29. Lots of work and lots of memories Part 2

Donnerstag, den 5. November 2020, 4:00 am, PST, Patterson, CA:

Auch heute holte mich Totos Pamela wieder aus dem Schlaf. Weiterhin ließen mich die Ereignisse, die inzwischen vier Jahre zurück lagen, nicht los. Selbst in meinen Träumen verfolgten sie mich.

Nachdem ich die Kaffeemaschine in Gang gesetzt hatte, ging ich in den Truckstop und nutzte die Dusche. Da es ein Flying J war, holte ich mir hier auch den ersten Kaffee des Tages. Um fünf Uhr begann ich mit der PTI und machte mich im Anschluss auf den Weg. Mein persönliches Ziel für den heutigen Tag war es, in Quartzsite noch anzukommen und den Trailer am Ziel abzustellen. Über die CA-130 fuhr ich zurück zur I-5 S in Richtung Los Angeles. Dann beschleunigte ich auf 56, legte den Tempomat ein und rollte dahin. Dann ließ ich meine Gedanken wieder in den Herbst 2016 abschweifen.

Am Morgen nach dem Kampf mit Miguel stand ich mit einigen Schmerzen auf. Es war ja nicht so, dass ich ihm nur Schläge verpasst hatte. Ich hatte auch welche einstecken müssen. Vor dem Spiegel betrachtete ich meine Hämatome. Es sah noch schlimmer aus, als es sich anfühlte. Trotzdem zog ich nach der Dusche meine Uniform an. Damit musste ich klarkommen. Ich war ein Marine. Außerdem ein DI. Ich absolvierte meinen Dienst und wenn die Schmerzen heftiger wurden, ließ ich es an meinen Rekruten aus. So vergingen die nächsten Tage.

Mit Pam verbrachte ich, wie die meisten frisch verliebten Paare, jede freie Minute. Sie wollte ja vorher nicht, dass ich mir Miguel zur Brust nahm, da ich uns jetzt aber nur verteidigt hatte war die Sache okay. Sie wirkte sogar so, als sei sie insgeheim doch ein wenig stolz auf mich. Langsam war ich nicht mehr der hombre loco. Ich wurde zu Steve und sogar ab und zu zum Darling. Auch bei mir änderte sich die Bezeichnung, die ich ihr gab. Pamela wurde zu Pam und in der passenden Situation zum Sweetheart. Wir unternahmen viel, gingen spazieren oder zum Tanzen. Mehr versuchte ich noch nicht. Ich wollte ihr die Zeit lassen, die sie brauchte.

Eines Samstags hatten wir dann beschlossen zum Strand zu fahren. In San Diego ging das ja das ganze Jahr über. Ich holte sie ab und wir fuhren nach Imperial Beach. Das war von San Ysidro die nächste Möglichkeit an den Pazifik zu kommen. Am Strand suchten wir und eine schöne Ecke und breiteten die Decke aus, die ich mitgenommen hatte. Dann zogen wir uns bis auf die Badesachen aus. Ich trug die üblichen Badeshorts und Pam einen sexy Bikini. Wir hatten uns beide noch nie mit so wenig Stoff am Körper gesehen, also betrachteten wir uns gegenseitig genau. Pam schaute auf meine immer noch sichtbaren Hämatome. „Sind die noch von Miguel?“ Ich nickte. Sie kam näher und küsste die Stellen. „Mein armer Darling.“, hauchte sie mir ins Ohr. Dann grinste sie. „Du solltest aber öfter mal dein Shirt aus lassen.“ Man sah deutlich den Unterschied am halben Oberarm, genau wie am Hals. „Wir bezeichnen das auch als NATO-Bräune.“, antwortete ich grinsend. „Im Dienst muss ich mich ja an die Vorschriftsmäßige Bekleidung halten. Da kann ich nicht einfach das Hemd oder Shirt ausziehen.“ Ich betrachtete weiter Pams Körper. „Deinen perfekten Teint bekomme ich sowieso nicht hin.“ Pam küsste weiter zärtlich die Hämatome. Die Küsse und ihr Anblick in dem Bikini verursachten dann was anderes. Als sie es bemerkte, begann sie wieder frech zu grinsen. „Also Mr. Murdock.“, begann sie gespielt empört. „Ich glaube, du gehst besser mal ins kalte Wasser. Oder willst du noch wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet werden.“ Ich lief knallrot an. Meine Erregung ließ sich, trotz der Badeshorts deutlich erkennen. Wir sprangen auf und liefen schnell ins Wasser, wo wir uns beide abkühlten. Dann alberten wir in der Brandung herum.

Zurück am Strand begann ich Pam einzucremen. „Wenn das jetzt wieder was verursacht, legst du dich gleich besser auf den Bauch.“, sagte sie grinsend. „Yes, Ma’am.“, sagte ich lachend. „Ich deute mal daraus, dass du langsam auch mehr möchtest, als nur Händchen halten.“, sagte sie und lächelte mich verliebt an. „Natürlich möchte ich das. Ich werde dich aber nicht drängen. Ich lasse dir die Zeit, die du brauchst.“ „Das ist weniger das Problem.“, antwortete sie sanft. „Ich möchte auch mehr. Ich weiß nur nicht wo wir das machen sollten.“ „Wieso?“ „Bei mir können wir das vergessen.“ „Dein Vater hat mich doch offiziell in der Familie Willkommen geheißen.“ „Schon. Meine Eltern sind aber so streng katholisch, dass sie meinen, man müsse jungfräulich in die Ehe gehen.“ „Ist das dein Ernst?“ „Meiner nicht. Der meiner Eltern.“, sagte sie grinsend. „Willst du mir sagen, du bist noch Jungfrau?“ „Quatsch. Meine Freunde hatten ja auch Betten.“, sie lachte herzlich. „Natürlich.“, ich errötete wieder. „Du wohnst aber in der Kaserne. Da geht das sicher nicht.“ „Ja. Ich habe schon verstanden.“ „Auf Sex im Auto oder in der Natur stehe ich nicht. Ich möchte schon sowas wie ein Bett haben.“ „Dann brauchen wir ein Motel oder sowas.“ „Schon eher. Du darfst mich aber auch gerne in ein fünf Sterne Hotel einladen.“, sagte sie grinsend. „Übertreib mal nicht.“ „Warum? Da gibt es wenigstens keine Bettwanzen.“ „Wenn du meinst, dass unser erstes gemeinsames Mal ein besonderes Umfeld braucht, dann leisten wir uns auch sowas.“ „Geht doch.“, grinste sie. „Wie erklärst du deinen Eltern, dass du über Nacht nicht nach Hause kommst?“ Ihr Grinsen verschwand. „Das nächste Problem.“, stöhnte sie. „Moment… Ist LA weit genug weg?“ „Was?“, fragte sie irritiert. „LA. Los Angeles. Ist das weit genug weg für einen Ausflug mit Übernachtung?“ „Wie meinst du das?“ „Wenn wir, zum Beispiel zu einem Shopping Bummel nach LA fahren. Würden dich deine Eltern dort übernachten lassen? Ich will ja nicht gleich Flugtickets nach New York buchen.“ „Das müsste ich mal fragen.“, sagte sie zögerlich. „Hallo? Du bist 22, Sweetheart.“ „Ich weiß.“ „Du bist alt genug um Alkohol zu kaufen und traust dich nicht einfach über Nacht wegzufahren?“ Jetzt errötete sie. „So hat man mich erzogen.“ „Wer ist hier jetzt loco? Du bist Temperamentvoll, selbstbewusst und nicht auf den Mund gefallen. Jungfrau bist du auch nicht mehr. Dann solltest du auch mal eine Nacht von zu Hause wegbleiben können.“ „Kennst du etwa nicht den Spruch von den Füßen unter dem Tisch?“ „Der war einer der Gründe, warum ich mit 18 zu Hause abgehauen bin.“ „Ich liebe aber meine Eltern. Ich könnte niemals den Kontakt zu ihnen abbrechen.“ „Das sollst du ja auch gar nicht.“ „Okay. Dann machen wir das. Eine Nacht in LA.“ „Dann werde ich alles arrangieren.“

LA war jetzt auch das Stichwort. Ich hatte den Tejon Pass überquert und kam jetzt nach Greater Los Angeles. Der Verkehr wurde dichter. Es war Vormittag und ich musste mich nun voll auf die Straßen konzentrieren. Die Interstate 210 sollte bei Pasadena völlig verstopft sein, also blieb ich auf der Interstate 5. Es ging an Hollywood, Burbank und Glendale vorbei. Immer auf Downtown Los Angeles zu. An der Ausfahrt 135B wechselte ich dann auf die I-10 E In Richtung San Bernadino.

Auch auf dem San Bernadino Freeway musste ich mich gut konzentrieren. Einfädeln und Spurwechsel waren nicht unbedingt die Paradedisziplinen amerikanischer Autofahrer. Je weiter ich aber nach Osten kam, umso mehr konnte ich mich wieder entspannen. Irgendwann schweiften meine Gedanken wieder ab.

Es war dann am 19. November 2016. Thanksgiving war nicht mehr weit entfernt. Es war die Zeit, in der mein Bruder, Marc Geburtstag hatte. Mein kleiner Bruder würde am morgigen Sonntag 21 werden. Für dieses Wochenende hatte ich dann unser Wochenende in LA geplant. Ich hatte eine Tasche mit meinen Sachen gepackt und war auf dem Weg nach San Ysidro, um Pam abzuholen. Schließlich stand ich vor dem Haus meiner Schwiegereltern in spe und klingelte. Brenda kam an die Tür. „Guten Morgen, Steve. Komm kurz rein. Pamela ist gleich soweit.“ Ich folgte ihr in die Küche, wo Alejandro am Tisch saß. „Pamela, Steve ist da.“, rief Brenda in Richtung von Pams Zimmer. „Setz dich.“, sagte Alejandro zu mir. Ich nahm Platz. „Ich hoffe, du benimmst dich.“, sagte Alejandro zu mir und schaute mich eindringlich an. Ich nickte nur. „Ich bin mir sicher, dass sich Steve wie ein Gentleman benehmen wird.“, sagte Brenda. „Das will ich hoffen.“, sagte Alejandro nochmal. „Natürlich.“, sagte ich knapp. „Ansonsten nehme ich dir das Versprechen ab, dass du meine Tochter heiraten wirst und sie nicht entehrst.“ Ich setzte ein gequältes Lächeln auf. „Ich würde Pamela niemals im Stich lassen.“ „Ich verlasse mich darauf.“ „Das kannst du.“
Pam betrat den Raum und bemerkte die angespannte Situation.
„Okay, was ist hier los?“ Sie funkelte ihre Eltern aus ihren schwarzen Augen wütend an. „Ich habe Steve nur gebeten sich zu benehmen und ihm das Versprechen abgenommen, andernfalls die Konsequenzen zu tragen.“, sagte Alejandro streng. „Ihr seid sowas von peinlich.“, rief Pam wütend. „Ich muss mich ja für euch schämen.“ „Es ist alles in Ordnung.“, sagte ich beschwichtigend. „Manchmal frage ich mich, warum ich noch hierbleibe und mir keine eigene Wohnung nehme.“, sagte Pam sauer. Ihr Temperament kam wieder mal durch. „Wir machen uns nur Sorgen.“, sagte Brenda. „Ihr wisst schon, dass ich volljährig bin. Ihr behandelt mich, als ob ich zwölf wäre.“ „Solange du deine Füße unter meinen Tisch tust…“, begann Alejandro. Auch sein Temperament war erwacht. „Ich kann es nicht mehr hören.“, fuhr Pam dazwischen. „Lass uns fahren, Steve.“ Sie drehte sich auf dem Absatz um, nahm ihre Tasche und ging. Ich zuckte entschuldigend die Schultern und folgte Pam. „War das nötig?“, fragte ich sie draußen. „Frag das meine Eltern.“, sagte Pam wütend. Ich nahm sie in den Arm und küsste sie. „Das wird unser Wochenende. Lass es dir da nicht von versauen.“ Sie lächelte mich an. „Du bist süß.“ Ich hielt ihr die Tür auf und ließ sie einsteigen. Dann setzte ich mich ans Steuer. „Lass uns fahren. Bevor sich meine Eltern das noch anders überlegen.“

