ich hoffe das du deshalb nicht allzu viel Ärger bekommen hast. Inzwischen bin ich mit meiner Freundin glücklich in Paris, tut mir Leid das ich dir hübsche Augen gemacht habe, ich dachte dann ist die Chance größer das du mich mitnimmst. Aber ja ich bin liiert, du kennst sie, sie hat mich vom LKW abgeholt. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und wenn du mal in Paris bist, melde dich bei mir, meine Nummer hast du, ich habe sie in dein Handy eingespeichert.

Liebe Grüße Amelie

Mit im Umschlag lag noch ein Foto von den beiden, gemacht auf dem Eiffelturm. Ich war gerührt von den netten Worten und musste mir fast eine Träne verdrücken. Tja, dass das ganze solchen Wellen schlug, damit hatten wir wohl beide nicht gerechnet, ich fand es aber nett das sie mich extra noch kontaktiert hatte, auch wenn es wohl bei einer freundschaftlichen Beziehung bleiben würde.

Ich fuhr dann weiter nach Hause, am Parkplatz angekommen traf ich Edin an, er kam grade vom einkaufen, dieses Wochenende hatte er frei. So lud er mich am Abend zum Grillen ein, danach zockten wir noch ein wenig FIFA auf der Playstation, ich hatte aber keine Chance gegen ihn, Er zog mich meist zweistellig ab. Nach Mitternacht schmissen wir noch mal den Elektrogrill für einen kleinen Nachtimbiss an, inzwischen hatten wir uns auch gut mit Havanna abgefüllt. Wir saßen bis in die frühen Morgenstunden zusammen, irgendwann wurde ich aber müde und ging nach Hause.

Am Samstag wachte ich mit leichten Kopfschmerzen auf, ich wusste auch nicht woher die jetzt kamen. So gammelte ich Lustlos zuhause rum, konnte mich später dann aber aufraffen um noch einzukaufen für die Woche unterwegs. Als das erledigt war packte ich meine Tasche, so musste ich am Montagmorgen nicht alles zusammen suchen.

Sonntag gammelte ich dann vor dem PC und stalkte ein wenig das neue weibliche Mitglied im Fahrerforum, anscheinend kam sie aus Hamburg. Also nahm ich mir ein Herz und schrieb sie einfach mal unter einem Vorwand an.

Montag

Ich stand um 5 auf, duschte, frühstückte ein klein wenig, packte die Sachen aus dem Kühlschrank noch ein und fuhr dann zur Firma, wo ich kurz nach 6 aufschlug. Im Büro brannte noch kein Licht, also war noch niemand von der Dispo da. Ich holte meine Papiere und ging zum LKW, Sachen verstauen und dann wie immer, einmal um den LKW. Ich bummelte etwas rum, machte noch ein Foto vom LKW

und fuhr dann um 7 Uhr vom Hof. Ziel war ein Ort in Frankreich, irgendwas mit sur Seine. Im Navi hatte ich es aber schon eingegeben, also folgte ich ohne nachzudenken.

Am Anfang hatte ich ja noch immer versucht mit Karte zu arbeiten, aber das Navi war einfach unschlagbar, inzwischen hatte sich auch viel an der Software getan und man konnte sich darauf verlassen und hatte recht genaue Zeitangaben. Natürlich gab es Situationen wo man dem Navi nicht blind vertrauen sollte, aber wenn man etwas klar im Kopf war wusste man wann es besser war das Navi zu ignorieren.

Ich war der letzte der in diese Woche startete, alles anderen waren schon weg, nur ein paar fremde LKW standen hier noch, sie waren aber Kunden der Werkstatt, die sich ebenfalls auf dem Gelände befand.

Um diese zeit war der Verkehr natürlich schon etwas dichter, schnell erreichte ich aber dennoch die A1, als ich mich in den Verkehr eingereiht hatte, startete ich den Podcast, bisher hatte ich noch keine Zeit gehabt diesen zu hören, bei den kurzen Strecken in der letzten Woche war es mir zu ungemütlich. Nun hatte ich zeit und konnte mich drauf einlassen. Ich zuckelte mit 82 so vor mich hin, nachdem der Podcast vorbei war hörte ich weiter Musik.
Ich erreichte dann den Parkplatz Hohe Mark, hier machte ich nach 4:15 Stunden meine Pause von einer Stunde. Ich blieb im LKW und machte eigentlich gar nichts, ich guckte auf dem Handy ob ich schon eine Antwort im Forum erhalten hatte, dem war aber nicht so.

Ich setzte meine fahrt durch das Ruhrgebiet fort, vor Köln verließ ich dann die A1 und und wich auf die A4 aus, die Rheinbrücke der A1 war ja immer noch gesperrt, eigentlich ein Trauerspiel für eine Land wie Deutschland.