Es wurde Zeit für meine Pause. Das passte aber ganz gut. Ich war lange durchgefahren, um Greater Los Angeles wieder zu verlassen. Nun blieb mir aber nichts anderes übrig. Es ging auf 1 pm zu. Passenderweise erreichte ich gerade die Ausfahrt 120. Hier lag das Pilot Travel Center, North Palm Springs, wo ich ja auch schon öfter war. Dort suchte ich mir dann einen Parkplatz. Zuerst wurde es dann Zeit, die Toiletten aufzusuchen. Danach kümmerte ich mich ums leibliche Wohl. Leider blieb mir hier nur Wendy’s als Anbieter von Lebensmitteln. Cinnabon war eher was fürs Frühstück. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war noch ein Del Taco, das war aber von den großen Tex-Mex Ketten auch nur die, welche ich am wenigsten mochte. Also holte ich mir auf die Schnelle einen Burger und eine Coke. Ich blieb dann auch nur die vorgeschriebene halbe Stunde und machte dann, dass ich nach Arizona kam. Es ging zurück auf die I-10 E, Tempomat auf 56 und rollen lassen. Meine Gedanken gingen wieder in den November 2016 zurück.

Auf dem Weg nach Los Angeles fragte ich: „Wo willst du denn hin zum Shoppen?“ „Nach LA. Das hatten wir doch gesagt.“ „Ja, wo denn da? LA ist groß.“ „Ich hab keine Ahnung. Downtown? Hollywood?“ „Wir können auch nach Beverly Hills.“, sagte ich grinsend. „Hast du etwa einen Goldesel? Mein Nachname ist Cortez und nicht Rockefeller.“ „Also streichen wir Rodeo Drive und Wilshire Boulevard.“ „Also Hollywood wäre das höchste, was mein Konto hergibt.“ „Also nach Hollywood?“ Pam überlegte eine Weile. „Ich habe eine bessere Idee. Outlet Shopping. Lass uns zum Citadel Outlets fahren. Außerdem hat dieses Jahr die neue Mall The Bloc eröffnet. Wenn wir da nichts finden, könnten wir immer noch nach Hollywood fahren.“ „Okay. Citadel Outlets liegt direkt am Santa Ana Freeway. Fangen wir da an.“

Wir erreichten das Outlet Center und begannen unseren Shoppingbummel. Dabei kam Pams Temperament wieder voll raus. Schließlich gab es hier genug Shops, die auch tolle Sachen für unsere Altersgruppe hatten. Nicht nur Pam hatte dann hinterher wieder einiges mehr in ihrem Kleiderschrank, auch mein Portmonee musste kräftig bluten, da Pam der Meinung war, mich erstmal „Vernünftig“ einkleiden zu müssen. Ich bekam, genau wie Pam, elegante Freizeitklamotten, mit denen man in Clubs und zum Tanzen gehen konnte. Außerdem Casuals und Sportkleidung. Ich dachte schon mit Grauen an die nächste Kreditkartenabrechnung.
Es gab hier auch genug für das leibliche Wohl, so konnten wir wenigstens zwischendurch mal durchatmen und ausspannen. „Okay, Hollywood vergessen wir besser, sonst habe ich hinterher noch Schulden.“, sagte Pam dann. „Gott sei Dank.“, sagte ich, zwinkerte ihr dabei aber schelmisch zu. „Wo hast du denn ein Hotel gebucht?“, fragte mich Pam neugierig. „Downtown. Ich hatte vermutet, dass wir dort shoppen wollen.“ „Passt. The Bloc ist auch in Downtown.“ „Wo denn da?“ „Moment.“ Sie nahm ihr Smartphone und suchte es raus. „700 W 7th Street.“ „Moment mal. Unser Hotel ist S Hope, Ecke 7th Street.“ „Welches Hotel?“ „Du wolltest ein Luxus Hotel. Es hat zwar nur 4 Sterne, ist aber immerhin das Sheraton Grand Los Angeles.“ „Echt? Das ist direkt neben der Mall.“ Sie sprang auf, kam zu mir und gab mir einen langen Kuss. „Steven Murdock. Irgendwie bist du doch ein bisschen loco.“ „Ich habe es dir schonmal gesagt. Ich bin verrückt. Einfach verrückt nach dir.“ „Dafür werde ich dich heute Abend richtig verwöhnen.“, sagte sie und warf mir einen verführerischen Augenaufschlag zu.

Wir setzten unseren Shopping Bummel fort und fuhren hinterher nach Downtown. Dort checkten wir im Sheraton ein. Der Mann vom Parkservice war zwar nicht begeistert, dass er einen Hummer unterbringen musste, ich hatte aber nun mal mit Parkservice gebucht. Pam kam im Hotel aus dem Staunen nicht heraus. Sie hatte es eher als Scherz gemeint, als sie vom fünf Sterne Hotel gesprochen hatte. Jetzt verschlug ihr das vier Sterne Hotel schon fast die Sprache. Schon in der Lobby flüsterte sie mir zu: „Du bist wirklich loco. Ich weiß doch gar nicht, wie man sich in so einem Palast benimmt.“ Ich grinste. „Du wolltest sogar noch eine bessere Kategorie.“ „Das war ein Scherz.“
An der Rezeption wurden wir freundlich begrüßt. „Herzlich Willkommen im Sheraton Grand Los Angeles. Haben sie reserviert?“ „Selbstverständlich. Sie haben eine Reservierung auf den Namen Steven Murdock.“ „Hier habe ich sie. Eine Übernachtung für zwei Personen. Mr. Murdock und Miss Cortez.“ „Das ist korrekt.“ „Sie haben einen Traditional Guest Room, King, mit City View geordert. Ich kann Ihnen für nur 15 Dollar Aufpreis ein Upgrade auf Deluxe anbieten.“ „Was beinhaltet das?“ „Die Zimmer sind etwas hochwertiger eingerichtet. Außerdem sind es Eckzimmer. Sie haben also den Blick zu zwei Seiten. Falls Sie einen romantischen Abend geplant haben, kann ich den Blick auf die Skyline nur empfehlen.“ „Wir nehmen das Upgrade.“ Pam lief schon knallrot an. „Vielen Dank, Mr. Murdock. Ich weise Sie noch auf den für Gäste kostenfreien Fitnessbereich hin.“Vielen Dank.“ Sie händigte uns jeweils eine Schlüsselkarte aus und bedankte sich für die Buchung. Dann fuhren wir mit dem Lift nach oben.  „Traditional hätte vollkommen ausgereicht.“, flüsterte mir Pam zu. „Wir haben gesagt, dass es eine besondere Nacht wird. Dafür ist mir nichts zu teuer.“

Im Zimmer angekommen, war Pam dann völlig aus dem Häuschen. „Ich kann nicht glauben, dass wir hier übernachten.“ Sie lief zu den Fenstern. „Guck dir mal diese Aussicht an. Das ist unglaublich.“ Sie erkundete weiter das Zimmer. „Ich werde verrückt. Ein Marmorbadezimmer.“ Sie kam wieder zu mir, aufgeregt, wie ein kleines Kind. Dann umarmte sie mich und küsste mich lang und intensiv. Anschließend fragte ich sie: „Genügt das Zimmer deinen Ansprüchen für unsere erste Nacht?“ „Soll das ein Witz sein? Es ist einfach perfekt.“ „Nur das Beste für meine Novia.“ Sie verschloss meinen Mund mit einem weiteren intensiven Kuss. „Du bist das allerbeste, was mir jemals passiert ist.“, sagte sie dann. „Ich bin sowas von glücklich mit dir.“

Vor dem Abendessen zogen wir uns nochmal um. Pam trug ein sexy Kleid und Heels. Für mich hatte sie was elegant Legeres rausgesucht. Dann fuhren wir nach unten. Hier nahmen wir ein romantisches Candlelight Dinner im Hoteleigenen Restaurant „District on the Bloc“ ein. Pam fühlte sich in der eleganten Umgebung zwar erst etwas unwohl, ich tat dann aber alles, damit sie sich langsam entspannte. So wurde der Start in den Abend wunderschön. Nachdem Pam sich entspannte hatte, begann sie damit mir flirtende Blicke aus ihren schwarzen Augen zuzuwerfen. Schließlich konnte ich es kaum erwarten, dass wir zurück aufs Zimmer kamen.

Ich war an Blythe vorbei und überquerte den Colorado River nach Arizona. Zum ersten Mal, seitdem ich diesen Job machte, galt hier schon eine andere Uhrzeit, als zu Hause. Eben war es noch halb Vier jetzt hatten wir kurz nach halb Fünf, Mountain Standard Time. An Ehrenberg fuhr ich vorbei. Tanken konnte ich auch auf der Rückfahrt. Aber sicher nicht mehr heute. Dafür reichte meine Zeit nicht mehr aus. Am Ehrenberg Port of Entry bekam ich einen Bypass. Das war mir sehr recht. So verlor ich wenigstens keine weitere Zeit.

An der Ausfahrt 17 verließ ich dann die Interstate. Die weitere Beschilderung ließ mich lachen. Ich war in einem Kaff mit nicht einmal 4000 Einwohnern. Trotzdem gab es hier eine I-10 Business Lane. Diese führte mich auf die W Main Street, über die es zur Ortsmitte ging. An der, vermutlich einzigen Ampelkreuzung des Ortes, konnte ich dann entweder rechts auf die US-95 S, geradeaus weiter der Business Lane folgen, oder links auf die AZ-95 N fahren. Das Navi sagte links, also bog ich links auf den N Central Boulevard, der nicht so glamourös war, wie es klang. Nach einer halben Meile hatte ich dann unseren Discount Store rechterhand liegen. Über eine Seitenstraße kam ich zur Einfahrt zum Wareneingang. Ich setzte den Trailer an die Rampe und sattelte ab. Sofort begannen die Mitarbeiter des Marktes den Trailer zu entladen. Offensichtlich war die Ladung Tiefkühlware wirklich dringend. Ein Anschlussauftrag stand auch schon im System:

PICKUP: AZQZS
MARKET: DCS4567
GATE: 99
TRAILER: RE133853
FREIGHT: USED PACKAGING
WEIGHT: 29,079 LB
DROP: EST-AZPHX
PRIORITY: STANDARD

WAT-CASAC-DSN

Am Donnerstagabend einen Trailer zu übernehmen, der mich noch weiter von zu Hause wegbrachte, versetzte mich nicht gerade in Begeisterung. Ich vermutete aber, dass es der einzige Trailer in Quartzsite war, den ich überhaupt bekommen konnte. Die Angaben über Trailer Nummer und Standplatz hätten auch wegbleiben können. Außerdem, so weit war Phoenix ja auch nicht entfernt. Ich sattelte also den Reefer auf und erledigte die PTI. Nun konnte ich mir einen Parkplatz für die Nacht suchen. Es gab tatsächlich zwei Truckstops zur Auswahl in dem Kaff. Normal bevorzugte ich ja Pilot / Flying J für meine Pausen. Als ich in meiner App aber die Auswahl der Restaurants sah, die hier aus DQ und Subway bestand, war ich nicht gerade begeistert. Der andere Truckstop war von Love’s. Die waren eigentlich auch ganz okay. Subway gab es bei beiden. Love’s hatte aber auch noch Chester’s Chicken im Fastfood Angebot. Das war mir wesentlich sympathischer, als DQ. Also entschied ich mich heute mal für Love’s.

Um sechs Uhr, Ortszeit hatte ich dann meine endgültige Parkposition erreicht und konnte meine Triebwerke abstellen. Feierabend. Für eine Laufrunde war es mir hier, in unbekanntem Terrain, schon zu dunkel. Ich verzichtete also darauf. Auf die Dusche und das gebratene Geflügel im Anschluss verzichtete ich allerdings nicht. Bei dem abendlichen Telefonat mit Pam berichtete ich ihr, wo ich mich gedanklich mit befasste hatte. Dann schwelgten wir beide in Erinnerungen.
Nach dem Telefonat schaute ich noch etwas YouTube und ging dann zeitig schlafen.

Freitag, den 6. November 2020, 5:00 am, MST, Quartzsite, AZ:

Durch die Zeitverschiebung stand heute eine Fünf auf der Uhr, als ich aufstand. Es war aber die gleiche Zeit, wie sonst. Nachdem ich, wie immer, die Kaffeemaschine in Gang gesetzt hatte, ging ich in den Truckstop zum Duschen. Anschließend machte ich mich für die Schicht startklar. Um sechs Uhr begann ich dann mit der PTI, anschließend machte ich mich auf den Weg nach Phoenix. Dieser führte mich zuerst auf die I-10 E. Dann beschleunigte ich den Kenworth bis an den Begrenzer und legte den Tempomat ein. Während ich dann dem baldigen Sonnenaufgang entgegen fuhr, gingen meine Gedanken eher an den Abend des 19. Novembers 2016 zurück.

Nach dem Candlelight Dinner im Restaurant des Hotels fragte ich Pam: „Sollen wir noch einen Verdauungsspaziergang machen?“ „Lass uns lieber aufs Zimmer gehen.“, antwortete sie. Dann kam sie näher und flüsterte mir ins Ohr: „Kalorien verbrauchen wir gleich sicher genug. Außerdem bin ich heiß auf dich.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
Wir nahmen den Lift und fuhren nach Oben. Als wir im Zimmer waren, lief Pam wieder zum Fenster. „Mit den ganzen Lichtern ist der Blick noch viel schöner, als vorher.“ „Dann hat sich das Upgrade doch gelohnt.“, antwortete ich grinsend. „Okay, mi novio caliente. Ich werde dann erstmal noch etwas mehr romantische Stimmung schaffen.“ Pam ging an ihre Tasche. Dort holte sie eine Bluetooth Sound Box für ihr Smartphone heraus. Dann holte sie auch die entsprechenden Netzkabel raus. „Nicht, dass uns gleich die Musik ausgeht.“ Als alles bereit war, sagte sie zum Smartphone: „Starte Pams romantic Playlist 1.“ Kurz darauf hatten wir stimmungsvolle Musik. Als nächstes holte sie einen Beutel Teelichter und ein Feuerzeug aus der Tasche. Sie verteilte die Teelichter im Raum und zündete sie an. „Du bist ja auf alles vorbereitet.“ „Por supuesto, querido.“, sagte sie sanft.
Mir fiel auch noch was ein. Ich durchsuchte meine Tasche, fand das Gesuchte aber nicht. Ich schaute nochmal gründlicher. Fehlanzeige. „Mierda!“, fluchte ich. „Seit wann fluchst du spanisch?“, fragte Pam belustigt. „Das muss der schlechte Einfluss meiner Novia sein.“ „Okay.“, sagte sie langgezogen. „Sagst du mir auch, warum du fluchst?“ „Por supuesto, querida. Ich Tonto habe die Packung mit den Kondomen zu Hause vergessen.“ Pam schaute mich mit großen Augen an. „Du hast was?“ „Du hast leider richtig verstanden. Dann muss ich eben noch mal los. Vielleicht ist ja ein Drugstore in der Mall.“ Pam funkelte mich mit ihren Augen an. „¡No! Quédate aquí conmigo ahora.“, sagte sie dann. „Was?“, fragte ich irritiert. „Ich lasse dich jetzt nicht gehen.“, sagte sie entschieden. „Aber…“ Sie kam zu mir und schlang ihre Arme um meinen Hals. „Kein Aber.“, flüsterte sie mir verführerisch ins Ohr. „Ich will dich. Und zwar hier und jetzt.“ „Bist du sicher?“ „Ich war mir noch nie so sicher.“ „Und wenn…“ „Es wird schon nichts passieren.“, sagte sie und schmiegte sich an mich. „Wenn du meinst.“ Sie begann mein Hemd aufzuknöpfen. „Ich will jetzt diesen großen, starken Mann, der Miguel einfach so besiegt hat.“ Nachdem sie mir mein Hemd ausgezogen hatte, schlüpfte sie aus ihren Heels und kickte sie einfach in den Raum. Dann zog sie ihr Kleid aus und gab den Blick auf die Dessous frei, die sie zu dem Anlass trug. „Willst du jetzt wirklich gehen?“, hauchte sie verführerisch. „Nein.“, sagte ich entschieden. „Ich bleibe, Sweetheart.“

Ich hatte inzwischen Phoenix erreicht. Eigentlich wollte ich dann an der Ausfahrt 141, 35th Ave, von der Interstate fahren. Auch das Navi war der Meinung. Die Ausfahrt war aber gesperrt. Soweit ich das gegen die tiefstehende Sonne erkennen konnte, stand in der Ausfahrt ein Truck mit Flatbed. Der hintere Gurt hatte sich wohl verabschiedet und die Rohre, die der Truck geladen hatte, hatten dann wohl der Schwerkraft nachgegeben.

Was ich mich dabei mehr fragte war, wie eine Ladung Rundrohre einen Gurt durchscheuern konnten. Das wäre bei der Materialstärke schon bei Vierkantrohren äußerst schwierig. Ich vermutete mal eher, dass jemand den Kollegen nicht leiden konnte und sich mit einem Messer am Gurt zu Schaffen gemacht hatte. Beim Nachspannen hatte der Kollege dann den Gurt so angespannt, dass die Erschütterungen der Fahrt ausreichten, um den Gurt zum Reißen zu bringen. Eben solche Erschütterungen hatten dann vermutlich die dann ungesicherten Rohre aus der Verkeilung gerüttelt. Wie auch immer es passiert war, mich zwang es zu einem kleinen Umweg.

Die nächste Anschlussstelle war die Ausfahrt 143A, über die ich dann auf die I-17 N in Richtung Flagstaff wechselte. Bei der Überquerung der beiden Interstates hatte ich von der Brücke dann einen tollen Blick auf Phoenix Skyline, hinter der gerade die Sonne stand.

An der Ausfahrt 201 verließ ich dann die Interstate und bog links ab. Dann fuhr ich eben von dieser Seite die Thomas Road entlang, an der das Außenlager lag. Dort angekommen, durfte ich den Trailer mit den Altverpackungen mal wieder in die berüchtigte Ecke schieben. Wenigstens hatte ich keinen 53 Fuß Trailer im Schlepp. Bei denen wurde es etwas eng. Mit den kürzeren Trailern klappte es ganz gut. Nachdem ich abgesattelt hatte, schaute ich mir den nächsten Auftrag im System an:

PICKUP: VIP-AZPHX
TRAILER: VIPXXX
FREIGHT: PROMOTIONAL FLYERS
WEIGHT: 18,001 LB
DROP: EST-CASAC
PRIORITY: STANDARD

WAT-CASAC-JMU

Eine Direktfahrt nach Hause war genau das, was ich nun brauchte und die hatte ich bekommen. Bei dem Lieferantenkürzel dachte ich aber eher an Prominente, als an Vistaprint. Die nächste Frage, die vermutlich ein ewiges Rätsel bleiben würde war das eine Pfund, was über die 18.000 hinausging. Wobei das eigentlich egal war, ob ich nun 18.000 Pfund oder ein Pfund mehr hatte. Die Druckerei, die hier der örtliche Vistaprint Partner war, lag an der 33rd, Ecke Indian School Road. Ich hatte bei der Anfahrt eben gesehen, dass die 33rd Ave von der Thomas Road abzweigte. Dann sollte es ja nicht so schwer sein, die Ladestelle zu finden. Ich machte mich dann Bobtail auf den Weg und stand keine 15 Minuten später in der Einfahrt zur Druckerei.
Genau wie in San Diego, wo ein Freund aus unserer Zeit dort, arbeitete, war die Druckerei ein Subunternehmen von Vistaprint, oder besser gesagt Cimpress, wie der Konzern inzwischen hieß, wobei Vistaprint weiter als Markenname genutzt wurde. In San Diego hieß das Unternehmen Ridley Print. Unser Freund hatte mal erzählt, dass der Boss ein aalglatter Geschäftsmann war, der sich nicht um seine Arbeiter scherte, geschweige denn sich mit ihnen abgab. Der schwebte wohl in seinen eigenen Sphären. Bei einem Telefonat berichtete er mal, dass die Familie seines Chefs inzwischen wohl zerbrochen war und man ihm seitdem am besten nicht unter die Augen trat. Ich hatte zwar lange Streit mit meinem Vater gehabt, aber eines wusste ich immer. Seine Leute waren ihm nicht egal. Da er sich von unten hochgearbeitet hatte, wusste er, was jeder Einzelne leistete und erkannte es an. Er hatte auch immer ein offenes Ohr für seine Leute.

Ich meldete mich beim Pförtner an und quittierte die Übernahme. Dann schickte mich dieser auf den Hof und zu einer Laderampe, an der unter anderem ein 28 Fuß Reefer stand. Diesen sollte ich bekommen. Was zur Hölle wollte eine Druckerei mit einem Reefer? Ich vermutete dann, dass der Eigentümer des Trailers nicht die Druckerei war, sondern ein Transportunternehmen die nicht nur für die Druckerei fuhren. Kundenwerbung brachte ja auch noch etwas Geld ein und vertiefte auch die Kundenbindung.
Ich sattelte den Single-Pup auf und erledigte die PTI. Danach konnte ich mich auf den Weg nach Hause machen.
Ich nahm die Indian School Road bis zur 35th Avenue und fuhr über diese nach Süden. Schließlich erreichte ich die Anschlussstelle der Interstate, an der ich vorhin eigentlich abfahren wollte. Hier nahm ich dann die I-10 W in Richtung Los Angeles. Nun beschleunigte ich wieder bis an den Begrenzer und legte den Tempomat ein. Danach gingen meine Gedanken wieder an die Ereignisse zurück, die inzwischen vier Jahre her waren.

Der Abend in dem Hotelzimmer in Los Angeles war einfach traumhaft. Ich hatte vorher noch nie so eine leidenschaftliche und temperamentvolle Frau gehabt, wie Pam. Das Beste daran war, dass sie meine feste Freundin war. Sie war nicht irgendein One-Night-Stand, wie ich zahlreiche hinter mir hatte. Sie war bei mir, wir waren ein Paar, wir waren zusammen und das war gut so. Wir entdeckten gegenseitig den Körper des anderen, waren liebevoll und zärtlich, nur um im nächsten Moment wieder leidenschaftlich und temperamentvoll zu sein. Wir kannten uns erst kurz und trotzdem wurde mir an diesem Abend schon klar, dass ich mit dieser wundervollen Frau den Rest meines Lebens verbringen wollte. Irgendwann schliefen wir dann glücklich aneinander gekuschelt ein.