Ich fuhr über Aachen nach Belgien hinein, eigentlich wollte ich dann direkt nach Luxemburg abbiegen, aber dort erwartete mich die nächste Sperrung. Das Navi berechnete zügig eine Alternative und schickte mich über Liege und dann über die E411, das war ein Umweg, aber aufgrund dessen das es hier auf der Autobahn weiter ging, zeitlich verschmerzbar. Ich erreichte heute aber nichtmehr Luxemburg und machte auf einem Parkplatz vor der Grenze halt. Hier gab es nichts, so blieb mir nur über mich aus dem Kühlschrank selbst zu versorgen, zum kochen hatte ich keine Lust, so blieb es bei Brot.

Am nächsten Morgen ging es um 3:35 weiter, ich hatte eine kleine Katzenwäsche gemacht und wartete nun am Lenkrad das die letzten Minuten umgingen, das konnte sich manchmal sehr lange Anfühlen.

Nachdem die Uhr auf 3:35 sprang fuhr ich los. Durch Luxemburg ging es ohne Probleme, genauso Problemlos ging es in Frankreich weiter. An Metz vorbei verließ ich dann die Autobahn um zu meinem ziel über Department und National Straßen zu fahren.

Die Strecke war sehenswert. Irgendwann entdeckte ich am Horizont einen Silokomplex, das sollte wohl mein Ziel sein. Nach 4:25 Stunden Fahrzeit erreichte ich das Ziel.

Vor einem Bahnübergang führte eine kleine Straße zum Silo, dort standen schon die ersten LKW, ich stellte mich hinten an und ging vor zum Büro. Ich meldete mich an und wurde vertröstet, ich solle doch bitte warten. Der grund war offensichtlich, eine kompletter Zug wurde verladen, das dauerte natürlich und anscheinend war man nicht gewillt die LKW vorzuziehen. Ein gutes hatte es, dadurch das niemand laden konnte musste man nicht dauernd nachrücken. Schnell wurde die Schlange hinter mir länger, die ersten LKW mussten schon weiter fahren, da sie sonst auf der Hauptstraße gestanden hätten. Doch langsam kam Bewegung in die Sache.

Das Telefon klingelte.

Moin Hannes!
Hallo Miriam, schön dich zu hören.
Danke ebenso, wie schauts aus?

Miserabel, stehe seit geschlagenen zweieinhalb Stunden hier, jetzt geht es langsam vorwärts.
Ok, das ist ja übel, na wenn du fertig bist habe ich eine Ladung für dich aus Metz, damit fährst du zu MaBeHa, da lädst du dann das gleiche wie jetzt auch und es geht wieder nach Chatillion sur Seine, danach muss ich mal sehen, dich irgendwie nach Spanien zu bekommen, da sollst du Algen laden.
Das hört sich doch nach einem Plan an, Algen dann aus Bilbao?
Ja genau, warst da schon mal?
Ja, lange her, mit Kai noch, apropos Grüß ihn mal von mir.
Mache ich, aber dann weißt erst mal Bescheid was die Woche noch so anliegt.“
Perfekt, Wochenende dann draußen?
Ja leider.
Wieso Leider, deshalb bin ich Fernfahrer geworden, haha!
Na dann, viel Spaß.
Danke dir dann auch, wenn was ist melde ich mich.“

Jo, Tschüüs.
Während des Telefonats war ich wenigstens schon mal auf die Waage vorgerückt, dann hieß es wieder warten.

Irgendwann durfte ich dann in die heilige Hallen und abladen. Danach wieder auf die Waage und ab dafür.

Leer ging es nun nach Metz, das hieß die gleiche Strecke zurück wie hin. Bei der Strecke aber konnte man auch gerne einmal mehr hier lang fahren. Ich sag ja, Landstraßenräuber.

Mein Vorwärtsdrang wurde jäh von einem Traktor ausgebremst, Unverschämtheit das dieser jetzt grade, wo ich ich hier lang wollte, mich ausbremste, es hatte sich schon eine Schlange gebildet, wo natürlich niemand überholte, ich an letzter Stelle brauchte gar nicht an ein Überholmanöver denken. Nach endlos langen Minuten, bog der Traktor dann endlich ab. Einem Kollegen im Kipper schien der Bus dann zu langsam zu beschleunigen, er setzte zum überholen an.

Um kurz nach 15 uhr erreichte ich meine Ladestelle, sie lag mitten in Metz. Auch hier dauerte es etwas aber nach gut 2 Stunden fuhr ich wieder aus der Halle.

Theoretisch hätte es bis zum Parkplatz wieder reichen können, ich verzichtete aber darauf und machte noch in Frankreich an einer Raststätte halt, der Tag war staubig und so konnte ich mir eine Dusche gönnen, außerdem etwas warmes Essen. Mit 8:10 Stunden Lenkzeit und 14:10 Stunden Schichtzeit beendete ich den Tag.

Nach neun Stunden ging es weiter, wieder die E411 entlang, bei auffahren auf die EXX bei Liege staute es sich etwas.