Am nächsten Morgen hatte ich dann das erste Mal in meinem Leben das Glück, neben Pam aufzuwachen. Als ich mich zu ihr umdrehte, merkte ich, dass sie schon wach war und mich verliebt aus ihren wunderschönen Augen ansah. „Guten Morgen, Sweetheart.“, sagte ich sanft zu ihr. „Guten Morgen, Darling.“ „Bist du schon lange wach?“ „Eine Weile schon.“ „Warum hast du mich dann nicht geweckt?“ „Du hast beim Schlafen so süß ausgesehen. Da konnte ich das nicht. Ich musste dich einfach nur ansehen.“ „Bist du glücklich?“ „Oh, ja. Sehr glücklich.“ „Ja, ich glaube der Abend war…“ „…einfach perfekt.“, beendete Pam den Satz. „Ich bin ja sicher keine Klosterschülerin oder Heilige, auch wenn meine Eltern das gerne hätten, aber so schön, wie gestern, war es bisher mit keinem.“ „Vielleicht hattest du immer nur Bad Guys.“, sagte ich grinsend. „Du ahnst gar nicht, wie einfühlsam auch Bad Guys sein können.“, sagte Pam und schenkte mir ein bezauberndes Lächeln. „Mein kleines, böses Mädchen.“, sagte ich grinsend. Ich beugte mich zu ihr und gab ihr einen langen Kuss. „Was hältst du von einer schönen, gemeinsamen Dusche. Wir müssen das Marmorbad noch ausprobieren.“ Sie sprang aus dem Bett und stand splitternackt vor mir. „Wer kann bei diesen Aussichten noch nein sagen?“

Irgendwann war dann auch die Dusche beendet und wir hatten uns angezogen. Dann fuhren wir nach unten zum Frühstücken. Wir bedienten uns am reichhaltigen Buffet und setzten und schließlich an einen Tisch am Fenster. Während wir dort saßen, hob ich auf einmal mein Glas mit dem Multivitaminsaft. „Auf Marc.“, sagte ich. „Wer ist Marc?“, fragte Pam überrascht. „Mein kleiner Bruder. Der hat heute seinen 21. Geburtstag.“ „Dann vergiss nicht ihn anzurufen und ihm zu gratulieren.“ Ich senkte den Blick und starrte auf meinen Teller. „Das wird wohl nichts.“ „Warum?“, fragte Pam überrascht. „Wir haben seit knapp acht Jahren keinen Kontakt mehr.“ „Seit du zu Hause weg bist?“ Ich nickte. „Ich habe ja alle Brücken abgebrochen.“ „Das verstehe ich einfach nicht. Ich hätte gerne Geschwister. Aber leider konnte meine Mutter nach meiner Geburt keine Kinder mehr bekommen. Sonst wären wir sicher eine große Familie.“ „Meine Geschwister konnten zwar nichts dafür, ich hatte aber Angst, dass sie Ärger bekommen hätten, wenn ich Kontakt gehalten hätte.“ „Wie viele Geschwister hast du denn?“ „Zwei. Eben Marc und noch eine Schwester, die noch etwas jünger ist.“ „Wie alt ist sie jetzt?“ Ich rechnete kurz nach. „Jessy ist jetzt 19.“ „Warte mal kurz.“, Pam holte ihr Smartphone raus. Nach zwei Minuten sagte sie: „Also Marc finde ich nicht. Aber ich habe hier eine Jessica Murdock aus Sacramento.“ „Wo hast du sie?“ „Facebook.“ „Du bist bei Facebook?“ Sie nickte. „Wollte ich eigentlich nicht. Das hat Zelda mal gemacht, damit sie mir über Facebook schreiben kann.“ Ich nickte. Zelda war eine gute Freundin von Pam, die immer etwas flippig war. Außerdem war sie total vernetzt. Neben Facebook nutzte Zelda auch Instagram und sie hatte ihren eigenen YouTube Kanal, auf dem sie Makeup- und Shopping Tipps präsentierte. Ihr traute ich zu, dass sie Pam einfach angemeldet hatte.
„Soll ich Jessica mal eine Nachricht schreiben?“ „Du kannst es versuchen. Aber sie kennt dich ja gar nicht.“ „Ich stelle mich halt als deine Freundin vor.“ Sie tippte eine Nachricht und setzte danach das Frühstück fort.
„Was sollen wir denn heute noch machen?“ Pam zuckte mit den Schultern. „Willst du hier die Mall noch erkunden?“ „Besser nicht. Wenn ich hier noch Klamotten finde, ist am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig.“ „Was dann? Wir sind in LA, Sweetheart.“ „Also ich brauche weder Hollywood noch Beverly Hills.“, sagte Pam. „Mein Bedarf an Luxus hat dieses Hotel schon gedeckt.“ Ich überlegte kurz. „Venice? Santa Monica Pier?“ „Klingt schon viel besser. Da gibt es auch ein paar normale Menschen.“ „Okay.“

Zum Glück hatte ich das Flying J Travel Center, Ehrenberg als Zwischenziel ins Navi eingegeben. Sonst hätte es heute passieren können, dass ich auf einmal in Kalifornien gelandet wäre, ohne die Tanks zu füllen. Jetzt holte mich die Anweisung, von der Interstate abzufahren aus meinen Gedanken. Ich verließ die Interstate und fuhr zum Truckstop. Dort fuhr ich dann an die Zapfsäulen und tankte den Kenworth voll. Dabei brauchte ich heute sicher nicht auf das Gewicht achten. Wenn es danach ginge, hätte ich auch noch einen Tankauflieger anhängen können.
Nachdem die Tanks gefüllt waren, setzte ich den Truck auf einen Parkplatz und stellte die Systeme auf Pause. Dann wurden zuerst die Toiletten aufgesucht. Anschließend holte ich mir aus dem PJ Fresh Bereich noch ein Stück Pizza als Mittagessen. Anschließend war dann auch die halbe Stunde um, die ich mindestens stehenbleiben musste. Also machte ich mich wieder auf den Weg.

Dazu fuhr ich zurück auf die I-10 W in Richtung Los Angeles. Kaum war ich auf dem Freeway, überquerte ich den Colorado River und war wieder in meinem Heimatstaat. Dieser ließ mich dann direkt wieder anhalten. Ich hatte die hübsch gestaltete Blythe Inspection Station der CDFA erreicht. Nach einem Blick auf den Trailer ließ man mich dann aber schon wieder weiterfahren. Nun beschleunigte ich nur noch auf 55 und stellte den Tempomat ein. Da ich nun wieder entspannt dahinrollte, gingen meine Gedanken wieder zurück zum 20. November 2016.

Zurück im Hotelzimmer packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns zum auschecken fertig. Mit einem Blick auf das Bett fragte mich Pam: „Hast du noch Lust auf eine Runde in diesem tollen Bett?“ Sie warf mir einen eindeutigen Augenaufschlag zu. „Und was ist mit der Santa Monica Pier?“ „Die läuft uns doch nicht weg.“ „Tja, Sweetheart.“, sagte ich nachdenklich. „Wir haben immer noch keine Kondome und wenn es mit uns so weitergeht, wie ich mir das vorstelle, haben wir auch noch zahlreiche Gelegenheiten um miteinander zu schlafen.“ „Interessant. Erzähle mir von deinen Vorstellungen.“ „Das mache ich gerne. Willst du jetzt wirklich das Risiko weiter erhöhen, indem wir jetzt nochmal ohne Kondom ins Bett gehen?“ „Du hast leider recht.“, sagte sie. „Aber auf deine Vorstellungen nagele ich dich fest.“ „Geduld ist eine Tugend, Chica.“, sagte ich grinsend. „So tugendhaft bin ich nicht.“, sagte Pam mit einem frechen Grinsen. „Geduld kann ich gar nicht.“ „Du vergisst, dass du mit einem Drill Instructor redest. Kann ich nicht, gibt’s bei mir nicht.“ Sie streckte mir die Zunge raus, dann verließen wir das Zimmer.

Wir checkten aus dem Hotel aus und fuhren dann mit dem Hummer zum Santa Monica Pier. Wir hatten gerade geparkt und wollten uns ins Getümmel stürzen, als Pams Smartphone einen Signalton von sich gab. Sie schaute nach und ihr Gesicht erhellte sich. „Jessica hat geantwortet.“, sagte sie. „Was schreibt sie denn?“, fragte ich neugierig. Pam schaute nach. „Da kann ja jeder kommen und behaupten, die Freundin meines Bruders zu sein. Hast du Beweise?“, las sie vor. „Mache ein Foto von mir und schicke es ihr.“ „Okay.“ Pam machte ein Foto mit der Pier im Hintergrund und schickte es ihr. Kurz darauf kam die Antwort. Pam las sie wieder vor: „Seid ihr in Santa Monica? Nicht gerade um die Ecke um sich zu treffen. Das auf dem Foto könnte Steve sein, aber auch jeder andere. Ich hab ihn das letzte Mal gesehen, als ich elf war.“ „Da hat sie leider recht.“, sagte ich. „Fällt dir nichts ein, was nur du weißt?“, fragte Pam. Ich überlegte. „Vielleicht unsere zweiten Vornamen. Ich weiß, dass sie ihren genauso hasst, wie ich meinen.“ „Ich frage mal, ob sie das überzeugen würde.“ Pam tippte es ein. Kurz darauf kam eine Antwort, die Pam wieder vorlas: „Ich hasse ihn jetzt schon dafür, aber okay, das würde mich überzeugen.“ Pam blickte mich herausfordernd an. „Also?“ „Wenn du den jemals benutzt, kitzele ich dich durch, bis du keine Luft mehr kriegst.“ „Ich nehme die Herausforderung an.“, sagte Pam mit frechem Grinsen. „Also ihrer ist Emily und meiner…“ „Na?“, fragte sie mit herausforderndem Blick. „…ist Collin.“ Sie grinste. „Was hast du geschrieben?“ „Emily und Collin. Und ihr hasst sie wie die Pest.“ Sie grinste wieder. Die Antwort kam. Pam las vor: „Scheint wirklich mein Bruder Steve zu sein. Außerdem hat sie mir eine Freundschaftsanfrage geschickt.“ „Na dann.“, sagte ich. „Du kannst ihr ja meine Handynummer schicken.“ „Familienzusammenführung Schritt 1, abgeschlossen.“, sagte Pam grinsend.

Nun stürzten wir uns aber wirklich ins Getümmel auf der Santa Monica Pier. Wir schlenderten bis zum Ende über die Pier und blickten auf den Pazifik. „Lass uns ein bisschen Spazierengehen.“, sagte Pam dann. „In den Pacific Park muss ich nicht und Hunger habe ich auch keinen.“ „Okay. Lass uns in Richtung Venice Beach gehen.“ „Das klingt sehr gut.“, sagte Pam lächelnd.
Wir gingen über die Pier zurück und nahmen dann den Ocean Front Walk, wo wir Hand in Hand entlang gingen. Beim Original Muscle Beach Santa Monica wunderte sich Pam. „Ich dachte immer, da stehen Fitnessgeräte rum und nicht nur Gestelle mit Ringen und Seilen.“ „Was du meinst, ist Muscle Beach in Venice. Das sehen wir gleich erst.“ Wir gingen weiter. Dabei bummelten wir auch durch die zahlreichen kleinen Läden und Verkaufsstände.
Schließlich erreichten wir Venice Beach. Wir schauten dort eine Weile den Skatern in der Betonwanne des Venice Skate Parks zu. „Ist schon Cool, was die Boys können.“, sagte Pam bewundernd. „Ich kann mich zwar auf Inlinern bewegen, aber ein Skateboard hatte ich nie. Dad meinte, das sei unter unserem Niveau.“ Pam lachte herzhaft. „Ich wusste gar nicht, dass du als Snob aufgewachsen bist.“ „Dad hat irgendwann einen Höhenflug bekommen und meine Mom mitgezogen. Er hat als einfacher Verkäufer bei Walmart angefangen. Inzwischen ist er, glaube ich, Gebietsleiter für Kalifornien. Nun glaubt er, er sei was Besseres. Das fing an, als er Leiter des Zentrallagers in Sacramento und der angeschlossenen Außenläger wurde.“ Pam sah mich mitleidig an. „War das der Grund für euren Streit?“ „Irgendwie schon. Unsere Eltern waren der Meinung, dass wir alles besser haben müssten und auch besser sein müssten, als sie selbst. Früher habe ich Dads Zielstrebigkeit und seinen Ehrgeiz immer bewundert. Er hat neben der Arbeit studiert, damit er Karriere machen konnte und hat das geschafft. Es passte mir nur nicht, dass wir dann ihre Träume leben sollten und nicht unsere eigenen.“ „Und dann hast du mit 18 deine Sachen gepackt?“ „Es ließ sich nicht mit ihnen reden, also hab ich die Konsequenzen gezogen. Im Nachhinein tut es mir nur leid, dass ich deswegen nicht einmal die High-School beendet habe.“ „Wie lief das?“ „Ich hab meine Sachen, die ich behalten wollte zusammengepackt, alles in mein Auto geworfen und bin weg. Zu meiner damaligen Freundin konnte ich auch nicht. Ihre Eltern waren Rechtsanwälte und dazu auch noch mit meinen Eltern befreundet. Die hätten mich niemals aufgenommen. Also bin ich weg und hab mich bei den Marines gemeldet. So bekam ich ein Dach über dem Kopf und mit dem Corps eine Ersatzfamilie.“ „Wow.“, entfuhr es Pam. „Mein Dad ist nur einfacher Lagerarbeiter und meine Mom arbeitet als Reinigungskraft. Wir hatten nie viel Geld, aber wir waren trotzdem immer glücklich. Meine Eltern würden mir niemals vorschreiben, wie ich mein Leben führen sollte.“ Ich nahm sie in den Arm und küsste sie. „Ich will auch nur, dass du glücklich bist, Sweetheart.“ „Das bin ich mit dir.“ Wir gingen über die Windward Plaza zum Muscle Beach, Venice. Dort sagte Pam: „Das ist das, was ich meinte. Das habe ich schon im TV gesehen.“ „Jetzt auch in Natura.“, sagte ich grinsend. „Weißt du was ich gerne sehen würde?“, fragte sie mich und sah mich mit einem verführerischen Augenaufschlag an. „Ich ahne fürchterliches.“, sagte ich grinsend. „Ich würde gerne sehen, wie du dort deine Muskeln trainierst.“ „Das ist nicht dein Ernst.“ „Bitte, Darling.“, sie sah mich mit einem Blick an, dem ich nicht widerstehen konnte. „Wenn es sein muss.“, stöhnte ich. „Würdest du auch dein Shirt ausziehen?“, fragte sie mit gleichem Blick. „Warum das denn?“ „Ich will doch sehen, wie deine Muskeln arbeiten.“ „Was habe ich da bloß für eine Novia?“ Ich fügte mich ihren Wünschen und trainierte eine Viertelstunde mit freiem Oberkörper. Dann sagte ich: „Das reicht jetzt, sonst brauche ich gleich eine Dusche.“ „Okay, mein starker Mann.“, sie lächelte schelmisch. „Dann habe ich jetzt einen Wunsch frei.“, sagte ich lächelnd. „Was möchtest du denn, Darling?“ „Nichts Schlimmes. Wir ziehen unsere Schuhe aus und gehen barfuß am Wasser entlang.“ „Du ziehst mich aber nicht ins Wasser.“ „Einverstanden.“ „Dann gerne.“ Also gingen wir am Wasser zurück zur Santa Monica Pier. „Mit Sonnenuntergang wäre das noch romantischer.“, meinte Pam irgendwann. „Würde ich ja gerne machen. Aber deine Eltern erwarten dich auch bald zurück.“ „Siehst du, das ist der Haken bei meinen Eltern. Ihre erzkatholische Einstellung.“

Zurück an der Pier gingen wir noch zur Bubba Gump Shrimp Co. Dort nahmen wir dann noch jeder ein Shrimp Po‘ Boy genanntes Sandwich mit Fries. Das war so reichlich, dass Pam es nicht aufbekam. Ich war aber auch so gesättigt, dass wir den Rest leider zurückgehen lassen mussten. Im Anschluss machten wir uns dann auf den Weg zurück nach San Diego.
Als ich Pam zu Hause absetzte, sagte sie zu mir:
„Das war mit Abstand das schönste Wochenende in meinem Leben.“, dann gab sie mir einen langen, zärtlichen Kuss. „Für mich auch.“ Es folgte ein weiterer Kuss, dann sagte sie: „Adiós mi amor.“, und stieg aus. Ich sah ihr nach, wie sie im Haus verschwand und machte mich dann auf den Weg zum Stützpunkt.

Ich erreichte San Bernadino und merkte eindeutig, dass der Verkehr dichter wurde. Also schüttelte ich einmal kräftig den Kopf, um die Gedanken zu vertreiben und konzentrierte mich auf den Verkehr. Dann vertraute ich der Kombination aus dem Verkehrsfunk Decoder des Navis und den Gesprächen der anderen Trucker auf Kanal 19, um halbwegs gut durch den Freitagnachmittagsverkehr von Greater Los Angeles zu kommen. Ich entspannte mich dann erst wieder, als ich das San Fernando Valley verließ und mich langsam dem Tejon Pass näherte. Nun ließ ich meinen Erinnerungen wieder freien Lauf.

Am kommenden Donnerstag war Thanksgiving. Für mich war es dann das erst Thanksgiving seit acht Jahren, welches ich im Familienkreis verbrachte. Natürlich war es Pams Familie und nicht meine eigene. Brenda behandelte mich aber wie einen eigenen Sohn und Alejandro zumindest wie einen akzeptablen potentiellen Schwiegersohn. Dass Thanksgiving im Hause Cortez überhaupt gefeiert wurde, war Pams Mom zu verdanken. Sie hatte zwar auch einen Stammbaum, der irgendwo in früheren Generationen lateinamerikanische Wurzeln hatte, was man an ihrem südländischen Aussehen feststellen konnte, Trotzdem waren auch ihre Eltern bereits beide in den USA geboren. Daher feierte man auch die US-Amerikanischen Feiertage und nicht nur die mexikanischen. Sogar der obligatorische Truthahn war auf dem Tisch und Alejandro bemühte sich, ihn vernünftig zu tranchieren. Die ganze Stimmung war aber im Hause Cortez viel lockerer und gelöster als im Hause Murdock.
Bei meinen Eltern wirkte das ganze immer sehr steif und man bekam den Eindruck, dass jeder Angst hatte irgendwas falsch zu machen. Das dürfte sich auch im Jahr 2020 nicht verändern. Kein Wunder, dass Keela und Marc lieber nach Saint Paul flüchteten.

Ich führte in den nächsten Tagen auch einige Telefonate mit meiner Schwester Jessy. Dabei erfuhr ich, dass sie ebenfalls mit 18 zu Hause ausgezogen war. Im Gegensatz zu mir hatte sie aber den Vorteil, dass ihr Freund Dave etwas älter war, als sie selbst und zu dem Zeitpunkt bereits eine eigene Wohnung hatte. Es wohnte also nur noch Marc zu Hause. Er war aber immer schon der jenige von uns dreien gewesen, der sich am besten zu Hause anpassen konnte. Daher war ich auch nicht überrascht zu hören, dass Marc zwar auch nicht studierte, aber immerhin eine Ausbildung in der Verwaltung des Logistik Riesen UPS machte. Mehr wunderte es mich, dass es Jessy ihm gleichtat und inzwischen eine Ausbildung bei FedEx begonnen hatte. „Irgendwas muss ich ja machen.“, verteidigte sie sich. „Ich muss schließlich auch was zur Miete beitragen.“ Ich stellte dann auch fest, dass es, obwohl Jessy wohl immer noch die kleine, zickige Prinzessin spielte, schön war, etwas von der Familie aus Sacramento zu hören.

Nach der Überquerung des Tejon Passes ging es wieder ins Tal hinunter. Dort folgte ich dann weiter der I-5 und ließ den Golden State Highway rechts liegen. Die Untergehende Sonne wies mich auch darauf hin, dass ich langsam Feierabend machen musste. Also fuhr ich nur noch bis zum TA Truckstop in Buttonwillow. Nachdem ich dort Feierabend gemacht hatte, nutzte ich eine Dusche im Truckstop und ging anschließend zur Willow Ranch, wo ich mir ein Country-Fried Steak mit Baked Potatoe bestellte. Nach dem obligatorischen Telefonat mit Pam schaute ich vor dem zu Bett Gehen noch etwas YouTube.

Samstag, den 7. November 2020, 4:00 am, PST, Buttonwillow, CA:

Auch an diesem Morgen klingelte mein Wecker wieder um Vier. Ich stand auf und setzte, wie üblich den Kaffee auf. Anschließend ging ich zu Dusche und Rasur in den Truckstop. Pünktlich um Fünf begann ich mit der PTI und machte mich anschließend auf den Weg. Ich fuhr wieder auf die I-5 N in Richtung Heimat, beschleunigte auf 55 und schaltete den Tempomat ein. Dann rollte ich entspannt dahin. Auch heute dominierten die Erinnerungen meine Gedanken.