Ich verlor aber Gott sei dank nicht allzu viel Zeit. Als freundlicher Kollege wechselte ich natürlich, sofern möglich, die Spur, um den auffahrenden LKW das Leben zu erleichtern, bei PKW verzichtete ich aber grundsätzlich darauf.

Als ich den Sonnenaufgang fotografieren war ich einen Moment unaufmerksam, so bekam ich nicht mit das der Kollege vor mir bremste, Ich konnte grade noch so einen Auffahrunfall verhindern.

Daraufhin beschloss ich etwas weniger mit der Digitalkamera am Lenkrad zu hantieren, so wichtig waren die Fotos nun doch nicht.

Der Rest verlief recht ereignislos, an der grenze zu Deutschland machte ich meine erste Pause und an der Raststätte Ostetal die zweite. In Hamburg einmal durch den Stadtverkehr gekämpft lief es auch bei MaBeHa reibungslos, rein abladen, laden und raus, nicht mal eine Stunde brauchte ich dafür.

Um 15:30 stand ich bei uns auf dem Hof, ich machte heute daheim Pause. Noch ein kleiner Plausch mit Ole, dann fuhr ich nach Hause.

Am nächsten Morgen war ich wieder gegen halb sieben in der Firma um um sieben zu starten. Auf der A1 entdeckten meine verschlafenen Augen dann einen bekannten DAF, über Funk versuchte ich mich bemerkbar zu machen

Vielleicht Screen

Kolega Leszek, was du machen?

Was du wollen, Kurwa!“ kam es von Leszek mit übertriebenen polnischen Akzent zurück.

Wie geht’s wie stehts, mein Lieblingspole, bist mir grade entgegen gekommen.

Ja ich hab dich auch gesehen, aber Lichthupe kennst du anscheinend nicht, Trailer nach Travemünde bringen und neuen aufnehmen und bei dir?
Kurs auf Frankreich.
Auch schön!

Japp, warst mit in Lopik oder hat dein Chef dich nicht mitgenommen?

Er hätte mich mitgenommen, aber ich hatte keine Zeit.
So wie ich auch.
Nächstes Jahr.
Das sage ich mir schon seit etlichen Jahren, bisher war ich noch nie da.“
Haha!
Na gut, dann wünsch ich dir noch guten Flug, bis denne.“
Ich dir auch, bis dann.

Es lief gut, obwohl doch gut was los war, kam man ordentlich voran, so ergab es sich das ich am Parkplatz „Hohe Mark“ wieder meine Pause machte, auch der Rest lief exakt so wie am Montag ab, die direkte Strecke nach Luxemburg war weiterhin gesperrt, also weiter über die E411 wo ich wieder kurz vor der Grenze nächtigte.

Ich machte aber nur 9 Stunden Pause, so fuhr ich diesmal schon um 1.35 ab.

So erreichte ich den Kunden schon um kurz vor sechs, ob es nun daran lag oder daran das kein Zug beladen wurde, jedenfalls dauerte es diesmal insgesamt nur eine Stunde. Am hier ging es dann auch andere weiter als die Tour zuvor. In Bourges lud ich Aluschrott für eine Aluminiumhütte in Bilbao. Also ging es weiter westlich auf der Landstraße. In Bourges stand ich um kurz nach 10 auf dem Hof, es war ein größerer Industriebetrieb, das hieß zwar alles war organisiert, aber meist mit langen Dienstwege und damit langen Wartezeiten.


Da ich aber wohl etwas außerhalb der normalen Verladung lief, Hauptteil waren natürlich die hergestellten Waren, ging es mit anderthalb Stunden doch recht zügig, ich konnte also Kurs auf Spanien nehmen.

Mein Vorwärtsdrang würde jäh vom Tacho ausgebremst, dieser verlangte nach einer Pause, um 12.30, für mich persönlich viel zu früh, aber das war nun mal Gesetz.


Nach wieder nur 9 Stunden ging es noch am Abend weiter, ich hatte kaum geschlafen, eher vor mich hingedöst und mir in den umliegenden Einkaufszentren die Zeit vertrieben. Da ich eh meine letzten Lenkzeitstunden einteilen konnte, machte ich nur eine kurze Schicht von knapp über 4 Stunden. So nächtigte ich auch der „Aire de Polombiers“ an der A89. Nach nun über 24 Stunden mehr oder weniger Wach, schlief ich dort direkt ein. Den Wecker hatte ich mir auf 17 Uhr gestellt.

Ich wachte aber deutlich vor dem Wecker, um 14.15 auf, entspannt startete ich in den Tag, gönnte mir ein ordentliches Frühstück im Restaurant und fuhr dann um 16 Uhr weiter. Um 19:45 machte ich meine 45er an der Grenze zu Spanien. Dann ging es die restlichen 2 Stunden weiter nach Bilbao, wo ich im Hafen meine Wochenende einläutete.

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