Es war die Vorweihnachtszeit 2016. Unsere traumhafte Nacht war schon ein paar Wochen her. Falls das überhaupt möglich war, verliebte ich mich noch jeden Tag mehr in Pam. Das Beste an der Sache war, ihr schien es ebenso zu gehen.
Dieses Jahr zelebrierte ich dann auch das erste Mal mit Pam und ihrer Familie die mexikanischen Weihnachtsfeierlichkeiten. Pam hatte die letzten Tage vor Weihnachten schon frei, damit sie Ihrer Mutter bei den Vorbereitungen zu den verschiedenen Posadas helfen konnte. Ich fuhr dann sofort nach Dienstschluss ebenfalls nach San Ysidro, um die Feiern mit Pam und ihrer Familie zu begehen. Bei einer Posada hatten wir dann eine sehr überraschende Begegnung. Wir waren gerade bei einer gastgebenden Familie eingetroffen und die Feier sollte beginnen, als noch weitere Gäste kamen. Auf einmal zupfte Pam bei mir ganz aufgeregt am Ärmel.
„Hey, da kommt Miguel mit seiner neuen Freundin.“ Ich zuckte nur mit den Schultern. „Na und?“ „Irgendwie wollte mir keiner aus dem Bekanntenkreis sagen, mit wem er zusammen ist.“ „Gleich wissen wir es.“, sagte ich gleichmütig.
Auf einmal merkte ich, wie Pam erstarrte. Dann rief sie: „Zelda? Du bist Miguels neue Freundin?“ Sie guckte Pam angriffslustig an. „Was dagegen?“, fragte sie dann. Nun wurde Pam auch angriffslustig. „Warum sollte ich? Ich bin mit Steve sehr glücklich.“ Es ging dann noch eine Weile so hin und her, bis Miguel und ich unsere Freundinnen beruhigten und auseinander führten. Dabei grüßten wir uns respektvoll. Als wir außer Hörweite waren, fragte ich Pam: „Was war das denn jetzt?“ „Ich kann es einfach nicht glauben, dass sie mit Miguel zusammen ist.“, zischte sie. „Das klingt ja beinahe so, als ob du eifersüchtig wärst.“ „So ein Quatsch.“, sagte Pam sauer. „Dann erkläre mir den Auftritt von dir bitte.“ „Okay.“, sagte sie. Ihre Stimme wurde noch leiser, damit keiner mithören konnte. „Immer, wenn ich wieder Stress mit Miguel hatte, habe ich bei Zelda mein Herz ausgeschüttet. Sie weiß alles. Sie kennt unsere ganze Geschichte. Im Guten, wie im Bösen.“ „Ja und?“ „Du weißt doch selbst wie sie ist. Nimm doch nur als Beispiel die Facebook Anmeldung von mir. Sie ist so stur und eigenwillig. Das kann nicht gut gehen.“ „Wie meinst du das?“ „Ich hab dir doch erzählt, wie besitzergreifend Miguel ist. Ich war seine Novia und nicht umgekehrt. Ich sollte anziehen, was er mochte, dann da sein, wenn er das für richtig hielt und so weiter. Das passt überhaupt nicht zu Zelda. Ich weiß doch wie Miguel reagiert, wenn man nicht macht, was er will. Er wird sie grün und blau prügeln.“ „Weiß sie das nicht?“ „Natürlich weiß sie das. Ich habe ihr ja immer alles erzählt.“ „Dann verstehe ich das nicht.“ „Ich ja eben auch nicht. Darum bin ich eben so ausgeflippt. Nicht etwa aus Eifersucht.“ „Das klang aber anders.“ „Ich kann Miguel nicht vor dem halben Viertel schlecht machen. Das gibt nur wieder Ärger. Ich wollte Zelda eben nur wachrütteln.“ „Hat wohl nicht funktioniert.“ „Das Problem ist, dass Miguel auch ganz anders kann. Ich bin ja auch auf ihn reingefallen. Anfangs war er ja auch total lieb, aufmerksam und romantisch.“ „Du kannst es aber wohl nicht ändern.“ „Scheint so. Solange Zelda dich nicht haben will, ist mir das egal.“ „Da kannst du beruhigt sein. Deine Freundin ist absolut nichts für mich. Die ist mir viel zu ausgeflippt. Außerdem habe ich keine Lust, dass mein halbes Liebesleben auf YouTube oder Instagram verbreitet wird.“ „Das beruhigt mich.“ Die weitere Feier lief dann aber gut, zumal ich darauf achtete, den beiden aus dem Weg zu gehen.

Mein Transponder holte mich aus den Gedanken. Ich durfte einmal über die Waage. Ich hatte gerade mal 48,469 lb, aber bei einem Single Pup interessierten sich die Beamten auch eher für die Achslasten als das Gesamtgewicht. Das war okay, also durfte ich weiter. Zurück auf der I-5 N, gingen meine Gedanken wieder vier Jahre zurück.

Es war Weihnachten. Am 24. Dezember hatte ich noch Dienst, danach packte ich ein paar Sachen zusammen und fuhr nach San Ysidro. Dort lernte ich dann auch Pams Großeltern kennen, die zu Weihnachten jedes Jahr aus Mexico rüberkamen, um Alejandro wenigstens einmal im Jahr in Natura zu sehen und nicht nur auf dem Monitor bei Skype. Brenda hatte sogar eine Ausnahme für mich erwirkt, dass ich von Alejandro die Erlaubnis bekam, bei ihnen zu übernachten. Da seine Eltern schon das Gästezimmer bekamen, hatte ich meinen Schlafsack mitgebracht. Ich wusste nur noch nicht, ob ich in Pams Zimmer auf dem Boden oder im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen sollte. Persönlich würde ich den Boden vorziehen, um bei meiner Süßen zu sein.

Nach dem Abendessen flüsterte mir Pam ins Ohr. „Ich muss dringend mit dir alleine sprechen.“ Ich nickte und wir verabschiedeten uns für einen kurzen Verdauungsspaziergang. Zum Glück kam keiner auf die Idee, uns begleiten zu wollen.
Als wir dann Hand in Hand durch San Ysidro liefen, fragte ich sie:
„Du hast gesagt, es ist dringend? Was hast du auf dem Herzen?“ „Es ist auch dringend.“, sagte Pam. „Wir haben vermutlich ein Problem. Meine Regel ist ausgeblieben.“ Im ersten Moment verstand ich gar nichts. „Was? Wovon redest du? Was für eine Regel?“ „Hat man dich nicht aufgeklärt?“, zischte sie sauer. „Meine Periode, Mann.“ Jetzt hatte ich es verstanden. „Meinst du, du bist…“ „Schwanger?“, vervollständigte sie meine Frage. „Das wäre immerhin möglich. Wir hatten schließlich ungeschützten Verkehr.“ Ich konnte es kaum fassen. „Ich werde vielleicht Vater?“, fragte ich ungläubig. „Noch ist nichts sicher. Ich muss zusehen, dass ich einen Termin bei meiner Gynäkologin bekomme.“ „Weißt du, wie glücklich du mich machen würdest?“ „Du würdest das durchziehen?“, fragte Pam erstaunt. „Selbstverständlich. Ich stehe bei deinem Vater im Wort. Außerdem wüsste ich keine Frau, mit der ich lieber ein Kind zusammen hätte.“ Pam schaute mich ein wenig erleichterter an. „Ich dachte schon…“ „Was? Dass ich dich jetzt sitzen lasse?“ Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Wir sind schließlich noch nicht so lange zusammen.“ „Das ist mir egal. Du bist die Frau, mit der ich mein Leben verbringen möchte.“ „Wow.“, sagte sie jetzt. „Das ist jetzt heftig.“ „Wieso? Willst du mich etwa nicht?“, fragte ich mit einem flauen Gefühl im Magen. „Ehrlich gesagt habe ich noch nicht so weit in die Zukunft gedacht.“ „Dann kannst du dir ja bis zu dem Termin bei deiner Ärztin Gedanken dazu machen.“ Sie schaute mich mit großen Augen an. „Wie auch immer du dich entscheidest, ich stehe zu dir. Wir schaffen das. Gemeinsam.“ Sie blieb abrupt stehen und drehte sich zu mir. „So sicher, wie du das jetzt sagst, glaube ich dir und ich vertraue dir.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und gab mir einen langen Kuss. „Ich liebe dich, Steven Murdock.“ „Ich liebe dich auch, Pamela Cortez.“ Wir gingen weiter. Währen den nächsten Schritten murmelte sie auf einmal: „Pamela Murdock, klingt gar nicht so schlecht.“ Wir schauten uns an und mussten beide lachen. Ich merkte, dass eine ungeheure Last von ihr abgefallen war.

Den Termin bekam sie erst Anfang Januar. Ich nahm mir den Tag frei, was natürlich eine Schimpftriade bei SgtMj Baldwin auslöste. Trotzdem wollte Pam nicht zu Hause von mir abgeholt werden. Ihre Mom wusste zwar, dass Pam einen Termin bei ihrer Gynäkologin hatte, hielt es aber für einen Routine Termin. Wir trafen uns in der Nähe der Arztpraxis und gingen dann gemeinsam zum Termin. Während der Untersuchungen wartete ich unruhig im Wartezimmer. Schließlich kam Pam raus und wir mussten noch einen Moment auf die Ergebnisse warten. Zu dem Gespräch gingen wir beide. Die Ärztin blickte dann von Pam zu mir und wieder zurück. Dann sagte sie: „Herzlichen Glückwunsch, Miss Cortez. Sie sind schwanger.“ Dann blickte sie zu mir. „Da ich vermute, dass Sie der Vater sind, gratuliere ich Ihnen ebenfalls.“ Ich konnte es vor Glück kaum fassen. Ich wurde tatsächlich Vater. „Ich habe hier schon Männer gesehen, die nicht so erfreut dreingeschaut haben. Daher vermute ich, dass sie das Kind behalten wollen.“ Pam schaute etwas unsicher. „Ich… denke… schon.“

Wir verließen die Praxis. Pam hatte sich wieder etwas gefangen. Dann sagte sie zu mir: „Typisch Marine. Jeder Schuss ein Treffer.“ Als sie mein verblüfftes Gesicht sah, begann sie frech zu grinsen. „Was denn? Darf deine Zukünftige keinen Humor haben?“ Ich fühlte mich immer noch überrumpelt. „Was? Wie?“ „Ich sollte doch über die Zukunft nachdenken.“ Ich war immer noch neben der Spur. „Hallo!“, sagte Pam jetzt laut. „Erde an Gunnery Sergeant Murdock. Sind sie noch da?“ „Ähh… ja.“ „Ganz genau.“, sagte Pam lachend. „Das ist die Antwort auf die Frage die du mir stellen wolltest.“ „Hab ich jetzt den Antrag verbockt?“ „So könnte man das sagen.“, antwortete sie lachend. Dann ging ich auf die Knie. „Steve?“, fragte Pam überrascht. Ich holte ein kleines Päckchen aus der Jackentasche. „Pamela Catalina Cortez, möchtest du meine Frau werden?“ Sie lief knallrot an. Dann riss sie sich zusammen. „Ja, Steven Collin Murdock. Ich will dich heiraten.“ Sie nahm das Päckchen und öffnete es. „Ist… das… etwa?“ „Kein Antrag ohne Ring.“, antwortete ich. Sie fiel mir um den Hals und ich fiel dabei beinahe um, da ich immer noch kniete. „Du bist einfach unglaublich.“ Bevor wir noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zogen, stand ich auf und wir gingen ein paar Schritte. „Das Schlimmste haben wir noch vor uns.“, sagte Pam nach ein paar Minuten. „Du meinst deine Eltern?“ „Was denn sonst?“ „Ich könnte es ja ganz Oldschool machen und deinen Dad um deine Hand bitten.“ „Das schon.“, sagte Pam. „Ich weiß nur nicht, ob uns die Antwort gefällt.“ „Er hat mir doch selbst das Versprechen abgenommen, dass ich dich nicht entehre und die Verantwortung trage.“ „Schon.“, sagte Pam. „Ich würde aber lieber erst den Segen für die Hochzeit haben und dann die Schwangerschaft erwähnen.“ „Verstehe.“ „Sonst sieht das ja so aus, als ob wir nur deswegen heiraten wollen.“ „Ist das etwa nicht so?“ „Ich sage es mal so.“, sagte Pam nachdenklich. „Ich würde dich höchstwahrscheinlich auch so heiraten. Aber sicher nicht so schnell.“ „Verstehe.“ „Wir sind noch keine drei Monate zusammen.“ Ich nickte. „Aber ich wusste vom ersten Augenblick an, dass du die Frau bist, mit der ich mein Leben verbringen will.“ „Du bist wirklich verrückt, Steve.“ „Vielleicht bin ich das. Aber dann bist du es, die das in mir ausgelöst hat.“ Sie umarmte mich wieder und küsste mich lange. Dann schaute sie mich nachdenklich an. „Wie geht es denn jetzt weiter?“ „Ich bin gut erzogen und ich bin Unteroffizier beim US-Marine Corps. Ich werde deinen Vater in aller Form um deine Hand bitten.“ „So richtig Oldschool?“ „Selbstverständlich.“ „Auf den Auftritt bin ich gespannt.“ „Du bekommst die volle Show geboten.“ „Solltest du mir den Verlobungsring dann nicht auch erst dabei geben?“ „Wenn du das möchtest.“ „Ist vielleicht besser. Sonst komme ich vielleicht in Erklärungsnotstand, wenn meine Mutter den Ring vorher an meiner Hand entdeckt.“ Sie gab ihn mir erstmal wieder. „Das heißt aber nicht, dass ich deinen Antrag ablehne.“, sagte sie mit einem Grinsen.

Der große Tag war dann am darauffolgenden Samstag. Pam hatte ihre Eltern dazu gebracht, dass sie mich zum Abendessen einluden. Ich wollte dem Anlass dann die entsprechende Form geben, indem ich in Uniform erschien. Dabei entschied ich mich dann für die höchste Kategorie, die ein Marine auch für „leave and liberty“ tragen durfte. Das war die blaue Bravo Uniform. Die blaue Alpha Uniform war offiziellen Anlässen vorbehalten, bei denen diese dann ausdrücklich angewiesen wurde. Da es aber beim Essen nach dem Antrag vermutlich zu formell und auch zu unbequem war, trug ich unter dem Uniform Mantel Hemd und Krawatte der Charlie Uniform. So machte ich mich dann auf den Weg nach San Ysidro.
Unterwegs kaufte ich noch Blumen für Brenda und einen kleineren Strauß für Pam. Ich erreichte das Haus meiner Schwiegereltern in spe und klingelte. Pam machte mir die Tür auf und bekam erstmal den Mund nicht mehr zu. „Ich habe ja mit einer Uniform gerechnet, aber eher mit der Service Uniform.“ „Die Blaue ist eher dem Anlass entsprechend.“, sagte ich trocken und gab ihr einen schnellen Kuss. Dann gab ich ihr ihren Strauß. „Dieser ist für dich, Sweetheart. Der andere für deine Mutter.“ Pam ließ mich rein und wir gingen zu ihren Eltern ins Wohnzimmer.
Brenda und Alejandro schauten ebenso groß, wie es Pam getan hatte. Sie wussten ja noch weniger, was der Anlass für den Termin war. Sie musterten mich von oben bis unten. Von der weißen Schirmmütze über den dunkelblauen Uniformmantel mit den goldenen Knöpfen, die weißen Handschuhe bis zu den blankgeputzten Schuhen. „Ich wusste gar nicht, dass dein Freund so eindrucksvoll sein kann.“, sie merkte was sie gesagt hatte und errötete. „Natürlich bist du auch sonst eindrucksvoll, Steve.“ Alejandro hatte sich ebenfalls gefasst. „¿Que está pasando aqui?“, fragte er dann. „Das würde mich auch interessieren.“, fügte Brenda hinzu. Eigentlich hatte ich mir die Frage, die ich Alejandro stellen wollte, auf Englisch zurechtgelegt. Nachdem ich seine Frage gehört hatte, schien es mir besser, die Frage in Alejandros Muttersprache zu stellen. Ich hoffte, dass ich alles richtig sagte: „Señor, quisiera pedirle formalmente la mano de su hija Pamela.“ Es verschlug erstmal beiden die Sprache. Brenda fand zuerst ihre Sprache wieder. „Hat er gerade wirklich das gemacht, was ich glaube?“ Alejandro antwortete ihr. „Si. Steve había pedido formalmente la mano de Pamela.“ „Das ist ja so romantisch.“, entfuhr es Brenda. „¿No es un poco apresurado?“, fragte Alejandro dann. Brenda stimmte zu. „Ich finde es auch etwas voreilig. Ihr seid doch erst so kurz zusammen.“ „Soy plenamente consciente de lo que siento por Pamela.“ „Nicht nur Steve weiß genau, was er für mich empfindet. Ich weiß es auch. Er hat mich bereits gefragt und ich habe ja gesagt. Es ist nur eine Frage des Anstands, dass er bei euch um meine Hand bittet.“, Pams Augen funkelten, als sie sich Luft machte. „Wir glauben euch schon, dass Ihr euch liebt. Gerade in dieser Phase, die ihr durchlebt, ist man ja frisch verliebt. Wir meinen damit nur, dass ihr vielleicht noch etwas warten solltet, bis ihr wirklich heiratet.“ „Todavía tienes toda la vida por delante. Espere un poco más.“ Irgendwie war es schon merkwürdig. Einerseits hatte Alejandro mich am Tag der besagten Nacht in die Pflicht genommen, seine Tochter nicht zu entehren. Anderseits sagte er jetzt, dass wir noch warten sollten. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Ich versuchte, meine Argumente zurecht zu legen.
Nachdem das getan war, entschloss ich mich bei meiner Muttersprache zu bleiben. Bevor es irgendwelche Missverständnisse gab. „Alejandro, als wir im November nach Los Angeles gefahren sind, hast du mich darauf eingeschworen, keine Dummheiten zu machen und deine Tochter nicht zu entehren. Nun stehe ich hier, weil ich deine Tochter über alle Maßen liebe und sie zu einer ehrbaren Frau machen möchte. Ich verstehe nicht, warum ich damit noch warten soll.“ Pam schaute mich dabei nervös an und errötete. Ich konnte förmlich die Angst spüren, dass ich was Falsches sagte. Alejandro flüsterte leise mit Brenda. Sie sagte ihm in ihren Worten ein paar Sachen, die er vielleicht missverstanden haben könnte. Nachdem sie sich leise besprochen hatten, sagte Brenda: „Steve. Wir mögen dich, wie einen eigenen Sohn. Es ist uns klar, dass ihr beide sehr verliebt in einander seid. Wir haben im Moment nur Zweifel, dass ihr euch wirklich bewusst seid, dass eine Ehe für immer halten sollte.“ Pamela war kurz davor zu explodieren. Das Feuer in ihren schwarzen Augen loderte. „Was ist denn heute schon für immer?“, platzte es dann aus ihr heraus. „Ob wir jetzt heiraten, oder in fünf Jahren. Das Risiko, dass die Ehe nicht hält, bleibt genauso gering. Außerdem. Wie viele Paare leben heute zusammen, ohne zu heiraten. Ich finde es ganz toll, dass Steve mich heiraten will. Außerdem ist es wirklich total romantisch, dass er um meine Hand anhält. Wenn man es genau nimmt, brauchen wir eure Einwilligung nicht.“ Ich hatte auch schon befürchtet, dass Pam mit ihrem Temperament was Falsches sagte. „Wir bitten euch lediglich nichts zu überstürzen.“, sagte Brenda. „Wartet einfach noch ein halbes Jahr oder so.“ „¿Eres católico en absoluto?“, fragte Alejandro auf einmal. „Lamentablemente no soy católico.“ „Entonces tienes que cambiar primero a la fe católica.“ „Das muss auf jeden Fall vorher noch passieren. Pamela kann dir bestätigen, wie wichtig uns die Kirche ist.“, fügte Brenda hinzu. Ich nickte zustimmend. „Daran wird es sicher nicht scheitern.“ „Das ist gut. Christlich erzogen wurdest du sicherlich trotzdem.“ „Meine Eltern hatten mit der Kirche nicht wirklich viel zu schaffen.“, sagte ich. Trotzdem habe ich meinen Glauben und halte ich außerdem an den Codex der Mariens.“ „Was ist das?“, fragte Brenda. „Unit, Corps, God, Country.“ „Verstehe. Und ihr wollt euch dann heute wirklich verloben?“ „Ja.“, sagten wir beide. „Dann frag Alejandro noch einmal.“ Ich straffte mich. Dann ging ich zu Alejandro. „Señor, quisiera pedirle formalmente la mano de su hija Pamela.“ Alejandro stand auf und sagte dann feierlich. „Steve, tienes mis bendiciones. Puedes pedirle la mano a Pamela.“
Also tat ich es dann nochmal offiziell. Ich holte das Kästchen mit dem Ring aus der Tasche und kniete nieder. „Pamela Catalina Cortez. Möchtest du meine Frau werden.“ „Ja, ich möchte dich heiraten.“ Dann steckte ich ihr den Ring an den Finger. Brenda kamen die Tränen. „Das ist ja so romantisch. Wie in einem klassischen Film.“ „Können wir dann jetzt essen? Ich sterbe vor Hunger.“, sagte Alejandro.
Zum Essen zog ich dann den Unifrommantel, die Schirmmütze und die Handschuhe aus. Dann genossen wir das Abendessen. „Jetzt, da ihr offiziell verlobt seid, könnt ihr aber trotzdem bis zum Sommer mit der Hochzeit warten.“, meinte Brenda beiläufig beim Essen. Ich hätte mich beinahe an meinem Bissen verschluckt. Auch Pam, die in den letzten Minuten sehr erleichtert gewirkt hatte, wurde blass, soweit das mit ihrem Teint ging. Pams Eltern hatten die Reaktion bemerkt und schauten sich überrascht an. „Wenn es darum geht, dass ihr miteinander intim werden wollt, verlobt ist ja mehr, als nur befreundet. Ich bin sicher, dass Alejandro das auch so sieht. Auch, wenn wir traditionsbewusst sind, leben wir im 21. Jahrhundert.“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich blickte von Brenda zu Alejandro, zu Pam und wieder zu Brenda. „Außerdem dauert es ja eine Weile, bis eine Hochzeit geplant und vorbereitet ist. Im Frühjahr sind außerdem so viele Feiern in der Kirche, da muss man erstmal einen Termin finden. Da ist das mit dem Wechsel der Konfession bei Steve noch das geringste Problem.“ Nach Brendas Satz herrschte eine unangenehme Stille am Tisch. Ich blickte verzweifelt zu Pam, die aber auf ihren Teller starrte. „Habt ihr es so eilig zu heiraten?“, fragte Alejandro. „Warum könnt ihr denn nicht abwarten. Ist es wegen dem, was Brenda gesagt hat?“ Er schaute in die Runde. „Da ihr verlobt seid, ist es in Ordnung, wenn ihr mehr tut, als nur Küssen.“ Die Stimmung am Tisch war bis zum Zerreißen angespannt. Pam vermied immer noch den Augenkontakt mit mir. Sie hatte geplant, nach der Verlobung noch etwas zu warten und es dann zu erzählen. Daher wusste ich im Moment auch nicht, was ich sagen sollte. „Ihr solltet eigentlich glücklicher aussehen, als ihr es gerade tut.“, meinte Brenda dann. „Wir wollen euch nicht reinreden. Ich denke nur, dass alles etwas dauert, bis eine Hochzeit vorbereitet ist.“ Pam blickte auf. Sie sah entschlossen in die Runde. Ihr Temperament brodelte unter der Oberfläche. „Ich weiß nicht, ob wir die Zeit dafür haben.“, platzte es dann aus ihr heraus. „Es sei denn, ihr wollt, dass eure Tochter einen Babybauch hat, wenn sie heiratet.“ Die Bombe war geplatzt. Brenda schaute fassungslos drein und Alejandro wusste im Moment nicht genau, wie er gucken sollte. „Bist du etwa…“, begann Brenda. Alejandro brachte es aber zuerst heraus. „Pamela. ¿Estás embarazada?“ „Sí papi Tendremos un bebe.“
Nach der Antwort herrschte erstmal wieder Schweigen am Tisch. Ich wusste nicht, ob ich nun erleichtert sein sollte oder eher beunruhigt. Brenda und Alejandro mussten die Antwort erstmal sacken lassen und Pam sah wie ein Kind aus, das gerade gebeichtet hat, was es angestellt hat. Ich rechnete nun mit Vorwürfen. Darüber, dass wir nicht aufgepasst hätten oder überhaupt miteinander geschlafen hatten. Diese blieben aber aus. Irgendwann fragte Brenda: „Wollt ihr nur deswegen heiraten? Vielleicht noch, weil Alejandro Steve in die Pflicht genommen hatte?“ Pam schaute mich nun flehend an. „Ich möchte Pamela heiraten, weil ich sie aus ganzem Herzen liebe. Ich habe auch den Eindruck, dass es bei ihr auch so ist. Das würde ich auch ohne die Schwangerschaft wollen. Dass wir ein Kind bekommen, sehe ich eher als einen wunderbaren Umstand, der noch obendrauf kommt, wie die Sahne auf den Kuchen. Vielleicht hätten wir, so wie ihr das wolltet, noch ein wenig länger gewartet, im Grunde ist es aber das gleiche. Ich könnte nicht glücklicher sein als heute, im Wissen, Pamela heiraten zu dürfen und mit ihr ein gemeinsames Kind zu bekommen.“ Brenda hatte es in der Zeit für Alejandro übersetzt, damit durch sein schlechtes Englisch keine Missverständnisse entstanden. Pam blickte mich nun verliebt an und sagte dann: „Ich kann mich Steves Worten nur anschließen. Mir geht es genauso.“ Brenda blickte uns abwechselnd an und sagte dann: „Das ist wohl heute der Abend der Überraschungen. Innerhalb von wenigen Minuten haben wir einen Schwiegersohn bekommen und erfahren nun auch noch, dass wir Großeltern werden. Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagen soll.“ Alejandro sah aus, als wüsste er nicht, ob er mich dafür rügen sollte, dass ich mit seiner Tochter vor der Verlobung intim war oder ob er mich für die Verantwortung, der ich mich gestellt hatte, loben sollte. Pam war aber offensichtlich sehr stolz auf mich. „Sicher könnten wir mit der Hochzeit noch warten.“, sagte Pam nun. „Wir wollten euch aber auch nicht in Verlegenheit bringen, indem wir erst dann heiraten, wenn meine Schwangerschaft unübersehbar ist. Zumal es dann heißen könnte, dass wir heiraten mussten.“ „Das ist uns nun auch klar.“, sagte Brenda trocken. Sie redete nun wieder leise mit Alejandro und ich sah Pam fragend an. Sie sagte dann leise zu mir: „Vermutlich haben wir ihr nun einen Traum verdorben.“ „Inwiefern?“, fragte ich verwundert. „Sie hat immer von einer großen mexikanisch geprägten Hochzeit für mich geträumt. Die konnten sie und Papa sich damals nicht leisten. Deshalb sollte ich diese Traumhochzeit bekommen.“ „Und?“ „Traditionelle Hochzeiten in Mexico sind riesig. Auf dem Land feiert da das ganze Dorf mit. Sie hat sicher vorgehabt, dass hier dann halb San Ysidro mitfeiern sollte. Außerdem sollte dann vermutlich Papas ganze Familie zu der Feier aus Mexico kommen. Die Zeit für die ganze Organisation haben wir doch nun gar nicht mehr. Es sei denn, dass dann wirklich schon jeder offensichtlich sieht, dass wir ein Kind bekommen.“

Nachdem eine Weile vergangen war, in der wir wieder schweigend gegessen hatten und jeder seinen Gedanken nachging, sagte Brenda: „In Ordnung. Ich werde mit Pamela zusammen alles tun, damit wir kurzfristig eine Hochzeit organisiert bekommen. Wo wollt ihr denn nach der Hochzeit wohnen?“ „Direkt gegenüber dem Nord Tor vom Stützpunkt gibt es ein Wohngebiet. Dort ist das Lincoln Military Housing – Gateway Village. Dort bekomme ich als Ausbilder mit Frau und Kind sicher was.“ „Besser, als auf dem Stützpunkt zu wohnen.“, meinte Brenda. „Dann kümmerst du dich darum, Steve. Du sorgst dafür, dass du katholisch wirst und eine Unterkunft für euch bekommst.“ Ich nickte.

Nach dem Essen machten Pam und ich einen Spaziergang. Da ich nun mal in der Uniform hier war, musste ich sie in der Öffentlichkeit dann auch vollständig tragen. Während wir dann durch San Ysidro liefen, meinte Pam: „Das ist gerade irgendwie surreal, mit dir in der Uniform hier rumzulaufen.“ „Ich hatte auch nicht an einen Spaziergang gedacht, als ich sie genommen hatte.“ „Ist doch ganz gut gelaufen.“, sagte Pam etwas später. „Jetzt ist es wenigstens raus.“, antwortete ich. „Bekommst du wirklich eine Wohnung da?“, fragte Pam jetzt. „Offiziell ist das ein Komplex für die Navy. Aber irgendwie gehören wir ja auch zur Navy. Wenn da was frei ist, bekommen wir da auch was. Ist dort auch mindestens teilmöbliert. Dann können wir unsere eigenen Möbel nach und nach holen. Wenn wir was finden, werden die Möbel von Uncle Sam durch unsere ersetzt und die anderen eingelagert.“ „Das klingt gut. Ich habe nicht viel Geld und meine Eltern auch nicht. Das weißt du ja.“ „Viel konnte ich bisher von meinem Sold auch nicht ansparen. Es wird aber reichen. Mit Frau und Kind bekomme ich da ja dann auch noch Zulagen.“ „Ich denke mal, Mom hat in der Kirchengemeinde auch genug Kontakte, damit wir die Hochzeit schnell hinbekommen.“ „Und wenn nicht?“ „Dann haben wir zwei Möglichkeiten zum Aussuchen.“ „Welche?“ „Erst dann zu heiraten, wenn man schon sieht, dass ich schwanger bin oder nach Las Vegas zu flüchten.“ „Was ist dann das kleinere Übel?“ „Keine Ahnung. Das müssten dann meine Eltern entscheiden.“ „Das ist sicher das Beste.“ „Was ist eigentlich mit deiner Familie?“, fragte Pam plötzlich. „Was soll damit sein?“, antwortete ich mit einer Gegenfrage. Meine Stimmung wurde dabei auch urplötzlich schlechter. „Willst du sie gar nicht dabeihaben?“ „Du weißt genau, wie ich zu meiner Familie stehe.“ „Na gut. Deine Eltern brauchst du ja nicht einladen, wenn du nicht willst, aber was ist mit deinen Geschwistern?“ „Es ist besser, wenn in Sacramento keiner von der Hochzeit erfährt.“ „Aber mit Jessica hast du doch wieder Kontakt.“ „Jessy könnte sich verplappern. Dann erfährt Frank Murdock hinterher doch noch was.“ „Okay, wie du meinst. Es ist trotzdem schade, wenn keiner von deiner Familie dabei ist.“ „Glaube mir. Es ist besser so.“ Pam nickte. „Ich vertraue dir.“

Wir gingen dann langsam zurück. Bei Pams Zuhause angekommen, setzten wir dann die kleine Verlobungsfeier fort. Irgendwann fuhr ich dann nach Hause in die Kaserne.

Die nächsten Tage waren dann von den ersten Vorbereitungen geprägt. Bei meinen Sachen lief das auch recht erfolgreich. Der Wechsel von der Evangelischen zur Katholischen Kirche war überwiegend eine Formsache und somit recht schnell erledigt. Immerhin waren es beides Christliche Konfessionen und Kalifornien war ja auch nicht Irland, wo man sich damit sicherlich schwerer tat. Auch die Anfrage beim Lincoln Military Housing – Gateway Village lief erfolgreich. Zum 1. März 2017 sollte ein Haus für uns frei werden. Da man mich auch als Ausbilder an der MCRD, San Diego halten wollte, war das kein Problem, es zu bekommen und Pam gefiel es besser, als auf einem Stützpunkt des Marine Corps mit einem Baby zu wohnen.

Die schlechteren Neuigkeiten kamen dann von den Vorbereitungen, die Pam und ihre Mom trafen. Sie hatten zwar ein laut Pams Aussage traumhaftes Brautkleid gefunden, das auch noch passen würde, wenn Pams Bauchumfang etwas zulegen würde und zusätzlich auch erschwinglich war, da es Second Hand war, die anderen Sachen machten aber mehr Probleme. In der Kirche Our Lady of Mount Carmel in San Ysidro, zu dessen Gemeinde auch Pam und ihre Eltern gehörten, gab es keine Möglichkeit mehr, die Hochzeit so kurzfristig abzuhalten, dass Pam auch noch in das inzwischen gekaufte Kleid passte. Ähnlich sah es auch bei den weiteren Kirchen im San Diego County aus. Unser Zeitfenster war aber auch recht klein. Schließlich hatten wir inzwischen schon Ende Januar und ab der 17. Woche würde die Schwangerschaft auch für andere Leute langsam sichtbar werden. Daher waren Pams Eltern auch nicht sonderlich traurig, wenn sie dann ab März nicht mehr in San Ysidro wohnte. So kam dann nicht so schnell Gerede auf. Es würde sicherlich schon genug Gerede geben, wenn wir nicht in San Diego heirateten, sondern in Las Vegas und danach sah es immer mehr aus. Zusätzlich zu den zahlreichen konfessionslosen Hochzeitskapellen auf dem Las Vegas Strip gab es auch einige katholische Kirchen, die sich dem Ruf von Las Vegas als Ehe-Hauptstadt der Welt gebeugt hatten und daher auch kurzfristig Termine vergaben.
Da wir nicht von heute auf morgen heiraten mussten konnten wir die Sache auch vorbereiten und legten dann einen Termin Ende Februar fest. Dazu bräuchten wir dann noch nicht einmal die, in Nevada innerhalb von wenigen Minuten zu bekommene Heiratsurkunde. Selbst eine kalifornische Heiratsurkunde wäre bis dahin verfügbar. Da die Eheschließung aber in Nevada stattfand, beantragten wir sie trotzdem dort. Da Brenda und Alejandro einen sehr guten Draht zum Pastor ihrer Gemeinde hatten, der es außerdem bedauerte, dass er selbst keinen Termin hatte, nutzte dieser seine Kontakte, um eine Hochzeit am gewünschten Termin in der Guardian Angel Cathedral in Las Vegas möglich zu machen. Passend zu der Location wurde dann auch das Restaurant El Segundo Sol in unmittelbarer Nähe für die Feier reserviert und Zimmer für uns und die Gäste im Treasure Island Hotel gebucht. Damit sie, als Brauteltern die Hochzeit ausrichten konnten, hatten Brenda und Alejandro seit Jahren einen Sparvertrag. Nun war die Anzahl der Gäste geringer, dafür war die Unterkunft teurer und die Anreise der Gäste kam hinzu. Das glich die Sache wieder aus. Schließlich war dann alles vorbereitet und der große Tag konnte kommen.

Ich hatte Sacramento erreicht und den American River überquert. Dann erreichte ich das Kreuz mit der I-80, wo ich dann endlich die Interstate 5 verließ. An der nächsten Ausfahrt verließ ich die I-80 und fuhr zum Außenlager nach North Natomas. Da ich weder Altverpackungen, noch leere Paletten geladen hatte, brauchte ich auch nicht mehr in die Ecke. Die Werbeflyer wurden an einer regulären Rampe entladen. Nachdem ich den Pup dort abgesattelt hatte, schickte mich mein Schwesterchen dann auch, wie erwartet, ins Wochenende. Mit der Restfahrzeit für diese Woche wäre auch nichts anderes mehr machbar gewesen. Allenfalls noch eine Stadtfahrt, die mir aber erspart blieb. Also machte ich mich dann Bobtail auf den Weg zum Zentrallager.

Dort angekommen, erledigte ich schnell den restlichen Papierkram und packte dann meine Sachen zusammen. Dann sah ich zu, dass ich schnell nach Hause kam. Nach den ganzen Gedanken an die Anfänge mit Pam, konnte ich es kaum noch erwarten, sie und Tim endlich wieder in meine Arme zu schließen. Sie waren die beiden wichtigsten Menschen in meinem Leben und ich war unendlich dankbar dafür, dass es sie gab und dass beide zu mir gehörten.

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